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09.12.2016 - 19:08
Bei dieser Haltestelle in der Burggasse in Wien-Neubau ereigneten sich die dramatischen Szenen.
Foto: Klemens Groh

Entführung in Wien: Vierjähriger in Auto gezerrt

04.08.2014, 16:00
Dramatische Szenen mitten im 7. Wiener Gemeindebezirk: Zwei Unbekannte springen aus Lieferautos, zerren den kleinen Bernhard (4) in einen der Wagen und brausen mit quietschenden Reifen davon. Ein Entführer wird auf der Ostautobahn zwar gestoppt, vom Vierjährigen fehlt aber jede Spur.

An der Hand seines Kindermädchens geht Bernhard in der belebten Burggasse im Bezirk Neubau spazieren, als sich die Ereignisse überschlagen. Zwei dunkelgraue Transporter mit ungarischem Kennzeichen halten neben den beiden. Zwei Männer springen heraus, entreißen der völlig geschockten Frau das Kind, zerren es in einen der Wagen, wo bereits die Mutter des Vierjährigen wartet, und brausen davon.

Polizei stoppt eines der Fahrzeuge auf der A4

Mittels Alarmfahndung kann die Polizei auf der Ostautobahn eines der zwei Fluchtfahrzeuge stoppen. Drinnen sitzt allerdings nur der Fahrer. Von Bernhard und dem zweiten Auto fehlt jede Spur. Alles deutet auf eine von langer Hand geplante Aktion hin. Vermutlich ist der kleine Bub längst in Ungarn.

Seine Mutter ist Ungarin und - ebenso wie der österreichische Vater Markus M. - Wissenschaftlerin. Die beiden lernten sich in England kennen. Als sie von der Insel zurückkommen, geht die Beziehung in Brüche. Bernhard lebt zuerst bei seiner Mutter, kommt im April 2014 jedoch nach Wien zu seinem Vater. Daraufhin entbrennt ein Streit um die alleinige Obsorge. Vor Kurzem entschied das Gericht Wien Innere Stadt, dass Bernhard nicht nach Ungarn zurück soll - möglicherweise der Auslöser für die gewaltsame "Rückführung".

Die Sache weist einige Parallelen zum Fall Oliver auf. So brachte der dänische Vater seinen Sohn gewaltsam nach Dänemark zurück. Trotz verzweifelter Gegenwehr der Mutter befindet sich der Bub noch heute in Skandinavien.

Anwältin: "Vater fühlte sich länger beobachtet"

Anwältin Britta Schönhart vertritt den Vater des entführten Buben und gab der "Krone" ein Interview.

"Krone": Frau Schönhart, wie geht es Bernhards Vater?
Britta Schönhart: Ganz fürchterlich. Er fühlte sich schon längere Zeit beobachtet.

"Krone": Wo ist Bernhard Ihrer Meinung nach jetzt?
Schönhart: Den genauen Aufenthaltsort weiß keiner - aber vermutlich in Ungarn.

"Krone": Der Vater ist Österreicher, die Mutter Ungarin. Sie haben die gemeinsame Obsorge. Warum also die Entführung?
Schönhart: Bernhard lebt seit April in Wien. Das Gericht Innere Stadt hat seine Rückführung nach Ungarn unlängst abgewiesen, weil es ihm dort nicht gut gegangen ist.

"Krone": Riecht nach Selbstjustiz - wie im Fall Oliver, der von seinem Vater nach Dänemark verfrachtet worden ist.
Schönhart: Ja. Es scheint, dass immer mehr Eltern Gerichte ignorieren und auf eigenen Faust handeln.

04.08.2014, 16:00
Alex Schönherr, Kronen Zeitung/red
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