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Foto: Berufsrettung Wien / Video: Einsatzdoku.at, krone.tv

Schneehölle: "Die Straße wurde zur Todesfalle"

20.04.2017, 11:15

Nur langsam lichtet sich das Chaos nach dem heftigen Wintereinbruch am Mittwoch. Nach starken Schneefällen ging auf den Autobahnen nahe Wien und auf zahlreichen Bundesstraßen nichts mehr weiter. Viele Menschen saßen fest, mussten über Nacht teils in Notquartieren oder bei Familie und Verwandten unterkommen, da eine Heimfahrt nicht mehr möglich war. "Ich wohne in Wien und hab es trotzdem nicht geschafft, nach Hause zu kommen", schildert eine Betroffene gegenüber krone.at.

Das Drama hatte sich bereits am frühen Mittwochmorgen angebahnt. So richtig schlimm wurde es dann am Nachmittag gegen 16.30 Uhr, als der Schneefall immer heftiger wurde. Besonders in den Wiener Randbezirken herrschte Ausnahmezustand, wie eine Betroffene berichtet. "Ich wohne bei der Kaltenleutgebner Straße, brauche normalerweise für den Streckenabschnitt fünf Minuten mit dem Auto."

"Der Abschnitt wurde zur Todesfalle"

Nicht so am Mittwoch: Aufgrund der Schneemassen - rund 30 Zentimeter wurden gemessen - waren zahlreiche Bäume umgeknickt. "Alle 50 Meter lag einer auf der Straße, der Abschnitt wurde zur Todesfalle", so die 28- Jährige weiter. Tatsächlich wurde ein Auto von einem umstürzenden Baum getroffen, der Lenker dabei glücklicherweise nur leicht verletzt.

Ein Baum stürzte in Wien-Liesing auf ein Auto. Der Fahrer kam leicht verletzt davon.
Foto: Berufsrettung Wien
Foto: Berufsrettung Wien

Die Straße musste daraufhin am frühen Abend gegen 19 Uhr komplett gesperrt werden. "Ab 20 Uhr bis Mitternacht wurden seitens der Feuerwehr Shuttles bereitgestellt, um Menschen, die dringend nach Hause mussten - etwa weil Kinder oder Tiere alleine waren -, dies zu ermöglichen", schildert sie. "Gewartet hat man dann bis zu zwei oder drei Stunden lang, es waren wirklich viele Menschen", so die 28- Jährige.

Zahlreiche Menschen warteten am Mittwochabend auf das Shuttle.
Foto: Berufsrettung Wien

"Supermarktmitarbeiter mussten in Filiale übernachten"

Sie selbst hatte das Glück, bei ihrer Mutter unterzukommen. "Sämtliche Hotels in der Umgebung waren ausgebucht, kein Platz mehr zu kriegen", so die junge Frau. "Die Mitarbeiter eines Supermarktes in der Nähe meiner Wohnung mussten sogar in der Filiale übernachten, weil sie von dort nicht wegkonnten", berichtet sie.

Noch bis etwa 19 Uhr soll die Kaltenleutgebner Straße am Donnerstag in beide Fahrtrichtungen gesperrt bleiben. Die Straße muss zunächst vom Schnee und von den zahlreichen umgestürzten Bäumen befreit werden, ehe an eine Öffnung der Route gedacht werden kann.

Foto: "Krone"-Leserreporter Christoph Schaffer

Stromausfälle in Niederösterreich und im Burgenland

Der Wintereinbruch brachte in Niederösterreich - hier waren 25.000 Haushalte betroffen - sowie im Burgenland mit ebenfalls Tausenden Leidtragenden auch eine Vielzahl an Stromausfällen mit sich. Die Helfer seien unter teils schwierigen Bedingungen im Einsatz gewesen, um das Problem, verursacht durch umgeknickte Bäume und niedergerissene Stromleitungen, zu beheben.

Zudem geschah Donnerstagfrüh auf der, noch in der Nacht wieder freigegebenen, A1 ein verheerender Unfall, der zwei Menschenleben forderte.  Ein zuvor verunfallter Pkw war zunächst von einem weiteren Auto und danach von einem nachkommenden Sattelzug gerammt worden. Die Unfallursache steht laut Polizei bislang noch nicht fest.

Foto: ORF

Schneerekord im Osten Österreichs

Wie die ZAMG am Donnerstag resümierte, sei im Bergland im Osten Österreichs - besonders von den Ybbstaler Alpen bis ins Schneeberg- /Rax- Gebiet - stellenweise so viel Schnee wie noch nie in der zweiten Aprilhälfte gefallen. Hier schneite es ab einer Seehöhe von 1000 Metern verbreitet zwischen 70 und 100 Zentimeter, stellenweise sogar bis zu 150 Zentimeter.

Die Schneehöhen in der nördlichen Obersteiermark und in Niederösterreich waren zum Teil extrem ungewöhnlich. "In Lunz am See lagen am Donnerstag in der Früh 86 Zentimeter Schnee. Das gab es hier in der zweiten Aprilhälfte seit Messbeginn im Jahr 1896 noch nie. Der Rekord für den gesamten April liegt in Lunz bei 170 Zentimetern am 1. April 1944", schilderte ZAMG- Klimatologe Alexander Orlik.

Unglaubliche 86 Zentimeter Schnee lagen Donnerstagfrüh in Lunz am See in Niederösterreich.
Foto: ZAMG/Hohenwarter

Wetterprognose

Wettertechnisch sollte sich die Lage im Laufe des Tages jedenfalls entspannen. Schnee- und Regenfälle lassen laut ZAMG langsam nach, weiterhin ist allerdings mit teils heftigen Sturmböen zu rechnen. In der Nacht auf Freitag wird es zudem bitterkalt, in ganz Österreich fallen die Temperaturen in den Minusbereich - und das Ende April ...

Der Blick in den verschneiten Garten eines "Krone"-Lesers
Foto: "Krone"-Leserreporter Christoph Schaffer

Redaktion
krone.at
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