Fr, 18. Jänner 2019

„Krone“-Interview

12.12.2018 06:00

Strache: Lieber Vizekanzler als Wiener Rathaus

Er sei „schon aufgeregt“, sagt Vizekanzler Heinz-Christian Strache und prüft, ob er eh keine Nachricht von seiner Frau verpasst hat. Immerhin wird er bald wieder Vater. Im „Krone“-Interview spricht der FPÖ-Chef über die Koalition, Sexismus und den siebenten Zwerg.

Krone: Herr Vizekanzler, Sie sind nun seit einem Jahr in der Regierung und man kann Ihnen die Freude darüber in jeder Sekunde ansehen. Sie wirken stets so richtig glücklich. Sind Sie nun angekommen?
Heinz-Christian Strache: Das liegt vor allem an meiner wundervollen Frau. Sie ist für mich die perfekte Ergänzung, sodass ich einfach glücklich bin. Wenn man das auf meine berufliche Verantwortung umlegt: Wenn man 13 Jahre in der Opposition die richtigen Themen und Forderungen gestellt - Rot und Schwarz hat das reflexartig alles abgelehnt - und jetzt im Regierungsprogramm eine freiheitliche Handschrift sichergestellt hat, dann ist das etwas, das auch im Interesse der eigenen Kinder wichtig ist. Und es ist etwas, das mich auch persönlich zufrieden macht, wenn man die Fehler von Rot-Schwarz korrigieren kann.

Wenn es um die Regierung geht, ist viel von Harmonie die Rede. Das wichtigste Ziel scheint zu sein, nicht zu streiten. Doch man hört, dass es hinter den Kulissen auch gehörig kracht. Ist das der größte Erfolg der Koalition, dass dies nicht nach außen dringt?
Wir streiten nicht, ich weiß nicht, woher Sie das haben. Manche wünschen sich, dass gestritten wird, weil sie es nicht anders kennen von Rot-Schwarz. Wir gehen nun respektvoll miteinander um und auf Augenhöhe, die Chemie stimmt. Aber dass es sich um zwei politisch unterschiedliche Parteien handelt, ist ja ein offenes Geheimnis. Und da und dort gibt es natürlich unterschiedliche Positionen.

Nicht nur bei der Bilanz-Pressekonferenz von Kanzler Sebastian Kurz und Ihnen in der vergangenen Woche ging es hauptsächlich um Pannen und Fehltritte der FPÖ. Gibt Ihnen das nicht zu denken?
Das liegt in der Betrachtung der Medienlandschaft. Es ist sehr viel weitergegangen. Aber oft wird der Fokus auf den siebenten Zwerg hinter dem siebenten Berg gerichtet oder mit Unwahrheiten operiert, so wie bei der Notstandshilfe, die ja bestehen bleibt. Die SPÖ hat bis heute die Oppositionspolitik nicht gelernt, aber ich werde ihr keine Nachhilfe geben.

Sie hatten vor Kurzem einen Termin mit der neuen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, der - dem Vernehmen nach - sehr gut und konstruktiv verlaufen ist. Ist die SPÖ ein möglicher Partner für Sie?
Pamela Rendi-Wagner ist die weibliche Fortsetzung des ehemaligen Parteichefs Christian Kern. Es wird vielleicht Möglichkeiten zur Zusammenarbeit geben, aber das hat die SPÖ bisher nicht gelebt, wie etwa beim Kopftuchverbot.

Der neue Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer hat mit seinem sexistischen „Horizontalen“-Sager für Empörung gesorgt. Von SPÖ und ÖVP kamen Rücktrittsaufforderungen. Nur die FPÖ blieb ruhig. Finden Sie solche Entgleisungen nicht so schlimm?
Es ist schon interessant, festzustellen, wie mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Man kann immer wieder dumme Aussagen erleben, aber wenn jemand das richtigstellt und sich entschuldigt, dann sollte man das auch respektieren und akzeptieren. Dornauer hat das ja auch nicht so gemeint, wie ihm unterstellt wird.

Sagt er.
Ich glaube, man sollte nicht immer alles in einer bösartigen Art und Weise unterstellen. Man soll auch die Erklärung respektieren.

SPÖ und ÖVP sind bereits in den EU-Wahlkampf gestartet. Wird die FPÖ eine Allianz mit den Rechten, von Salvini bis Le Pen, eingehen? Denken Sie, dass solch eine Rechtsaußen-Achse gut ankommt?
Wir kandidieren in Österreich als FPÖ, denn wir sind den Österreichern verpflichtet. Europa liegt uns am Herzen, daher ist es uns wichtig, dass gewisse Fehlentwicklungen korrigiert werden. Ja, Salvini ist einer unserer Bündnispartner. Es ist viel aufzuholen, es braucht eine Korrektur, um den Merkel-Macron-Juncker-Kurs abzuwählen.

Kommen wir zur nächsten Wahl: Sie wollten eigentlich immer Wiener Bürgermeister werden. Ist das noch so?
Ich habe bei der letzten Nationalratswahl die FPÖ zu einem historischen Erfolg führen können. Da habe ich jetzt auch eine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung. Dieser Verantwortung komme ich nach.

Konkret heißt das, Sie kandidieren nicht in Wien?
Das ist nicht mein Ziel.

Doris Vettermann, Kronen Zeitung

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