Do, 14. Dezember 2017

"Krone"-Interview

04.12.2017 08:06

Mercedes Echerer über ihren Kampf gegen Krebs

Die an Leukämie erkrankte Schauspielerin und ehemalige EU-Abgeordnete Mercedes Echerer spricht mit der "Krone" über ihre Konfrontation mit dem Tod und ihren Kampf ums Überleben. Ihr großer Appell: "Bitte helft mit, Leben zu retten - mit Stammzellen-Spenden!

"Krone": Mercedes, unser Gespräch hat ein ganz wesentliches Ziel: Du möchtest werben!
Mercedes Echerer: Ja, ich möchte gerne den Lesern bewusst machen, dass man mit wenigen Stunden seines Lebens ein Menschenleben retten kann! Es geht um Knochenmarkspenden für Leukämie-Kranke. Hätte ich keinen passenden Spender gehabt, wär ich vielleicht schon nicht mehr da.

Wann und wodurch hast du von deiner Krankheit erfahren?
Das war im Juni des Vorjahrs, als mich ein befreundeter Onkologe nach einem differenzierten Blutbild zu sich gebeten hat, mit den Worten: "Du kommst eh mit einer Person deines Vertrauens!?" In diesem Moment war mir klar, es ist was Schlimmes. Ich hatte nur Angst. Denn Krebs ist eine Krankheit, die haben die anderen. Ich doch nicht! Gemeinsam mit meinem Partner, dem Autor Rupert Henning, bin ich also zu diesem Gespräch, bei dem ich erfahren musste, dass ich Leukämie hab. Ich war wie gelähmt. Konnte nicht sprechen. Das, was der Arzt sagt, was Rupi sagt, kommt zu mir wie durch 7000 Filter. Ich war wie unter einer Käseglocke. Plötzlich die Konfrontation mit dem Tod. Mit Endlichkeit.

Bist du über deine Überlebenschance informiert worden?
Ja. Ich habe eine 50- bis 70-prozentige Überlebenschance. Wir haben's relativ früh erkannt, ich bin verhältnismäßig jung und sonst gesund.

Nach dem ersten Schock ...
... wurde ich sehr schnell sehr aktiv. Habe diverse Jobs abgelehnt und Arbeitgeber wie ORF III informiert, wo ich die Senderstimme bin. Dort hat man übrigens ganz toll reagiert. Sender-Chef Peter Schöber hat sein Team zusammengetrommelt und sie sind alle - wo's gesundheitlich möglich war - spenden gegangen. Anderswo hat man weniger toll reagiert, aber das ist eine andere Sache.

Und du hast dein Testament gemacht?
Ja, sofort. Mit Anwalt. Hab mich außerdem um die Zukunft meiner alleinstehenden Mutter gekümmert, die im Herbst davor einen Schlaganfall hatte. Diesen Sommer ist sie gestorben, aber mein Drama hat sie glücklicherweise nicht mehr mitbekommen. Denn wenige Tage bevor ich im AKH eingecheckt hab, war ich mit ihr noch im Haus des Meeres. Sie wollte dort unbedingt die Schildkröten sehen. Sie war ganz glücklich, und ich hab ihr erklärt, dass ich mich jetzt eine Zeit lang nicht um sie kümmern kann, weil ich "beschäftigt" bin. "Halt mir fest die Daumen", hab ich sie gebeten. Und sie hat ihre Daumen in die Höh gehalten und mich zuversichtlich angelächelt. Dieses Bild hab ich für mich festgehalten und mich damit von ihr verabschiedet.

Im Spital warst du dann ...
... mit wenigen Unterbrechungen sieben Monate. Bis zur Entlassung im Februar. Rupi war JEDEN TAG bei mir. Und meine Kinder (Zwillinge, 22) sind auch oft gekommen. Aber es war eine sehr schwere Zeit, wobei ich mich bei den Ärzten und dem Pflegepersonal sehr bedanken möchte, für ihre Hingabe und unglaubliche Geduld. Ich war manchmal so schwach, dass ich einfach nicht mehr konnte und wollte. Aber die Pfleger haben mich immer wieder motiviert, mein letztes Restchen Lebenswille zu sammeln. Mit dem Argument: "Dein Lebenswille ist keine Garantie, aber ohne Lebenswille geht gar nix." Dann schaust du dir die anderen auf der Station an, denkst an die 50 bis 70 Prozent und fragst dich: Wer schafft es?

Wie geht es dir heute?
Die Ärzte sind zufrieden. Wenn man keine größeren Komplikationen im ersten Jahr hat, ist das super. Und ich hab jetzt mehr Lebensqualität durch weniger Arbeit. Ein Produkt davon ist meine CD "Rumänisches Roulette", die ich am Mittwoch präsentieren werde: Eine Erzählung mit Musik, in der's um meine Wurzeln geht.

Vera Russwurm, Kronen Zeitung

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