Mi, 17. Oktober 2018

Spott und Hohn im Netz

28.06.2018 06:00

Diese „Restaurierung“ ist gehörig schief gegangen

Eine Skulptur des Heiligen Georg, die nach ihrer „Restaurierung“ einer Comicfigur ähnelt, sorgt derzeit in Spanien für Spott und Empörung. Der berittene Heilige erfreut sich nun einer leuchtend rosafarbenen Haut und gezupft anmutender Augenbrauen. Vorher-nachher-Aufnahmen der Statue wurden in den sozialen Netzwerken schnell zum Hit. Kunstexperten sind entrüstet.

Die Skulptur aus der Sankt-Michaels-Kirche in der nordwestspanischen Kleinstadt Estella ist als Kulturerbe klassifiziert. Dementsprechend hätte die zuständige Regionalregierung von Navarro der Bearbeitung zustimmen müssen. „Es handelt sich um ein interessantes Stück, ungefähr aus dem Jahr 1500 und gut erhalten“, sagte Carlos Martinez Alava, der in Navarro für historische Kunstschätze zuständig ist.

Die Restaurierung sei jedoch unprofessionell und ohne Kontrolle geschehen. „Sie haben die Originalfarbe aus dem 16. Jahrhundert mit frischer Farbe überdeckt und anscheinend ist auch geschliffen und gekratzt worden, was nicht den gängigen Praktiken der Restauration entspricht“, kritisierte Alava. Sein Team versuche nun, die „Restaurierung“ rückgängig zu machen.

Skulptur mittlerweile verdeckt
Auf den Spott im Internet folgte Empörung der Behörden und der Kunstszene. „Wir können keine weiteren Angriffe auf das kulturelle Erbe zulassen“, erboste sich die spanische Vereinigung von Restauratoren und drohte mit rechtlichen Schritten. Die Skulptur wurde mittlerweile verdeckt und die Sankt-Michaels-Kirche für Besucher geschlossen. „Wir möchten nicht, dass (die Kirche) zu einem Pilgerort wie in Borja wird“, sagte der Bürgermeister des 13.000-Einwohner-Städtchens, Koldo Leoz.

Denn die Geschichte erinnert unweigerlich an die der Rentnerin Cecilia Gimenez aus dem kleinen nordspanischen Dorf Borja: Gimenez hatte 2012 auf eigene Faust ein über 100 Jahre altes Jesus-Fresko „restauriert“. Das Ergebnis war so katastrophal, dass es sich weltweit im Internet verbreitete. Heute ist das verschandelte Fresko, das Jesus als affenähnliches Wesen mit Knopfäuglein und einem Klecks als Mund zeigt, eine Touristenattraktion.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.