"C.S.I. Schloßberg"

HighTech für Grazer Uhrturm

Steiermark
02.12.2008 14:38
Der hölzerne Umgang und das Mauerwerk des Uhrturms werden bis Sommer 2009 umfassend saniert. Im Rahmen der Restaurierung rücken Wissenschafter den Geheimnissen des Grazer Wahrzeichens erstmals mit HighTech zu Leibe - und fördern neue Erkenntnisse zu Tage.
Markus Zechner (links im Bild), der die Uhrturm-Sanierung betreut, ist der Spezialist für historische Bauforschung: "Unser Metier ähnelt ein wenig dem Lösen eines Kriminalfalls. Wir haben hier das 'Opfer Uhrturm', das uns alles über seine Geschichte erzählen soll." Die Abteilung "C. S. I. Schloßberg" stützt ihre Erkenntnisse aber nicht nur auf modernste Technik, sondern auch auf herkömmliche Geschichtswissenschaft: Zechner: "In den Archiven findet man uralte Rechnungen von jedem Brettl." Alte Dokumente, historische Abbildungen und aktuelle Forschungsergebnisse in Einklang zu bringen, sei dabei nicht leicht. "Man setzt halt aus den Mosaiksteinchen ein Gesamtbild zusammen."

Alter des Holzes wird genau bestimmt
Ziel ist einerseits die Sanierung des hölzernen Umgangs, der sich in sehr schlechtem Zustand befindet. Seine schwache Konstruktion macht ihn bei viel Schnee schon zum Problemfall. Im Frühjahr 2009 folgt die Trockenlegung des Mauerwerks. Die Vorarbeiten sind sehr umfangreich, werfen aber neue Erkenntnisse ab. So wurde der Umgang erstmals einer Jahresring-Analyse unterzogen, mit der das Wiener Uni-Team von Dr. Michael Grabner das Alter des verwendeten Holzes bestimmt. 

Aber auch das Mauerwerk ist für den Bauforscher spannend wie ein Krimi. Markus Zechner: "Im Mittelalter hat sich die Art zu mauern alle
30 Jahre verändert. Wir haben beim Uhrturm am Mauerwerk bis zu 20 Schichten. Das ist, als würde man in einem Buch blättern!" 

Bereits erste Ergebnisse
Anhand sehr genauer Pläne und Untersuchungen rekonstruiert man die Geschichte des Wahrzeichens. Und erste Ergebnisse gibt es auch schon: So ist nun geklärt, dass der Uhrturm ein Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert (ca. 1230) ist und nicht erst, wie früher vermutet, im 16. Jahrhundert seine Gestalt annahm.

Sanierung
Mittels Dendrochronologie kann das Alter von Holz bestimmt werden. Dabei nutzt man den Umstand, dass die Jahresringe je nach Wetterlage im betreffenen Jahr unterschiedlich breit sind. In warmen, feuchten Sommern wachsen Bäume naturgemäß besser als in trockenen, heißen. Aus diesen Daten werden Musterkurven errechnet. Die Proben werden mit den bekannten historischen Mustern abgeglichen. Die Universität für Bodenkultur Wien hat für den heimischen Raum Daten für mehrere Jahrtausende gesammelt. Wenn sich an den Holzproben noch Rindenreste befinden, kann sogar das Jahr der Baumfällung bestimmt werden. Solche Untersuchungen sind zwar nicht neu, die Methodik hat sich durch die Computertechnik jedoch sehr verfeinert.

Geschichte

  • Der Uhrturm wird im 13. Jahrhundert erbaut, die erste Erwähnung in einem Dokument datiert aus dem Jahr 1265. Die ältete heute im Turm befindliche Glocke wird 1382 gegossen. 1474 wird der Baum (eine Lärche) gefällt, dessen Holz heute im ersten Erker des Wehrgangs zu finden ist: Das älteste Holz, das man bei den derzeit laufenden Untersuchungen fand. 
  • Mitte des 16. Jahrhunderts wird der Turm umgebaut. Ab 1569 trägt der Uhrturm seinen Namen zu recht: er bekommt seine Zifferblätter. Der heute bestehende hölzerne Wehrgang stammt zum Großteil aus der Zeit um 1625. 
  • 1712 bekommt der Turm sein Uhrwerk, 1809 lösen die Grazer den zur Zerstörung bestimmten Uhrturm mit 2840 Gulden aus. 1925 wird das Wahrzeichen zum ersten Mal elektrisch beleuchtet.
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