Mo, 23. Juli 2018

Innovativer Landwirt

04.04.2018 10:21

„Du bisch ja koa Schafbauer mit deine Sauviecher“

Sebastian Eder ist 23 Jahre alt. Wenn er spricht, blitzt Idealismus aus seinen blauen Augen. Der Mann ist Landwirt und er ist Unternehmer. In seiner täglichen Arbeit baut er Brücken zwischen Tradition und Innovation.

Seine Finger schließen sich routiniert um die Heugabel, seine Finger sausen routiniert über die Tastatur. Sebastian Eder ist wirklich kein reiner Schafbauer - er ist auch Gründer. Nach dem Ausmisten betreut er seine Social Media Kanäle, er geht in den Stall und er aktualisiert seine Website. Welten, die lange getrennt voneinander existiert haben, verschmelzen zunehmend. Auch, oder gerade wegen Vorreitern wie Eder.

Berufung nicht Beruf
Es ist kurz vor 9 Uhr morgens. Der kleine Ort Flaurling wirkt wie ausgestorben um diese Uhrzeit. Für Eder ist der Tag schon einige Stunden alt. Sein Wecker klingelt um 5 Uhr. Denn bevor er in die Stadt fährt, um seinem 40 Stunden-Job in der Landwirtschaftskammer nachzugehen, geht er in seinem Heimatort noch in den Stall. Rund 14 Stunden dauert sein Arbeitstag somit. Problem ist das für den Bauern keines. Denn er macht das, was er liebt und seine Familie unterstützt ihn dabei.

Gefährdete Rasse
25 alpine Steinschafe nennt er sein Eigen. Es ist eine gefährdete Rasse, insgesamt gibt es noch etwa tausend Tiere. Aber gerade das fasziniert ihn so daran. Natürlich gibt es auch Menschen, die ihn belächeln. „Du bisch ja koa Schafbauer mit deine Sauviecher“, hörte er. „Jetzt erst recht“, bleibt seine Antwort.

Passion Landwirtschaft
Eder wusste schon immer, dass er Bauer sein wollte. Im zarten Alter von 13 Jahren kümmerte er sich schon um seine eigenen Hennen und ein paar „Goas“. Später kamen dann die Schafe - „die kommen in meiner Familie immer irgendwann, ich weiß auch nicht wieso, vielleicht liegt uns das im Blut“, schmunzelt er. Als die ersten fünf alpinen Steinschafe bei ihm einzogen, suchte er nach Absatzmöglichkeiten.

Absatzmöglichkeiten
„Das Fleisch ging sofort gut weg“, erzählt Eder, „aber mir tut es weh, wenn ich das Tier nicht zur Gänze verwerten kann. Das mag jetzt komisch klingen. Aber als Bauer hat man da einen anderen Zugang“, fährt er fort. Was also machen mit dem Fell? Wegwerfen kam für den Tiroler jedenfalls nicht in Frage. Also ließ er es einfach mal waschen und verarbeiten - und hatte seither nie mehr kalte Zehen.

Regional & biologisch
Denn der 23-Jährige lernte die Wolle seiner Tiere kennen und schätzen: „Im Winter hält sie warm, im Sommer kühlt sie.“ Er kauft von anderen Bauern aus der Region Wolle zu und gründet ein Unternehmen. "Raresheep" kam im vergangenen Jahr auf den Markt. Seitdem kann man Strickjacken, Babyschuhe, Felle, Mützen, Handschuhe und dergleichen kaufen. „Gräbt man meine Produkte im Garten ein, sind sie nach fünf Jahren weg“, erklärt der Jungbauer pragmatisch. Was er damit sagen will: Seine Produkte sind frei von Chemie, regional hergestellt und biologisch abbaubar.

Digitalisierung am Hof
Erwerben kann man sie über seinen Online-Shop. Die Digitalisierung macht eben auch vor dem Hof keinen Halt.: „Ich möchte österreichweit arbeiten. Mich mit anderen Bauern vernetzen und noch mehr Produkte herstellen!“ Und während er das sagt, blitzt der Idealismus wieder aus seinen blauen Augen.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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