Verteidiger meint:

„Für Tötung der Mutter gibt es ja gar kein Motiv“

Nach der Tötung seiner Mutter am 19. Februar im oberösterreichischen Polling und der spektakulären Flucht über den Inn nach Bayern wird der Tatverdächtige Matthias S. (28) am Dienstag nach Österreich ausgeliefert. Der an einer schweren Psychose leidende Elektrotechnik-Student war zuletzt in der forensisch-psychiatrischen Abteilung der Klinik Straubing untergebracht.

„Mein Mandant ist noch nicht stabil. Der psychotische Schub, der die Tat ausgelöst hat, ist bisher nicht abgeebbt“, sagt sein Anwalt Peter Vogl aus Ried im Innkreis.

Mordverdächtiger wird in Schärding übergeben
S. wird am Dienstag nach Schärding transportiert, wo eine Übergabe an die heimischen Behörden erfolgt. Dann kommt er in die Justizanstalt Ried, wo am Mittwoch eine richterliche Befragung stattfinden soll. „In den Tagen vor der Tat hat mein Mandant einen schweren psychotischen Schub erlitten und ist deshalb aus Nürnberg, wo er gelebt und studiert hat, zu seiner Mutter nach Polling gekommen“, so Vogl. Offenbar wollte der 28-Jährige dort bleiben, bis sich die gesundheitlichen Probleme wieder bessern. Eine stationäre Behandlung in einer geschlossenen Anstalt lehnte er ab.

28-Jähriger ist Stammgast in der Psychiatrie
„Er war in der Vergangenheit schon in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen, wo er als Folge seiner Schübe auch versucht hatte, auszubrechen“, betont der Rechtsanwalt. Aktenkundig sei ein Aufenthalt in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses Braunau, wo ihm im Mai 2017 ein Ausbruch glückte. Vogl: „Er hat die Scheiben eingeschlagen und ist rausgesprungen, was ein Verfahren wegen Sachbeschädigung nach sich zog, das mangels Schuldfähigkeit aber eingestellt worden ist.“

Als „stabil“ entlassen
S. flüchtete auch damals nach Deutschland, wo er schließlich mehr als zwei Monate in der psychiatrischen Klinik Mainkofen betreut wurde. „Von dort ist er stabil entlassen worden.“

Gutachten soll Zurechnungsfähigkeit klären
Eine psychiatrische Gutachterin soll klären, ob der 28-Jährige bei der Tat unzurechnungsfähig war. Vogl: „Davon gehe ich aus – für die Tötung der Mutter gibt es ja kein Motiv, es hat nicht einmal Streit gegeben.“ Die Eskalation könne nur Folge eines krankhaften psychotischen Schubs gewesen sein.

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

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