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09.12.2016 - 20:59
Foto: Zwefo

Wären Sie die Bessere gewesen, Frau Stenzel?

30.01.2016, 16:26

Ihre Chancen waren bis zuletzt intakt. Dann schickte die FPÖ doch Norbert Hofer ins Rennen um die Hofburg. Im Interview mit Conny Bischofberger spricht Ursula Stenzel (70) über ihren 26 Jahre jüngeren Gegenspieler, die Verbundenheit mit der Partei und ihre dicke Haut.

Als die "Leider- doch- nicht- Bundespräsidentschaftskandidatin" die Tür zu ihrer Innenstadtwohnung in der Nähe des Wiener Stephansplatzes öffnet, läuft im Fernsehen gerade eine Tier- Doku. "Herrlich, wie die Affen da im Thermalwasser baden", findet Ursula Stenzel und macht den Ton leiser. Dann nimmt sie in der beigen Ledercouch Platz und lächelt. Auf dem Glastisch liegen zwei iPhones, daneben der Wiener Ballkalender.

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Sechs Stunden nachdem Parteiobmann Heinz- Christian Strache Norbert Hofer als freiheitlichen Kandidaten für das höchste Amt im Staat präsentiert hat, gießt Stenzel Earl- Grey- Tee und Milch in Rosenthal- Porzellan, Design Paloma Picasso. Sie bestreitet, enttäuscht zu sein, wettert gegen Asylwerber und hat im Kulturausschuss noch viel vor.

"Krone": Sie haben am Freitag sogar mitgeholfen, das Plakat für Norbert Hofer zu enthüllen. Warum heißt der Präsidentschaftskandidat der FPÖ nicht Ursula Stenzel?
Ursula Stenzel: Weil von Anfang an auch Norbert Hofer im Gespräch war. Ich fühle mich sehr geehrt, dass mich die FPÖ ins Spiel gebracht hat, aber ich bin auch sehr glücklich, da wo ich bin.

"Krone": Aber Sie haben sich bestimmt Hoffnungen gemacht. Wären Sie die bessere Kandidatin gewesen?
Stenzel: (Denkt kurz nach.) Das glaube ich gar nicht. Ich war eine Option, nicht mehr und nicht weniger. Die FPÖ hatte insgesamt sogar sieben Optionen.

"Krone": Sieben?
Stenzel: Johannes Gudenus, ein politischer Kämpfertyp, das hätte Charme gehabt. Peter Fichtenbauer, Volksanwalt. Dieter Böhmdorfer, ehemaliger Justizminister. Dann Johannes Hübner, auch Norbert Steger. Und eben Norbert Hofer und ich. Aufgrund seines Gesundheitszustandes - den Folgen seines Paragleiterunfalls - hatte er Hemmungen. Ich habe ihn bestärkt, denn ich hatte auch einen schweren Unfall vor 20 Jahren: Nach einem Verkehrsunfall, den ich nicht verschuldet hatte, bin ich knapp an einer Querschnittslähmung vorbeigeschrammt. Er hat mit den Folgen einer partiellen Querschnittslähmung zu kämpfen, aber das hindert uns nicht, politisch aktiv zu sein.

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"Krone": Dass sie "gar nicht enttäuscht" sind, das fällt einem schwer zu glauben. War das ehrlich?
Stenzel: Ja, das ist ehrlich. Ich habe mich nie zu diesem Amt gedrängt und wollte auch die Entscheidung von Heinz- Christian Strache nicht präjudizieren. Manchmal kam, wenn ich nachgedacht habe, auch dieser Gedanke: "Lieber Gott, lass diesen Kelch an mir vorübergehen."

"Krone": Warum denn?
Stenzel: Na ja, wenn ich angetreten wäre, hätte die Jagdgesellschaft bestimmt schwere Geschütze aufgefahren. Dass ich die ÖVP verlassen habe, dass ich mich in der FPÖ jetzt so gut aufgehoben fühle, obwohl ich nicht Parteimitglied bin. Daher trage ich Norbert Hofers Entschluss mit, auch weil er ein sehr bescheidener, erfahrener, verbindlicher, sympathischer Kandidat ist.

"Krone": Aber Sie hätten es gerne gemacht, das können Sie doch bestätigen.
Stenzel: Ich hätte es gerne und mit großem Respekt vor dem Amt und der Verantwortung gemacht. Aber das ist keine Aufgabe, zu der man sich locker drängt.

"Krone": Es werde "kein Spaziergang" werden, haben Sie Norbert Hofer gesagt. Wie war das gemeint?
Stenzel: Es wird für keinen Kandidaten ein Spaziergang werden, sondern ein Hürdenlauf. Und die Gesamtkonstellation ist für einen freiheitlichen Kandidaten sicher nicht einfach. Ich bin aber überzeugt, dass Norbert Hofer die Zielvorgabe der Stichwahl erfüllen wird.

"Krone": Werden Sie Hofer wählen?
Stenzel: Ja, absolut. Weil er nicht die richterliche Vollkommenheit und Kälte der hochrespektablen Frau Dr. (Irmgard, Anm.) Griss ausstrahlt. Weil er nicht die professorale Überlegenheit eines Andreas Khol oder den akademischen, linken Zynismus eines (Alexander, Anm.) Van der Bellen hat. Und schon gar nicht die gewerkschaftliche Apparatschik- Haltung des Herrn (Rudolf, Anm.) Hundstorfer.

"Krone": Wäre es nicht ein schönes Symbol, wenn endlich eine Frau Bundespräsidentin würde?
Stenzel: Das ist sekundär. Ich habe seinerzeit auch Benita Ferrero- Waldner gewählt. Schön, aber es sollte halt nicht sein.

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"Krone": Im Internet gab es sehr unschmeichelhafte Postings über Sie, von "Totgeburt" bis "Frau Ex- ÖVP". Könnte es ein, dass Strache sich der Meinung seiner Basis gebeugt und Sie fallen gelassen hat?
Stenzel: Ich lese diese Postings, aber ich bekomme auch scharenweise wundervolle E- Mails, da stand viel Zuspruch drin und jetzt eben Enttäuschung. Dass sich einige freuen, weil die FPÖ eine "schwierige Phase" gehabt habe, sehe ich völlig nüchtern. Was war dann erst in der ÖVP los? Und der Herr Van der Bellen hat sich ja auch bis zuletzt geziert. Nein, der Entscheidungsfindungsprozess war klar festgelegt. Von Fallenlassen kann keine Rede sein.

"Krone": Hinter Ihnen steht die Büste Ihres Urgroßvaters, der ein jüdischer Rabbiner war. Stimmt das Gerücht, dass Ihre Herkunft eine Rolle bei der Wahl gespielt hat?
Stenzel: (Nimmt einen Schluck Tee und schaut sehr erstaunt.) Meine jüdische Herkunft hat überhaupt keine Rolle gespielt. Und für alles andere habe ich eine sehr dicke Haut. (Lacht.)

"Krone": Wenn Sie Bilanz ziehen - die Wien- Wahlen sind ja auch nicht so gut gelaufen -, war es ein Fehler, zur FPÖ zu wechseln?
Stenzel: Ich würde meine Entscheidung jederzeit wieder so treffen, auch mit dem Wissen, mit welch ungeheurer, undemokratischer, intoleranter Verbohrtheit manche darauf reagiert haben und noch immer reagieren.

"Krone": Meinen Sie die ÖVP?
Stenzel: Hauptsächlich. Man muss das respektieren, bitte sehr. Aber die FPÖ ist keine Partei, zu der man wechselt, und danach ist man aussätzig! Sie ist eine demokratisch wichtige Kraft. Ich sehe in ihr eine große Breite, eine große Tiefe und einen guten Querschnitt der österreichischen Bevölkerung, mit all ihren Facetten.

"Krone": Sind Sie auch für die Kürzung der Mindestsicherung für Flüchtlinge?
Stenzel: Ja, denn obwohl ich ein liberaler, hilfsbereiter, sozialer Mensch bin, muss die Politik endlich unterscheiden zwischen Migranten, die wirklich Asylberechtigung haben, und jenen, die über die Außengrenzen der EU in unser Land kommen und sich eines illegalen Aktes schuldig machen. Das ist Missbrauch des Asylrechts und das müssen wir im Interesse der hiesigen Bevölkerung bekämpfen. Ich könnte weinen, ich bin nicht 70 Jahre geworden, um alle unsere Errungenschaften, die Österreich in der Zeit nach 1945 aufgebaut hat, den Bach runtergehen zu lassen.

"Krone": Was meinen Sie damit?
Stenzel: Wir müssen die Anreize reduzieren. Es ist doch ein Wahnsinn, dass ein Großteil hierher kommt, um die Vorteile unseres sehr guten Sozialsystems zu nutzen. Jetzt wirft man ihnen sogar noch Straßenbahnfahrscheine nach. Und die ÖVP kratzt grade noch die Kurve und kommt drauf, dass das absurd ist.

"Krone": Sie sagen, die Einreise sei ein illegaler Akt. Aber legal können Flüchtlinge nicht zu uns kommen.
Stenzel: Sollen sie auch nicht! Die EU hat dafür zu sorgen, dass unser Gesellschaftssystem nicht gefährdet wird. Das ist auch kein Widerspruch zur Genfer Flüchtlingskonvention. 43 Millionen Euro hat Wien allein 2015 für Flüchtlinge ausgegeben, von versteckten Zahlungen will ich gar nicht reden. Wir halten das nicht aus. Außer wir erhöhen die Steuern. So geht es nicht. Ich hoffe, dass bei der europäischen Kommission bald die Alarmglocken schrillen.

"Krone": Was ist Ihre Lösung?
Stenzel: Massive Aufklärung! Wir müssen den Migranten klarmachen, sie kommen vom Regen in die Traufe. Hier fallen ihnen nicht die gebratenen Tauben in den Mund. Das hat auch nichts mit sozialer Kälte oder gar Rassismus zu tun, sondern mit Realitätssinn und Verantwortung für unser Land.

"Krone": Es klingt, als fühlten Sie sich in der FPÖ wohler als je zuvor. Sind Sie in der Partei verankert?
Stenzel: Ja. Und ich fühle mich wirklich sehr wohl. Dass ich nicht Parteimitglied bin, macht gar nichts. Ich habe es nie als Nachteil empfunden und Heinz- Christian Strache auch nicht.

"Krone": Müssen Sie sich in Zukunft ein Hobby suchen? Gemeinderätin allein füllt Sie bestimmt nicht aus...
Stenzel: Ich habe eh Hobbies: Lesen, Musikhören, Skifahren, Radfahren, Eislaufen, Schwimmen. Aber die Grenzen zum Beruf sind fließend, sehr oft sind Freizeit und Job auch ident. Es macht mir überhaupt nichts, im Landtag zu agieren! Ich werde auch im Europa- und im Kulturausschuss noch viel zu tun haben. Denn diese Ströme von Menschen, die aus anderen Weltgegenden zu uns kommen, können unsere Kultur auch zum Kippen bringen. Mir hat es den Magen umgedreht, als ich gehört habe, dass sie in Rom für den Herrn (Hassan, Anm.) Rohani die Renaissance- Statuen verhüllt haben. Bitte, warum muss Europa sich plötzlich seiner Kultur schämen und sich selbst aufgeben? Diesbezüglich habe ich auch in Wien noch sehr viel vor.

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Conny Bischofberger, Kronen Zeitung
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