Didier Cuche triumphiert am Hahnenkamm

19.01.2008, 19:31
Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem ersten Triumph in der Kitzbühel-Abfahrt hat Didier Cuche am Samstag den Klassiker auf der Streif zum zweiten Mal gewonnen. Der 33-jährige Schweizer setzte sich beim leicht verkürzten Speed-Highlight des Winters in 1:52,75 Minuten vor den zeitgleichen Zweiten Mario Scheiber (AUT) und Bode Miller (USA/jeweils +0,27 Sekunden) durch.

Auf den Plätzen vier und fünf folgten die beiden Salzburger Michael Walchhofer (0,28) und Hermann Maier (0,61). Cuche hat nicht nur seine Führung im Abfahrts- Weltcup ausgebaut, sondern auch Benjamin Raich als Leader im Gesamt- Weltcup abgelöst. Der Tiroler kann aber bereits am Sonntag im Slalom kontern. Einerseits mit Slalom- , aber auch mit Kombi- Punkten. Denn in Kitz werden Abfahrt und Slalom noch als klassische Kombination zusammengezählt.

Horror- Sturz von Scott Macartney

Überschattet wurde das Rennen vom schweren Sturz des US- Amerikaners Scott Macartney, der mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus Innsbruck geflogen wurde. Er ist nach seiner Einlieferung in die Innsbrucker Universitätsklinik laut Auskunft der behandelnden Ärzte in den künstlichen Tiefschlaf versetzt worden. Der US- Amerikaner erlitt bei seinem Horrorsturz nach dem Zielsprung auf der Streif ein isoliertes Schädel- Hirn- Trauma, Prellungen und Abschürfungen.

Laut Auskunft von Dr. Anton Kathrein wird Scott Macartney, sollte keine Verschlechterung eintreffen, noch im Laufe der Nacht aus dem künstlichen Tiefschlaf erweckt. Der US- Amerikaner befindet sich auf der neurologischen Intensivstation der Innsbrucker Universitätsklinik. Zu möglichen Folgeschäden sagte der Mediziner: "Es ist noch zu früh, dazu etwas zu sagen."

Start wegen starken Windes nach unten verlegt

Dass die Kitzbüheler trotz des starken Regens in der Nacht auf Samstag die Streif in Schuss halten konnten, grenzte an ein Wunder. Ganz von oben wurde aber auch diesmal nicht gestartet, denn auf Grund von Wind wurde der Start um 50 Höhenmeter nach unten verlegt, das Rennen begann oberhalb der Mausefalle. Die bis dato letzte Abfahrt über die komplette Streif bleibt damit die von Stephan Eberharter gewonnene Auflage 2004.

Die Streif hatte es 2008 in sich, das war bereits in den Trainings deutlich ersichtlich gewesen. Die von vielen Läufern als schwerste Streif seit vielen, vielen Jahren bezeichnete Strecke hatte bereits am Dienstag und Mittwoch erste Opfer gefordert, Andreas Buder (AUT), Ondrej Bank (CZE) sowie die Vorläufer Patrick Hinterseer und Franz Brandt waren verletzt abgeworfen worden. Und am Samstag erwischte es bereits mit Startnummer 2 Scott Macartney, der Amerikaner kam beim Zielsprung schwer zu Sturz und krachte mit Rücken und Kopf auf die beinharte Piste und verlor den Helm.

Cuche hatte im Jänner 1998 in Kitz seinen ersten Weltcup- Sieg gefeiert. Allerdings "nur" in einer Sprint- Abfahrt mit zwei Durchgängen. Und dafür hatte es damals nicht die traditionelle Gondel für den Sieger gegeben. "Ich wollte unbedingt diese Gondel", meinte Cuche, der sich bei der Analyse seiner Fahrt schwer tat: "Ich weiß es nicht mehr genau, ich fühle mich wie in einem Traum." Cuche bedankte sich vor allem bei seiner Skifirma Head und seinem Servicemann: "Denn mein Ski war unglaublich schnell."

Scheiber nach Schienbeinverletzung auf dem Stockerl

Scheiber kam nach fünfundzwanzigminütiger Unterbrechung nur zwei Startnummern nach Mcartney, stürzte sich jedoch wild entschlossen ins Tal. "Ich hatte so etwas schon im Training erlebt. Ich blieb ruhig und habe mich voll auf den Lauf konzentriert. Ich bin froh und stolz, dass ich wieder mitten in der Weltspitze bin und gemeinsam mit solchen großen Namen auf dem Stockerl stehen darf", meinte der Tiroler.

Scheiber stand damit nach überstandener Schienbeinverletzung und Verkühlung in beiden Kitz- Rennen auf dem Stockerl, auf seinen ersten Sieg wartet der 24- Jährige aber nach wie vor. Scheiber war mittlerweile sechsmal im Weltcup- Zweiter.

Miller fuhr mit Skiern über Absperrungsbande

Auch am Freitag hatte sich Scheiber den Stockerlplatz geteilt, nämlich mit Cuche. Diesmal war Scheiber gleich schnell wie Miller, der bei Ausfahrt Steilhang wieder einmal für eine ganz besondere Einlage sorgte. Der Sieger der Abfahrten von Bormio und Wengen wurde bei der Ausfahrt Steilhang weit hinausgetragen und fuhr mit beiden (!) Skiern auf der Absperrungsbande. Das kostete Zeit, die Miller aber dann mit einer famosen Fahrt im unteren Teil wieder wettmachte.

Um 0,01 Sekunden schrammte der Sieger von 2006 und Titelverteidiger Walchhofer am Stockerl vorbei. Dabei war der 32- Jährige nach dem schwachen Super- G (27.) "mit ordentlicher Wut im Bauch" unterwegs. "Ich habe alles gegeben. Das Hundertstel, das aufs Stockerl gefehlt hat, kann man überall finden. Ein bisschen ärgerlich ist das schon, weil das gleich auch dreißig Punkte für den Abfahrts- Weltcup sind, das ist zusätzlich bitter."

Maier verspielt Sieg auf Hausberg

Maier mischte wie bereits im Super- G am Freitag (Zweiter) voll um den Sieg mit, verspielte diesen jedoch neuerlich auf dem Hausberg. "Ich hatte ein super Rennen, vor allem im Mittelteil. Ich habe gemerkt, dass ich richtig schnell bin. Beim Hausberg habe ich dann ein bisschen den Schwung versäumt", so der 35- Jährige, der dennoch voll zufrieden war. "Weil ich weiß, dass ich sehr schnell bin."

Das Rennergebnis im Überblick

1. Didier Cuche SUI 1:52,75 Minuten
2. Mario Scheiber AUT 1:53,02 +0,27
2. Bode Miller USA 1:53,02 +0,27
4. Michael Walchhofer AUT 1:53,03 +0,28
5. Hermann Maier AUT 1:53,36 +0,61
6. Marco Sullivan USA 1:53,45 +0,70
7. Didier Defago SUI 1:53,46 +0,71
8. Marco Büchel LIE 1:53,55 +0,80
9. Erik Guay CAN 1:53,89 +1,14
10. Peter Fill ITA 1:53,90 +1,15
11. Christoph Gruber AUT 1:54,02 +1,27
12. Werner Heel ITA 1:54,06 +1,31
13. John Kucera CAN 1:54,30 +1,55
14. Benjamin Raich AUT 1:54,56 +1,81
15. Andrej Jerman SLO 1:54,63 +1,88
16. Klaus Kröll AUT 1:54,70 +1,95
17. Ambrosi Hoffmann SUI 1:54,73 +1,98
18. Natko Zrncic- Dim CRO 1:54,76 +2,01
19. Steven Nyman USA 1:54,77 +2,02
20. Manuel Osborne- Paradis CAN 1:54,91 +2,16
21. Patrick Staudacher ITA 1:55,07 +2,32
22. David Poisson FRA 1:55,31 +2,56
23. Beni Hofer SUI 1:55,35 +2,60
24. Cornel Züger SUI 1:55,40 +2,65
25. Marc Bottolier- Lasquin FRA 1:55,43 +2,68
26. Adrien Theaux FRA 1:55,46 +2,71
26. Kurt Sulzenbacher ITA 1:55,46 +2,71
28. Yannick Bertrand FRA 1:55,67 +2,92
29. Ivica Kostelic CRO 1:55,71 +2,96
30. Stephan Keppler GER 1:55,75 +3,00
31. Georg Streitberger AUT 1:55,81 +3,06

Weiter:
35. Rainer Schönfelder AUT 1:56,06 +3,31
37. Romed Baumann AUT 1:56,20 +3,45

Ausgeschieden: Pierre- Emmanuel Dalcin (FRA), Daniel Albrecht (SUI), Hans Olsson (SWE), Walter Girardi (ITA), Johannes Stehle (GER)

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