15.12.2018 19:30 |

Schauspielhaus Graz:

Einen klassischen Jux will er sich machen

Es ist das Lieblingswort von Hausknecht Melchior in Nestroys „Einen Jux will er sich machen“ - und war wohl auch die Prämisse von Dominique Schnizers Inszenierung: „Klassisch“ bringt er den Stoff im Grazer Schauspielhaus als rasante Komödie auf die Bühne. Für bissige Bezüge zur Gegenwart sorgen einzig die Couplets von Stefanie Sargnagel.

Nur einmal ein „verfluchter Kerl“ sein - dieser Wunsch überkommt den beflissenen Weinberl, nachdem ihm der Gewürzkrämer Zangler zu seinem Associé befördert hat. Also folgt er seinem Lohnherren und dessen neuem Hausknecht Melchior heimlich in die große Stadt, um sich einen Jux zu machen - an seiner Seite der treue aber vorlaute Lehrjunge Christopherl. Gemeinsam schlittern sie von einer Bredouille in die nächste, müssen lügen, betrügen und zechprellen um nicht aufzufliegen - und landen am Ende ihres Ausflugs zielsicher bei einem Happy End.

Zweiter Nestroy-Streich
Schon in der vergangenen Saison hat Dominique Schnizer mit einer schwungvollen, aber auch recht konventionellen Nestroy-Inszenierung dem Grazer Schauspielhaus einen Publikumshit geliefert. Auf den „Talisman“ folgt nun der „Jux“ und der Regisseur bleibt seinem Erfolgskonzept und seinem Team vollumfänglich treu. Brav hält er Handlung und Sprache im originalgetreuen Rahmen, legt äußerst erfolgreich Augenmerk auf Pointensetzung und Rasanz. Christin Treunert (Bühne und Kostüme) hat dafür eine bieder-braune Welt geschaffen, die Raum für so manchen Slapstick bietet, jedoch nie den Sprachwitz zu übertönen versucht.

Makellose Darsteller
Franz Solar (Weinberl) und Clemens Maria Riegler (Christopherl) standen im „Talisman“ schon im Zentrum und sind auch hier ein komödiantisch perfekt abgestimmtes Unglücksduo, dem Werner Strengers Zangler als grimmige Instanz entgegentritt. Ohne Makel sind auch Evamaria Salcher, Maximiliane Haß und Mathias Lodd. Dazu kommen Gäste wie Matthias Ohner und Rudi Widerhofer, der als Melchior viele wunderbare Pointen servieren darf. Die größten Lacher jedoch gehen auf das Konto von Franz Xaver Zach als schnupftabaksüchtige Wuchtbrumme Fräulein von Blumenblatt.

Kontemporärer Biss
Musikalisch setzt Schnizer erneut auf Bernhard Neumaier, der die Couplets wunderbar zum Raunzen bringt, denen Stefanie Sargnagel kontemporären Biss andichtet: Die politische Überreizung des Ausländerthemas wird von ihr genauso angesprochen wie die Unverschämtheit des Geldadels und die Trägheit des (Bildungs-)Bürgertums („Ihm grausts vor der Armut, besonders vor die Armen / Vor die schirchen Emanzen, vor Moslems und Warmen“).

Mehr davon hätte dem Abend nicht geschadet. So ist dieser „Jux“ vor allem eines: Perfekt umgesetztes Unterhaltungstheater, oder wie Melchior sagen würde: „Des is echt klassisch!"

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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