So, 20. Jänner 2019

Zehn Stunden in Lkw

31.01.2018 07:39

Flüchtlinge zwischen Tierhäuten versteckt

Ein besonderer Fall skrupellosen Menschenschmuggels ist im Burgenland aufgeflogen. Als in einer Lederfabrik eine Lkw-Lieferung Tierhäute entladen werden sollte, sprangen zwei Flüchtlinge aus dem Frachtraum. Nicht nur die Beschäftigten reagierten verdutzt, sondern auch die beiden Afghanen. Sie dachten, sie seien in Frankreich.

Wie später rekonstruiert werden konnte, hatten die zwei Männer offenbar einer Schlepperorganisation viele Geldscheine hingeblättert, um durch halb Europa geschmuggelt zu werden. Ihr Ziel war die französische Hauptstadt Paris. In Kroatien wurden die Flüchtlinge aus Afghanistan dann in einen Lastwagen voller Tierhäute gesteckt – eine Lieferung für eine südburgenländische Lederfabrik.

Zehn Stunden Fahrt, keine Frischluft
Wegen des strengen Geruchs fiel den "blinden Passagieren" das Atmen immer schwerer. Während der gesamten Fahrt, die mehr als zehn Stunden dauerte, bekamen sie keine frische Luft. Denn der Schwertransport war vor dem Start mit Plomben versehen worden.
Geöffnet wurde der versiegelte Frachtraum erst am Bestimmungsort in Jennersdorf.

Paris war eigentliches Ziel
Mitarbeiter auf dem Firmengelände zuckten erschrocken zusammen, als beim Entladen der Tierhäute zwei Flüchtlinge inmitten der bestellten Ware auftauchten. Genauso überrascht reagierten die Geschleppten. Denn die beiden dachten, sie seien bereits in Frankreich, so wie es ihnen der reich entlohnte Schlepper versprochen hatte. Statt nach Paris kamen die Afghanen allerdings ins niederösterreichische Flüchtlingslager nach Traiskirchen.

Weiterführende Ermittlungen sind im Gang. Der Chauffeur des kroatischen Lkw steht im Verdacht, Komplize einer Schlepperbande zu sein.

Karl Grammer und Christian Schulter, Kronen Zeitung

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