Di, 21. November 2017

Im Wald verkrochen?

12.11.2017 08:29

Polizei: Friedrich F. lebt und ist im Raum Stiwoll

Auch wenn in den vergangenen zwei Wochen immer wieder Hinweise aufgetaucht waren, dass der Doppelmörder Hunderte Kilometer entfernt - etwa im niederösterreichischen Amstetten oder in Oberösterreich - gesehen worden sein soll, konzentriert sich die professionelle Fahndung nach wie vor auf Stiwoll. Und das weitläufige Waldgebiet rund um den Tatort.

Denn für Experten steht fest: Friedrich F. hat weder die Tat, noch die anschließende Flucht geplant, da er sein Handy zu Hause gelassen und keine wärmende Kleidung vorbereitet hat. Demnach dürfte der 66 Jahre alte Steirer im heimatlichen Wald untergetaucht sein. Er kennt diese Gegend wie seine Westentasche und dürfte deshalb wie ein "Waldmensch" im Unterholz verschwunden sein.

Auch wenn sein Bewegungsradius durch die ständige Observation extrem eingeschränkt sein dürfte, nützt F. offenbar diesen "Heimvorteil": Die Ortskenntnis, die ihm vielleicht sogar geholfen hat, aus dem "Belagerungsring" auszubrechen.

"Husar"-Panzerwägen als Unterstützung
Um bei der Suche nach dem mutmaßlichen Todesschützen technisch bestens gerüstet zu sein, unterstützen zwei "Husar"-Panzerwägen des Heeres die Fahndung. "Doch so martialisch das Patrouillenfahrzeug auch wirkt, in den Wäldern bei Stiwoll dient es in erster Linie als Aufklärungsfahrzeug", so Heeressprecher Michael Bauer.

Spezielle Taglichtkameras liefern Bilder mit 26-facher Vergrößerung. Bei guter Sicht können Bewegungen bis auf zwölf Kilometer Distanz wahrgenommen werden. Gleichzeitig gibt es an Bord des von drei Soldaten bedienten "Husars" eine Wärmebildkamera. Nachtbilder oder Aufnahmen bei schlechter Sicht sind bis zu fünf Kilometer möglich. Schwachstelle des gepanzerten "Militärauges": Bei sehr dichtem Nebel sind Unterscheidungen etwa zwischen einem Reh oder einem Menschen kaum zu machen.

Taktikwechsel bei der Polizei
Spuren sichern und Ermittlungen aller Art - die Todesschüsse von Stiwoll wurden für die Polizei jedenfalls zur Riesenherausforderung. Mit Hundestaffeln und Spezialeinheiten wie der Cobra wurden die nahen Wälder durchkämmt, Informationsveranstaltungen für die Bürger standen an der Tagesordnung. Auch Hubschrauber, die Tag und Nacht über der Gegend kreisten, prägten das Landschaftsbild in den ersten elf Tagen.

Am Mittwoch wurde die Taktik geändert: Die Exekutive zog aus Stiwoll großteils ab, es wurde zur kriminaltechnischen Ermittlung übergegangen, die weiterhin forciert wird.

Fallanalytiker: Friedrich F. "nicht auf der Jagd, sondern auf der Flucht"
Für die "operative Fallanalyse" ist, wie bereits berichtet, Werner Schlojer vom Bundeskriminalamt Wien zuständig. Der Grazer leitet ein vierköpfiges Team, das mehrere Fachrichtungen vereint. Nach seinen Analysen geht Schlojer davon aus, dass Friedrich F. die Tat impulsiv setzte und nicht plante. Demnach sei auch die Flucht wahrscheinlich nicht geplant gewesen. Nachdem F. das Auto in einem nahen Wald abgestellt habe, sei seine Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt.

Der Gesuchte wird in der Nähe vermutet. Für die Bevölkerung, insbesondere unbeteiligte Personen, sieht der Analytiker aber eher keine konkrete Gefahr. F. sei "nicht auf der Jagd, sondern auf der Flucht". Und: "Er fühlt sich als Opfer."

"Wussten, dass Situation einmal eskalieren könnte"
Psychologen in der Schule, verschobene oder abgesagte Festakte - in der kleinen Gemeinde ist seit dem 29. Oktober 2017 nichts mehr so, wie es einmal war. Den mutmaßlichen Todesschützen kennt natürlich ein jeder, so auch Alfred Zwanzger. "Wir wussten, dass die Situation einmal eskalieren könnte", so der Leiter des örtlichen Kameradschaftsbundes.

Hinweise zur Person Friedrich F. gibt es aus der Bevölkerung zur Genüge, alle Erinnerungen werden mit der Exekutive geteilt, mögliche Verstecke umgehend weitergegeben. Die Hinweise der Anrainer sind in diesem Zusammenhang besonders wichtig, schließlich kennen sie die Gegend (und somit mögliche Verstecke) am besten. "Ich hoffe, dass er bald gefunden wird, damit wir wieder in Ruhe im Ort wohnen können", so eine Nachbarin.

Von Gutachter als ungefährlich eingestuft
Friedrich F., geboren am 3. Februar 1951 in Stiwoll, war seit Jahren als schrulliger Querulant bekannt. Zahlreiche Gerichtsverfahren wurden gegen ihn geführt und von ihm angestrengt. 2011 drohte er in einem Brief ans Justizministerium, "den Weg zur Waffe" einzuschlagen. Gutachter Manfred Walzl stufte ihn noch 2016 als ungefährlich ein.

Am 29. Oktober eskalierte ein Nachbarschaftsstreit tödlich: Der dringend Tatverdächtige erschoss auf seinem Anwesen seine Nachbarn Adelheid H. und Gerhard E.; Monika Z. überlebte schwer verletzt.

Matthias Wagner, Alexander Petritsch und Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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