Sa, 18. November 2017

Toller Jahrgang

08.11.2017 15:00

Eine Erfolgsgeschichte für die Wiener Kehle

Die Donau-Metropole ist die einzige Hauptstadt mit nennenswerter Weinproduktion. Die edlen Tropfen sind identitätsstiftend und nicht selten Bestandteil des Wiener Bluts.

Eine kleine Bar am anderen Ende der Welt. Der Barkeeper holt eine Flasche Weißwein aus dem Kühler, schenkt unaufgefordert ein Achterl ein. Man trinkt. Schließt die Augen. Die Geschmacksknospen hüpfen im Dreivierteltakt. Die Herkunft des edlen Tropfens? Wien! Eine selten erhältliche Medizin gegen aufflackerndes Heimweh.

Das kann natürlich auch daran liegen, dass es nur vergleichsweise wenige Flaschen Wiener Wein über die Landesgrenze schaffen. 70 Prozent der Produktion der Wiener Winzer rinnen heimische Kehlen hinunter. Das hat zum Teil mit dem speziellen Heurigenwesen zu tun bzw. auch damit, dass der Wein aus der Donaumetropole bei den Einheimischen selbst hoch im Kurs steht.

Weinbau trägt zur kulturellen Identität Wiens bei
Der Weinbau trägt wesentlich zur kulturellen Identität Wiens bei und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dieser Umstand ist in vielen Facetten ausgeprägt. Das Vordergründigste sind natürlich die Weinproduktion und der Verkauf selbst. Die alten Weinorte prägen darüber hinaus auch das unverwechselbare Landschaftsbild dieser Stadt. Wien-Besucher schätzen die Natur und die ursprüngliche Belassenheit in den Weinbaugebieten, und in den Heurigen und Buschenschanken wird schon lange nicht mehr nur Wienerisch gesprochen. Auch das Publikum beim abendlichen Spritzer ist internationaler geworden. Die alten Weinstraßen und Winzerhöfe sind Sehenswürdigkeiten - ähnlich den spanischen Tapas-Bars oder den kroatischen Konobas.

Die Qualität stimmt, aber weniger Heurige
Als reine Touristenattraktion droht der heimische Wein nicht zu enden. Die Qualität stimmt. Das belegt der Umstand, dass man heimische Tropfen auch in anspruchsvollen Bars am anderen Ende der Welt bekommt. Vom aktuellen Jahrgang kann man sich übrigens bei den vielen Weintaufen überzeugen, die derzeit stattfinden. Der Anbau ist zudem gelebte Tradition und wird mit einem vernünftigen Maß Stolz betrieben. Für die meisten der 146 Wiener Weinbaubetriebe ist der Heurige der wichtigste Absatzkanal. Mehr als die Hälfte der Winzer vermarkten ihren Wein direkt über diesen Vertriebsweg. Während die Menge und Qualität der heimischen Tropfen steigt, blickt der Heurige als Institution in eine ungewisse Zukunft. Gerade einmal 91 Buschenschankmeldungen verzeichnen die Bezirksämter 2015 - Tendenz fallend.

Philipp Stewart, Kronen Zeitung

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