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03.12.2016 - 23:54
Foto: Warner Music

Coldplay: "Wir sollten 2017 zu euch kommen"

09.04.2016, 17:00

Coldplay- Sänger Chris Martin ist trotz der immensen Welterfolge stets ein Musterbeispiel für Bescheidenheit und Freundlichkeit geblieben. Wir riefen den Frontmann der derzeit wohl größten Pop- Band in L.A. an, um mit ihm über das neue Album "A Head Full Of Dreams", seine zerbrochene Beziehung zu Gwyneth Paltrow, die vielen Hater der Band und ein eventuelles Österreich- Konzert zu sprechen. Selbst die pikanten Themen beantwortete Martin sympathisch und gelassen.

"Krone": Chris, euer aktuelles Album "A Head Full Of Dreams" steht seit ein paar Monaten in den Regalen und hat sich erwartungsgemäß als kommerzieller Volltreffer erwiesen. Wie siehst du das Produkt heute mit etwas Distanz?
Chris Martin: Danke dir für diese Frage. Ich bin einfach extrem glücklich, dass wir dieses Album erschaffen haben, weil wir sehr lange auf den richtigen Zeitpunkt gewartet haben. Derzeit sind wir kurz vor der großen Tour und ich freue mich irrsinnig, die Songs auf der ganzen Welt live zu spielen. Ich fühle mich einfach gut damit und das Album ist in gewisser Weise eine Botschaft an mich selbst, es macht mich sehr glücklich und für mich ist es wie eine motivierende Ansprache. (lacht)

"Krone": Es war für viele eurer Fans überraschend, dass ihr nur eineinhalb Jahre nach der dunklen, depressiven "Ghost Stories" nun so ein fröhliches Album veröffentlicht habt. Hat sich auch an deinem Gemütszustand in kurzer Zeit so viel verbessert?
Martin: Die Wahrheit ist, dass wir "Ghost Stories" aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus einfach machen mussten. Musik ist für mich ein Weg, meine Gefühle kanalisieren, mich ausdrücken zu können. Zu dieser Zeit haben wir uns entschieden, nicht auf Tour zu gehen und als wir uns in den letzten Zügen von "Ghost Stories" befanden, waren wir schon wesentlich optimistischer und fröhlicher als zu Beginn des Prozesses. Wir hatten einfach schöne neue Perspektiven auf unser Leben und die Welt im Allgemeinen und so haben wir diese Stimmung auf "A Head Full Of Dreams" verpackt.

"Krone": Du hast auf deinen Werken unter anderem auch den quälenden Scheidungsprozess von deiner ex- Frau Gwyneth Paltrow verarbeitet und eure Beziehung und Ehe war für Außenstehende immer recht gut einsehbar. Bereust du manchmal, dass dies alles so öffentlich ablief?
Martin: Ich sehe das ganz anders, denn die meisten Dinge habe ich ohnehin für mich behalten. Wenn mich aber Leute über dieses Thema fragen, dann beziehe ich dazu auch Stellung. Natürlich hat so ein Ereignis einen gewaltigen Einfluss auf dein Leben, aber das "Ghost Stories"- Album drehte sich tatsächlich um andere Dinge. Natürlich war die Scheidung ein Teil dieses Prozesses, aber das Album sollte einfach für die Menschen da sein, die gerade eine schwere Zeit durchmachen. Ich dachte dabei an die Erlebnisse und Erfahrungen vieler Menschen und nicht ausschließlich an mich.

"Krone": Auf "A Head Full Of Dreams" hört man nicht nur deine ex- Frau, sondern auch deine Kinder Apple und Moses im Hintergrund mitsingen. Verstehst du dieses Werk als eine Art Gemeinschaftsalbum, auf dem du einfach alle dir wichtigen Menschen deines Lebens versammeln wolltest?
Martin: Das ist eine sehr gute Frage und du liegst durchaus richtig. Eigentlich war mein Vorhaben, dass ich sowieso alle Menschen aus allen Ecken darauf versammeln wollte. Aber es ist natürlich schwierig, die alle ins Studio zu packen. (lacht) Also habe ich zumindest die Leute gefragt, die in meiner Nähe waren und Zeit für das Projekt hatten. Meine Kinder sind darauf zu hören, viele meiner guten privaten Freunde, meine Freunde aus der Musikszene und auch diverse Heros von mir. Es sollte einfach ein Chor der Menschlichkeit entstehen.

"Krone": Einer eurer wohl berühmtesten Fans, Barack Obama, ist auf dem Album auch zu hören. Wird es beim nächsten Werk vielleicht auch Bernie Sanders zu hören geben?
Martin: Vielleicht können wir ihn für ein Saxofon- Solo gewinnen, wer weiß das schon. (lacht) Bislang hat er mir noch nicht zurückgeschrieben.

"Krone": Andererseits hast du schon mehrfach in Aussicht gestellt, dass "A Head Full Of Dreams" durchaus auch das letzte Coldplay- Album sein könnte. Meinst du das wirklich ernst oder wurdest du einfach falsch zitiert?
Martin: Natürlich ist das möglich. Derzeit genieße ich einfach jeden Moment meines Lebens und ich versuche nicht, in der Vergangenheit oder Zukunft zu leben. Wir haben einfach all unsere Energie in dieses Album gesteckt und es sind keine Ideen übergeblieben, wir haben alles verarbeitet. Ich will mich auch gar nicht mit der Zukunft befassen, sondern einfach den Moment leben.

"Krone": Wenn du nun auf Tour gehst, wirst du auch die depressiven Songs von "Ghost Stories" spielen. Könnte dich das vor ein emotionales Problem stellen, nachdem du selbst heute ein wesentlich fröhlicherer Mensch bist?
Martin: Nein, denn für ein zweistündiges Konzert wollen wir auch eine Reise durch die verschiedensten emotionalen Ebenen anbieten. Ich liebe all unsere Alben und die Tour wird all unsere sieben Alben beinhalten. Sieben Alben sind schon eine ganze Menge, ich kann gar nicht glauben, dass wir so weit gekommen sind. Dass wir nun so viele Songs zur Auswahl haben, kommt uns natürlich entgegen. (lacht)

"Krone": Mir gefällt die Geschichte von Beyoncé, die auch auf eurem letzten Album zu hören ist und dir bei einem Song schonungslos konstruktive Kritik übermittelte, als sie mit einer Idee nicht zufrieden war. Das wirst du wahrscheinlich auch nicht so oft erleben?
Martin: Wir haben ohnehin extrem viele Kritiker, aber die sind meist nicht mit uns im Studio. Ich bin in einer Band mit drei weiteren starken Charakteren, die auch gute Einsichten und Ideen haben. Oftmals fragen wir auch andere Menschen außerhalb unseres Bandkosmos, denen wir vertrauen, um ihre Meinung und Einschätzung. In diesem Fall war es Beyoncé und das norwegische Produzentenduo Stargate. Immer wenn wir neue Musik veröffentlichen, holen wir uns vorher viele Meinungen und Kritik ein. Ich muss dann oft akzeptieren, dass unsere Songs nicht allen gefallen und das ist natürlich auch okay so.

"Krone": Die Geschichte mit dem Produzentenduo ist auch eine spezielle. Du musstest doch eine Audition abhalten, damit sie sich überhaupt auf die Kooperation einließen?
Martin: Das stimmt und das ist auch ziemlich gesund finde ich.

"Krone": Im Musikbusiness kommt es aber trotzdem eher selten vor, dass alle so ehrlich sind und einer erfolgreichen Band wie eurer direkt Kritik entgegenbringen.
Martin: Es gibt aber auch genug ehrliche Leute. Du musst als Band nur mutig genug sein, mit ihnen zusammenzuarbeiten und dich nicht abschrecken zu lassen. Man muss diesen Leuten auch zuhören, das ist die größte Schwierigkeit. Wir sind alle Menschen und haben die unterschiedlichsten Meinungen und Ansichten - andere zuzulassen oder sie einfließen zu lassen ist natürlich nicht immer einfach. Erst gestern habe ich mit einem guten Freund über den Song "I Took A Pill In Ibiza" gesprochen, den ich sehr schätze. Das ist mein bisheriger Lieblingssong dieses Jahres und er fängt überhaupt nichts damit an, das war für mich anfangs völlig unverständlich. Aber so ist das mit der Musik - sie ist wie ein großes Restaurant, in dem man verschiedene Menüs bestellen kann.

"Krone": Wie fast alle großen und erfolgreichen Künstler habt auch ihr unzählige Hater, mit denen du früher nur sehr schlecht klargekommen bist. Fällt es dir heute leichter, Social- Media- Beschimpfungen mit Ignoranz zu begegnen?
Martin: Durch die Social- Media- Kanäle hat wirklich jeder Hater, sogar Schulkinder. Auf Facebook oder Instagram wird immer irgendjemand etwas Unnötiges sagen. Ich versuche mich auf die Leute zu fokussieren, die uns mögen und sich mit unserer Musik wohlfühlen, denn so fühle auch ich mich bei unserer Musik. Ich liebe diese Band, ihre Songs und am meisten liebe ich es, diese Songs vor Leuten zu singen, die eine Verbindung dazu haben. Wenn jemand Coldplay nicht mag, ist das total okay für mich. Es gibt genug andere Musik für diejenigen. Ich versuche einfach, diese Art von Kritik nicht zu nahe an mich ranzulassen.

"Krone": Wenn du meist vor etwa 80.000 Fans in den größten Stadien der Welt spielst, kann das manchmal auch eine Art Fluch sein? Dass du etwa von deinen Gefühlen übermannt wirst oder dir das über den Kopf wächst?
Martin: Machst du jetzt einen Scherz? (lacht) Mein Traum ist damit wahrgeworden. Das ist der Grund, warum wir unterschiedliche Jobs machen. Du schreibst sicher gut und ich nicht, dafür kann ich performen. (lacht) In einem großen Raum zu stehen und die Lieder zu singen, die ich liebe - das habe ich schon als Fan genossen. Auch mit dem Gemeinschaftsgefühl, das du durch die anderen Besucher hast. Ich liebe es, wenn Leute zusammen singen und eine gute Zeit haben. Es gibt mir einfach das Gefühl, in der Welt stärker geliebt zu werden.

"Krone": Fällt es dir manchmal schwer, zwischen deiner Bühnenpersönlichkeit und dem privaten Chris Martin zu unterscheiden?
Martin: Nicht wirklich, da es hier kaum Unterschiede gibt. Ich bin auch auf der Bühne immer ich selbst. (lacht) Es ist nicht so, dass ich eine Rolle spiele wie bei KISS. Ich sehe auch immer gleich aus, es gibt kein Make- Up und kein Verstellen. (lacht)

"Krone": Hast du dich in den letzten zehn, 15 Erfolgsjahren in deiner Persönlichkeit, deinem Charakter verändert?
Martin: Auf jeden Fall. Ich habe einfach das riesengroße Glück, richtig interessante Menschen zu treffen und mit ihnen zusammenarbeiten zu können. Ich bekomme einfach viele Tipps, welche Erfahrungen ich machen soll, welche Bücher ich lesen soll oder was ich mit meinem Leben anfangen kann. Das lässt dich unweigerlich reifen und verändert deine Persönlichkeit. Als ich jung war hat mir mein Vater immer gesagt, dass ich offen und ohne Scheuklappen durch die Welt gehen und auch Perspektiven anderer Menschen beachten soll. Mit dieser Einstellung fällt es dir auch viel leichter, neue Dinge zu erleben. So eine Einstellung hat auch Rammstein- Sänger Till Lindemann. Ich habe ihn einmal in einem Lift in Australien getroffen und anfangs war ich etwas eingeschüchtert, weil er in dieser unnahbaren Rockband spielte. Aber er war verdammt cool und hat es mit seiner Art geschafft, dass ich seine Musik schätzen lernte. Das gelang nur deshalb, weil ich ohne Scheuklappen an die Sache rangegangen bin. Heute gehört Rammstein zu den größten Rockbands der Welt und es ist einfach wichtig, dass man Leuten zuhört und von ihnen lernt.

"Krone": Du bist in erster Linie nicht nur Millionenseller, sondern auch Fan.
Martin: Absolut. Nach diesem Interview setze ich mich sofort wieder zur Musik, um neue Sachen zu entdecken und mich weiterzubilden.

"Krone": Wie real sind eigentlich die Gerüchte, dass du künftig mit dem aufstrebenden Pop- Starlet Ariana Grande zusammenarbeiten wirst?
Martin: Interessantes Gerücht. Auch wenn ich nicht weiß wer es in die Welt gesetzt hat, klingt es sehr cool. (lacht)

"Krone": Im Februar seid ihr bei der Superbowl- Halftime- Show aufgetreten, so etwas wie der Ritterschlag für die größten Musiker der Welt. Wie wichtig war denn dieser Auftritt im Vergleich zu den herkömmlichen, großen Auftritten, die ihr sonst so habt?
Martin: Gute Frage. Wir haben uns aus mehreren Gründen dafür entschieden. Einerseits weil es das 50- jährige Jubiläum war und andererseits, weil wir eben keine US- Band sind. Wir wollten die Show einfach total anders als ein typisches Coldplay- Konzert anlegen. Der Sinn dahinter war, das Erlebnis mit Künstlerfreunden und der ganzen Welt zu teilen. Wir haben uns also nicht so sehr auf Coldplay- Musik konzentriert, sondern die Plattform eher dafür genutzt, zu erklären, wie wir uns und die Welt um uns herum sehen. Es war mehr ein Statement als ein Auftritt. Wir sind Briten, die bei der größten Show in den USA auftreten durften und dadurch auch etwas Verbindendes projizieren konnten. Gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise und der vielen Kriege war das einfach eine passende Botschaft zur richtigen Zeit.

"Krone": Es ist mittlerweile acht Jahre her, dass ihr live in Wien aufgetreten seid. Kannst du dich daran noch erinnern? Welche Verbindung hast du zu Österreich?
Martin: Wien ist ein wunderschöner Platz, ich fühle mich dort immer irrsinnig wohl und auch frisch, weil mir die Leute so viel gegeben haben. Wir freuen uns schon sehr darauf, wiederzukommen. Wenn es nicht heuer ist, dann hoffentlich 2017. Wir werden ja sehen.

09.04.2016, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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