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07.12.2016 - 10:57
Dilek Dündar (li.), die Frau des Chefredakteurs, beim Versuch, den Attentäter zurückzuhalten.
Foto: APA/AFP/CUMHURIYET DAILY NEWSPAPER/HANDOUT

Attentat auf und Haftstrafe für Erdogan- Kritiker

06.05.2016, 17:14

Der in der Türkei angeklagte Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, ist am Freitag in der Prozesspause vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul knapp einem Attentat entkommen. Ein Mann schoss mehrmals mit einer Pistole und verletzte dabei einen Fernsehjournalisten an der Wade. Wenig später wurde Dündar schuldig gesprochen und zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Hauptstadtbüroleiter Erdem Gül fasste eine fünfjährige Gefängnisstrafe aus.

Der Schütze legte nach seinem Attentat die Waffe nieder und ergab sich der Polizei. Dündar bleib unverletzt. Der Schütze hatte insgesamt drei Mal auf den Chefredakteur gefeuert.

Szenen wie im Wilden Westen: Ein Polizist richtet seine Waffe auf den mutmaßlichen Attentäter.
Foto: APA/AFP/CUMHURIYET DAILY NEWSPAPER/HANDOUT
Foto: APA/AFP/CUMHURIYET DAILY NEWSPAPER/HANDOUT
Foto: APA/AFP/CUMHURIYET DAILY NEWSPAPER/HANDOUT

Dündar, der in einem anderen Prozess bereits wegen "Beleidigung" von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, muss sich im aktuellen Verfahren wegen der Veröffentlichung eines Artikels im Mai 2014 über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Islamisten in Syrien und der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verantworten. Dündar hatte gesagt, in diesem Verfahren stehe nicht er persönlich, sondern der Journalismus vor Gericht.

Trotz Schuldspruch: Dündar muss nicht ins Gefängnis

Das Gericht befand Dündar und Gül der Veröffentlichung geheimer Dokumente am Freitagnachmittag schließlich für schuldig. Bereits vor der Urteilsverkündung hatte Dündars Anwalt für den Fall eines Schuldspruchs Berufung angekündigt. Nach Angaben des Juristen müssen Dündar und Gül vor einem rechtskräftigen Urteil nicht ins Gefängnis.

Nicht schuldig befand das Gericht die beiden Journalisten in den Anklagepunkten, in denen ihnen vorgeworfen wurde, die Regierung stürzen zu wollen und Spionage betrieben zu haben. Weiterhin verantworten müssen sich Dündar und Gül aber für angebliche Unterstützung einer Terrororganisation. Das Gericht gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, dass dieser Punkt in einem gesonderten Verfahren abgeurteilt werden soll.

06.05.2016, 17:14
AG/red
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