Sa, 16. Dezember 2017

Razzia bei Verona

28.02.2008 19:58

Pooth-Villa durchsucht

Schock für Verona Pooth (ehemals Feldbusch): Ermittler haben am Donnerstag ihre Familien-Villa sowie Büros durchsucht. Gegen ihren Ehemann Franjo wird wegen des Verdachts der Bestechung und der Insolvenzverschleppung ermittelt. Er soll Sparkassenmitarbeitern teure Geschenke gemacht haben, um hohe Kredite für seine inzwischen insolvente Firma Maxfield zu bekommen. Die 39-jährige hat ihn unterdessen in Schutz genommen. "Wir sind keine kriminelle Familie, und Franjo hat keine kriminelle Vergangenheit", sagte sie in Hamburg bei der Aufzeichnung der Talkshow "Johannes B. Kerner".

Die Durchsuchungsaktion habe sie "geschockt". "All diese Vorwürfe, die zur Zeit noch geprüft werden, sind ja Vorwürfe, die wir in unserem Leben nicht gewöhnt sind." Aber sie habe "ein sehr gutes Gefühl", dass nichts schwerwiegendes zu finden gewesen sei.

30 Kisten Material beschlagnahmt
Auch mehrere Bank-Manager, die in die Korruptions-Affäre um Pooth verstrickt sind, bekamen Besuch von Fahndern. Durchsuchungen habe es in Düsseldorf sowie in den Nachbarstädten Meerbusch und Erkrath gegeben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, Johannes Mocken.

"Bei den Ermittlungsmaßnahmen wurden bereits Unterlagen in größerem Umfang sichergestellt." Die Stadtsparkasse habe freiwillig Papiere ausgehändigt. Die Ermittler trugen aus der Pooth-Villa und der insolventen Firma von Franjo Pooth, Maxfield, insgesamt rund 30 Umzugskartons mit beschlagnahmtem Beweismaterial heraus.

Kritik von Pooth-Anwalt
Pooths Anwalt Christian Richter II kritisierte am Abend unter Anspielung auf die Razzia beim früheren Postchef Klaus Zumwinkel vor zwei Wochen die "spektakulären Durchsuchungsmaßnahmen - so als gäbe es einen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Staatsanwaltschaften dieses Landes". Er habe seit über einer Woche erfolglos versucht, Kontakt zur Staatsanwaltschaft aufzunehmen, und biete weiterhin Kooperation und Information an.

Verdacht der Bestechung
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Franjo Pooth wegen des Verdachts der Bestechung und der Insolvenzverschleppung. Der 38-Jährige soll Bankern, die ihm Millionenkredite gewährten, teure Geschenke gemacht haben. Insgesamt haben die Staatsanwälte fünf Beschuldigte im Visier. Die Affäre hatte den Düsseldorfer Sparkassen-Chef Heinz-Martin Humme bereits das Amt gekostet. Ein weiterer Sparkassen-Vorstand war am Vortag sogar fristlos entlassen worden. Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin hatte angedeutet, dass weitere Vorwürfe aufgetaucht seien.

Zudem sind ein weiterer Sparkassen-Mitarbeiter sowie Pooths Partner als Geschäftsführer bei dessen Firma Maxfield im Visier der Staatsanwälte. "Die Ermittlungen dauern an; insbesondere die Auswertung der Unterlagen dürfte geraume Zeit in Anspruch nehmen", sagte Mocken.

Wollte nur Fernseher kaufen...
Gegen Ex-Sparkassen-Chef Humme wird wegen Untreue ermittelt. Humme hatte seine Unschuld beteuert und behauptet, er habe Franjo Pooth lediglich einen gebrauchten Fernseher abkaufen wollen. Doch an dieser Version sind Zweifel aufgetaucht: Das mehr als 3.000 Euro teure Gerät, das sich Humme in sein Privathaus liefern ließ, soll originalverpackt gewesen sein. Humme hatte es schon vorher trotz Aufforderung unterlassen, seine Darstellung zu beeiden.

Pooth hatte beim Düsseldorfer Amtsgericht vor kurzem den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Sein Unternehmen Maxfield, das vor allem MP3-Spieler verkauft hat, soll bis zu 14 Millionen Euro Schulden haben. Bei der Sparkasse soll das Unternehmen mit mehr als neun Millionen Euro in der Kreide stehen. Diese Summe wurde mit Hinweis auf das Bankgeheimnis bislang nicht bestätigt.

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