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10.12.2016 - 01:23
Foto: AP, APA/AFP/Handout/HANDOUT

Protestbewegung mitschuldig an Dallas- Attentat?

11.07.2016, 09:52

Das Attentat von Dallas hat die Protestbewegung "Black Lives Matter" in eine schwere Krise gestürzt. Der Bewegung, die die Polizeigewalt gegen Afroamerikaner anprangert, wird eine Mitverantwortung für den Tod der fünf Polizisten angelastet. Dabei ruft sie anders als militante Schwarzenorganisationen nicht zu Gewalt gegen Polizisten auf.

Die Kundgebung der Bewegung am Donnerstag in der texanischen Millionenmetropole zum Tod zweier junger Afroamerikaner durch Polizeikugeln war völlig friedlich verlaufen - bis die Schüsse aus dem Hinterhalt fielen. Der Heckenschütze Micah Xavier Johnson bezeichnete sich nach Polizeiangaben selbst als Einzeltäter ohne Verbindung zu irgendwelchen Organisationen, bevor ihn die Einsatzkräfte in die Luft sprengten. 

Das alles hält rechtsgerichtete Kreise nicht davon ab, "Black Lives Matter" mit dem Attentäter in Verbindung zu bringen. Der texanische Regionalabgeordnete Bill Zedler etwa warf der Bewegung vor, mit ihrer Rhetorik den Attentäter "eindeutig ermutigt" zu haben. Und der ultrarechte Radiomoderator Rush Limbaugh beschuldigte "Black Lives Matter" gar, sich zur "Terrorgruppe" zu entwickeln.

Eine "Black Lives Matter"-Demo in Oklahoma
Foto: AP

Bewegung distanzierte sich von Attentäter

Die Bewegung sah sich genötigt, sich deutlich von dem Heckenschützen zu distanzieren. Die Taten eines Einzelnen einer ganzen Bewegung zuzuschreiben, sei "gefährlich und verantwortungslos", kritisierte sie gleichzeitig und warnte, manche wollten das Attentat dafür ausnutzen, die Bewegung abzuwürgen. "Black Lives Matter" ließ sich denn auch von dem Anschlag nicht davon abhalten, die Proteste fortzusetzen. In mehreren Städten kam es dabei zu Ausschreitungen, mehr als 200 Menschen wurden festgenommen.

Erneut Schwarzer in Texas erschossen

Inmitten der Proteste sorgte am Wochenende die Tötung eines weiteren Schwarzen für zusätzliches Aufsehen. In Houston im Bundesstaat Texas schossen Polizisten am Samstag den Afroamerikaner Alva Braziel nieder, später erlag dieser seinen Verletzungen. Nach Angaben der lokalen Medien teilte die Polizei mit, Braziel sei bewaffnet gewesen und habe sich geweigert, seine Waffe fallen zu lassen. Stattdessen habe er sie auf die Beamten gerichtet. Nutzer sozialer Netzwerke zogen die Angaben der Polizei am Sonntag in Zweifel und forderten weitere Untersuchungen.

"Black Lives Matter" ist eine lose verbundene Bewegung aus Dutzenden Untergruppen. Die Proteste sind nicht straff durchorganisiert, die Mobilisierung findet großteils über die sozialen Netzwerke statt. Entstanden ist die Bewegung vor drei Jahren, nachdem ein Geschworenengericht in Florida den Nachbarschaftswächter George Zimmerman, der den unbewaffneten jungen Afroamerikaner Trayvon Martin erschossen hatte , freigesprochen hatte.

Trayvon Martin wurde von einem Sicherheitsbeamten erschossen. Der Schütze wurde freigesprochen.
Foto: MICHAEL NELSON/EPA/picturedesk.com

"Für eine Welt, in der das Leben von Schwarzen zählt"

Die schwarze Aktivistin Alicia Garza schrieb damals: "Wir verdienen es nicht, ungestraft getötet zu werden. Wir müssen für eine Welt kämpfen, in der das Leben von Schwarzen zählt." Ihre Freundin Patrisse Cullors schuf aus diesen Worten auf Twitter den Hashtag #BlackLivesMatter , der zugleich zum Slogan der neuen Protestbewegung wurde.

Im Jahr darauf breitete sich die Bewegung rasant aus, nachdem in Ferguson im Bundesstaat Missouri der schwarze Teenager Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen worden war. Weitere Fälle von tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze haben "Black Lives Matter" seither immer wieder landesweit marschieren lassen. Die Amateurvideos, die die Polizeigewalt dokumentieren, werden regelmäßig mit dem Hashtag der Bewegung versehen, was zur rasanten Verbreitung der Bilder beiträgt.

Nach den tödlichen Schüssen auf Michael Brown demonstrierten zahlreiche Menschen in Ferguson.
Foto: AP

Enorme Breitenwirkung erreicht

Obwohl die Bewegung keine zentrale Führung hat, hat sie viel politischen Einfluss gewonnen. Seit 2014 wurden in mehr als zwei Dutzend Bundesstaaten Gesetze gegen polizeiliche Übergriffe in Kraft gesetzt, wozu die Sammlung von Daten über Polizeischüsse zählt. Die landesweite Empörung in der vergangenen Woche über den Tod der Afroamerikaner Alton Sterling und Philando Castile durch Polizeikugeln in den Bundesstaaten Louisiana und Minnesota zeigte, welche Breitenwirkung "Black Lives Matter" inzwischen erreicht hat.

Doch mit dem Anschlag von Dallas wird es für die Bewegung nun wohl wesentlich schwieriger, mit ihren Anliegen durchzudringen. Das Attentat sei "verheerend für unsere Arbeit", zitierte die Zeitung "New York Times" einen bekannten Aktivisten der Bewegung, den Pastor Jedidiah Brown aus Chicago.

11.07.2016, 09:52
AG/red
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