So, 21. Oktober 2018

„Sexualstraftäter“

25.09.2018 20:18

Missbrauch: 3 bis 10 Jahre Haft für Bill Cosby

Jetzt steht es fest: Nach jahrelangen Missbrauchsprozessen muss Bill Cosby hinter Gitter. Der 81-Jährige kommt nicht mit Hausarrest davon, wie es seine Verteidiger gefordert hatten, sondern muss für drei bis zehn Jahre in ein Staatsgefängnis. Der ehemalige TV-Star („The Cosby Show“), dem zahlreiche Frauen seit Jahren sexuellen Missbrauch vorwerfen, war bereits im April wegen eines Verbrechens aus dem Jahr 2004 schuldig gesprochen worden. Cosby wurde nun zudem als „gewalttätiger Sexualstraftäter“ eingestuft.

Richter Steven O‘Neill verkündete am Dienstag in Pennsylvania das Strafmaß für den 81-Jährigen. Dagegen wollen Cosbys Anwälte Berufung einlegen. Es ist die erste Verurteilung eines Prominenten, seit die #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Übergriffe vor fast genau einem Jahr ins Rollen kam.

Cosbys Anwalt beantrage auch, seinen Mandaten bis zum Berufungsurteil gegen Kaution auf freiem Fuß zu lassen. Richter O‘Neill ordnete aber an, Cosby sogleich in Haft zu nehmen. Frühestens nach drei Jahren Haft kann Cosby jetzt auf eine Entlassung hoffen.

Cosby (im Video oben auf dem Weg zur Urteilsverkündung zu sehen) zeigte nach der Urteilsverkündung keine Regung. Die Gelegenheit, sich abschließend zu äußern, nahm er nicht wahr. Familienmitglieder Cosbys waren wie schon am Vortag nicht mit im Saal. Cosby muss zudem eine Geldstrafe von 25.000 Dollar zahlen.

Richter: „Je höher der Aufstieg, desto tiefer der Fall“
„Niemand steht über dem Gesetz und niemand sollte wegen seines Wohnorts, wegen seiner Identität oder wegen Wohlstand, Ruhm, Berühmtheit oder sogar Wohltätigkeit anders behandelt werden“, sagte O‘Neill in seinem Urteilsspruch. „Je höher der Aufstieg, desto tiefer der Fall.“ Die Auswirkungen auf Cosbys Leben seien ihm bewusst „und es tut mir leid“, sagte der Richter.

Cosby war im April wegen schwerer sexueller Nötigung in drei Fällen schuldig gesprochen worden. Dafür drohten ihm eigentlich bis zu 30 Jahre Haft. Verteidigung und Staatsanwaltschaft einigten sich aber, diese Fälle zusammenzuführen. Damit liegt die mögliche Höchststrafe bei zehn Jahren Haft im Gefängnis des Bundesstaats Pennsylvania. Die Inhaftierten sitzen dort meist längere Strafen für schwerere Verbrechen ab als Insassen der Bezirksgefängnisse.

Cosby wird in Register für Sexualstraftäter aufgenommen
Im öffentlichen Register für Sexualstraftäter, das alle 50 Staaten der USA führen, wird Cosby als „gewaltbereiter Sexualverbrecher“ eingetragen. Auch nach seiner Haftstrafe oder einer Entlassung auf Bewährung muss er sich damit regelmäßig bei der Polizei melden und an Therapie-Sitzungen teilnehmen. Kindergärten, Schulen und Bewohner in Cosbys Nachbarschaft werden zudem mit Foto und Hinweisen über seine Straftaten vor ihm gewarnt. Diese Hinweise sind öffentlich im Internet einsehbar.

„Wer jemanden unter Drogen setzt und sexuell missbraucht, muss einen hohen Preis zahlen, und dieser Preis ist die eigene Freiheit“, sagte Staatsanwalt Kevin Steele. Verteidiger Joseph Green hatte dagegen von „übermäßiger Härte“ gesprochen und auf Cosbys Alter sowie seine Blindheit hingewiesen. „Was macht ein 81 Jahre alter Mann im Gefängnis?“, fragte Green.

Cosby wird von etwa 60 Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, allerdings sind die meisten Fälle verjährt. In dem nun verhandelten Fall ging es um die Vorwürfe von Andrea Constand. Nach ihrer Aussage hatte Cosby sie im Jänner 2004 in seinem Haus in Philadelphia unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht.

 krone.at
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