"Es gibt gar keinen Grund, gegen den Heiligen Nikolaus zu sein", erklärte Mechtild Lang, Vorsitzende des Katholischen Familienverbandes. Der aus der heutigen Türkei stammende Nikolaus sei eine Integrationsfigur schlechthin, weshalb das Verbot, einen Nikolaus einzuladen, an den Kindergärten fallen müsse: "Neue pädagogische Modelle zeigen, dass die Figur des Heiligen Nikolaus eine Personifizierung der Nächstenliebe und Kinderfreundlichkeit ist, die nationen- und religionenübergreifend ist. Was hat die Gemeinde Wien dagegen?"
In Kindergärten die richtige Botschaft weitergeben
Christa Buzzi, Präsidentin der Katholischen Aktion, bedauerte hingegen, dass die politischen Parteien schon seit einigen Jahren versuchen würden, mit der Gestaltung von Nikolofeiern politisches Kleingeld zu münzen. Die Grundfrage sei jedoch nicht, wie die Figur des Heiligen Nikolaus in Kindergärten auftreten dürfe, sondern wie ihr Einsatz für die Armen dargestellt wird: "Und ich glaube, hier wird in den Kindergärten sicher die richtige Botschaft weitergegeben."
Deshalb würde eine Lösung der Armutsproblematik wesentlich mehr zu einer christlichen Gestaltung der Stadt beitragen als vordergründige Debatten um Nikolausbesuche, so Buzzi.
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ÖVP-Nikolaus aus Gemeinderat geworfen
Die ÖVP hatte erst am Dienstag die Sondersitzung des Gemeinderates zum Thema "Armut" genutzt, um den Nikolaus aufmarschieren zu lassen, mit dem Ziel, für den Besuch externer Nikoläuse zu werben. Genutzt hat der ÖVP-Aktivismus samt eines verkleideten Klubmitarbeiters in Ornat und Rauschebart nichts: Der Volkspartei-Schauspieler wurde vom SPÖ-Vorsitzenden Godwin Schuster des Saales verwiesen: Begründung: "Heute ist nicht Nikolaus."
Auch der Resolutionsantrag der ÖVP, in den städtischen Kindergärten den Besuch von externen Nikoläusen zuzulassen, scheiterte an den Stimmen von SPÖ und Grünen. Dabei gelte es, "das gute Brauchtum nicht in kitschiger Weise, sondern in tiefsinniger Weise an unsere Kinder und Enkel weiterzugeben", so VP-Mandatar Wolfgang Aigner.
Nikolaus als Symbol für Großzügigkeit
Er verstehe nicht, weshalb der Nikolaus in einen Sondergemeinderat zum Thema "Armut" keinen Platz finden sollte, verteidigte Aigner seinen Exkurs. "Dabei könnte die Figur des Nikolaus gerade in Zeiten steigender Armut als Symbol für Großzügigkeit und für den Einsatz für die Armen gedeutet werden", heißt es in der Antragsbegründung. Es sei mithin ein völlig falsches Signal, die historische Figur nicht in den Kindergärten zuzulassen und lächerlich, diese als "Angstmacher" zu bezeichnen.
Anders als der ÖVP-Antrag fand ein ebensolcher der SPÖ die Mehrheit, in welchem betont wird, dass die Wiener Kindergärten seit 30 Jahren zufrieden ohne "kommerziellen Miet-Nikolaus" das Fest feiern würden. "Die Diskussion jetzt zu einer ideologischen Frage hoch zu stilisieren und auf Kosten von Kindern politisch punkten zu wollen, ist niederträchtig", beschied SPÖ-Mandatar Jürgen Wutzelhofer.
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