Mo, 15. Oktober 2018

Mathematisches Modell

19.07.2018 07:21

Forscher sagen voraus: 2018 wird ein „Zecken-Jahr“

Heuer könnte das Risiko höher sein, durch Zeckenbisse an FSME oder Borreliose zu erkranken. Denn 2018 wird es besonders viele Zecken geben. Warum Forschende der Vetmeduni Vienna gemeinsam mit einem Team aus München ein starkes „Zecken-Jahr“ prognostizieren können? Sie haben ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem sie die Zeckendichte bereits im Winter für den darauffolgenden Sommer voraussagen können. 

Die hohe Zahl der bislang gesammelten Zecken bestätigt die Prognose für 2018. Beim Sommerspaziergang durch Wälder oder Gärten kann man sich mit dem Gemeinen Holzbock, Ixodes ricinus, einen ungebetenen Gast mitnehmen, der ein Gesundheitsrisiko sein kann. Denn die Zeckenart überträgt die Erreger der bakteriellen Erkrankung Borreliose und der viralen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die tödlich enden kann. Die Häufigkeit der viralen und bakteriellen Erreger und damit das Ansteckungsrisiko hängen von der Zeckendichte ab. Mehr Zecken bedeutet ein höheres Risiko an FSME oder Borreliose zu erkranken.

Rechtzeitige Warnung ist mittlerweile möglich
Dank eines Prognosemodells kann nun rechtzeitig vor dem Sommer vor starken Zeckenjahren gewarnt werden. Die Basis für das von Forschenden der Vetmeduni Vienna entwickelte Tool bildeten genau dokumentierte Populationszahlen eines Kooperationspartners aus Deutschland. Für 2018 stimmen Prognose und Experten überein, es wird ein Zecken-Superjahr. Bucheckern und Temperaturen erlauben Prognose der Zeckendichte Seit Jahrzehnten erforscht Gerhard Dobler vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) mit seinem Team die Ausbreitung und Aktivität des FSME-Virus in Deutschland. Seit fast zehn Jahre dokumentieren die Forschenden die Zeckenzahlen an einem Infektionsherd in Süddeutschland. Diese Daten nutzten Katharina Brugger und Franz Rubel vom Institut für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Vienna für die Entwicklung ihres mathematischen Prognosemodells, das bereits in den Wintermonaten eine genaue Vorhersage der zu erwartenden Zeckenpopulation erlaubt.

„Für dieses Jahr konnten wir damit schon Ende Februar die höchste, je beobachtete Zeckendichte vorhersagen“, so Rubel. In das mathematische Modell fließen biologische Parameter wie etwa die Zahl der Bucheckern zwei Jahre vor dem aktuellen Sommer, sowie die jährliche Durchschnittstemperatur im Jahr davor und die aktuelle Wintertemperatur ein. „Speziell in den als Mastjahre bezeichneten Jahren mit mehr Bucheckern gibt es auch mehr Wild- und Nagetiere, die wiederum Wirte für Blutmahlzeiten der Zecken sind und damit zu einer Populationserhöhung beitragen“, erklärt Brugger. Das aufgrund der vielen biologischen Zusammenhänge komplexe Modell konnten die Forschenden bereits letztes Jahr erfolgreich bestätigen. Für das Jahr 2017 hatten sie 187 Zecken pro 100 Quadratmeter vorhergesagt, 180 wurden tatsächlich gefunden. Für 2018 wurde mit 443 Zecken pro 100 Quadratmeter sogar die höchste je gefundene Zeckenzahl vorausgesagt und Dobler weiß mittlerweile, dass sich auch diese Voraussage genau erfüllen wird. „Wir haben die höchste Zahl von Zecken, die wir seit Beginn der Untersuchungen gesammelt haben. Das mag zwar positiv für die Zecken sein, ist aber schlecht für uns.“

Süddeutsche Modellregion als Indikator für Österreich
Warum das mit Daten aus Deutschland erstellte Prognosemodell auch für Österreich zutreffende Zahlen liefert, liegt an einem eindeutigen, überregionalen Trend der Zeckenzahlen. Denn das ausgewählte Gebiet ist eine perfekte Referenz für andere, mitteleuropäische Regionen. „Zeckenjahre sind in ganz Mitteleuropa synchronisiert. Wenn in Süddeutschland ein Zeckenjahr ist, dann gilt das auch für Österreich“, erklärt Rubel. Dem Infektionsrisiko vorbeugen Mehr Zecken bedeutet immer auch ein erhöhtes Risiko zu erkranken, insbesondere im österreichischen und süddeutschen Raum. Um der Gefahr einer Hirnhautentzündung vorzubeugen, kann und sollte man sich gegen das FSME-Virus impfen und diese regelmäßig auffrischen lassen. Gegen Borreliose gibt es eine Antibiotikatherapie, aber keinerlei Vorbeugemaßnahmen. Hier hilft zur Vorbeugung nur das Absuchen des Körpers nach Waldspaziergängen und Aufenthalten im Freien. Je schneller die Zecke innerhalb der ersten zwölf Stunden nach einem Biss entfernt wird, umso geringer ist die Gefahr an Borreliose zu erkranken.

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