Fr, 24. November 2017

Ex-Schwimmer im Talk

10.09.2017 18:54

Markus Rogan: „Ich war immer ein bisschen deppert“

Markus Rogan - Österreichs erfolgreichster Schwimmer aller Zeiten - nennt seit einigen Jahren Los Angeles seine neue Heimat. In der US-Metropole genießt der 35-Jährige mit seiner Frau Leanne und Söhnchen Kayde ein Leben fernab vom einstigen Trubel um seine Person. Die "Krone" hat Rogan getroffen - und mit ihm über sein neues Leben als Psychotherapeut, vermeintliche Helden im Sommersport und "depperte" Aktionen gesprochen.

"Krone": Markus, nach Beendigung deiner Karriere als Schwimmprofi und deinem Umzug nach Los Angeles arbeitest du jetzt als Psychotherapeut. Wäre da der Beruf Rettungsschwimmer nicht naheliegender gewesen?
Markus Rogan: Ich habe tatsächlich überlegt, Rettungsschwimmer zu werden. Ehrlich! Die Lifeguards hier sind schon super. Das ist auch ein extrem anspruchsvoller Job. Aber die Psychotherapie gefällt mir doch besser. Außerdem, so überraschend ist meine Berufswahl ja nicht. Meine Mutter ist Psychiaterin, mein Stiefvater ist Psychologe. Wer weiß, wenn die Rettungsschwimmer wären …

Wieso bist du überhaupt nach L.A. gezogen? Du hast schließlich in Wien, der lebenswertesten Stadt der Welt, gelebt.
Das hat mehrere Gründe. Ein Grund ist, jetzt bin ich da und mir taugt's. Mir gefällt es hier in Wahrheit besser als in Wien. Ich fühle mich hier wohler. Ich kann in der Früh surfen gehen. Das mache ich total gerne - und auch oft. Ich mache übrigens auch Surf-Therapie. Das macht mir großen Spaß. Sowas kann ich halt nur hier tun. Der zweite Grund: Ich glaube, dass ich in Österreich so nicht leben könnte. Da haben einfach schon ziemlich viele - mich eingeschlossen - ein voreingenommenes Bild von mir. Da bin ich halt Markus Rogan. Da kann ich quasi nicht im Hintergrund verschwinden.

Das heißt, du genießt dein Leben abseits des Schwimmstars in Los Angeles?
Ja, also ich genieße das Leben nach dem Sport. Ich hätte ja schon, wenn ich es ein bisschen gescheiter gemacht hätte, immer sagen können: "Das Schnitzel ist gut. Der Apfelstrudel ist gut. Zahlt mir den Sponsor." Das machen ja endlos viele Sportler in Österreich. Hätte ich also öfters gesagt: "Ja, das ist super", hätte ich das Leben leben können.

Stattdessen hast du immer ein bisschen angeeckt …
Ja. Absichtlich. Unabsichtlich. Vielleicht aus eigener Deppertheit heraus. Manchmal denke ich mir, wie wäre mein Leben, wenn ich nach wie vor Sponsor-Verträge in Österreich hätte und auf Dorffesten lächeln würde. Das wäre interessant und lukrativ.

Aber das wäre wohl nicht die richtige Wahl für dich gewesen?
Naja, ich glaube, wenn wir ganz ehrlich sind, hatte ich nie die Wahl. Weil ich eben immer ein bisschen deppert war und immer ein bisschen wo angeeckt habe. Also früher oder später hätte das mit mir in Österreich sowieso nicht mehr funktioniert. Aber manchmal ist es schön, der Phantasie nachzugehen …

Tatsache ist jedoch, dass du der erfolgreichste Schwimmer der Nation bist. Wie fühlt sich das an?
Schön. Einsam ein bisschen. Ich hoffe, dass ich ab der nächsten Olympiade nicht mehr der erfolgreichste Schwimmer der Nation bin. Es ist wirklich Zeit, dass mich Felix Auböck ablöst. Das sagt ja auch leider viel über das Niveau des Sports aus, wenn jemand 16 Jahre lang der Beste ist. Gut, ich war erfolgreich, aber so erfolgreich auch wieder nicht.

Woran liegt es, dass es noch keinen besseren Schwimmer als dich in Österreich gibt?
Ich sehe, dass wenn die jungen Sportler in Österreich hochkommen, dass sie irrsinnig schnell zu Helden werden. Und dann vergessen sie eigentlich, wie weit es noch nach oben ist. Das ist meiner Meinung nach ein Grund, warum österreichische Sommersportler nicht besser werden. Wenn du als Skifahrer nicht Weltmeister bist, bist du nahezu ein Niemand. Wenn du beim Schwimmen oder in der Leichtathletik einmal irgendwo eine Medaille machst, bist du schon ein Held. Dafür musst du in der Relation zum Skifahren nicht viel leisten.

Wäre der Skisport also vielleicht eher was für dich gewesen?
(Lacht) Dafür war ich nie gut genug. Also ich bin ein sehr guter Skifahrer, aber bei weitem nicht gut genug. Wäre ich lieber ein österreichischer Skiheld? Klar! Wer will das nicht. Wer wäre nicht gern Marcel Hirscher!

Aber ein Markus Rogan zu sein, ist doch auch nicht so schlecht, oder?
Ja, mhm. Da gibt es einen Spruch, den möchte ich vielleicht groß an meine Wand im Büro schreiben: "Du kannst nur du selbst sein, jeder andere ist schon besetzt."

Apropos. Ich sehe hier in deinem Büro deine Diplome zur Psychotherapie, aber wo sind deine Medaillen?
Sie sind in meinem Raiffeisen-Safe in Österreich. Und ich habe den Schlüssel irgendwo. Ich suche gerade nach dem Schlüssel (lacht)

Sie sind dir also nicht allzu viel wert?
Wirklich viel wert ist mir nur die eine: Die Ehrenmedaille. Auf die bin ich stolz. Ich hätte mich mit dem Sieg damals gar nicht wohl gefühlt. (Anmerkung: Bei den olympischen Spielen in Athen im Jahr 2004 wurde Rogan über 200 Meter Rücken Zweiter. Nach dem Rennen wurde der Sieger Aaron Peirsol wegen eines vermeintlichen Beinfehlers disqualifiziert und Rogan zum Sieger erklärt. Einem Protest der Amerikaner wurde stattgegeben, somit wurde Peirsol doch Sieger. Rogan erklärte später, dass Peirsol der bessere Schwimmer sei. Für sein vorbildliches Verhalten erhielt er später die Ehrenmedaille der Vereinten Nationen).

Wenn man deinen Instagram-Account betrachtet, sieht man, dass dir auch deine Familie viel wert ist. Du hast ja eine super fesche Frau und deinen zuckersüßen Sohn Kayde, der jetzt zehn Monate alt ist. Außerdem bist du ein erfolgreicher Psychotherapeut, hast ein Büro in Beverly Hills und gehst oft surfen. Ist dein Leben perfekt?
Es ist schön. Es ist spannend. Also der heutige Tag ist zum Beispiel genau so, wie ich es mir wünsche. Ich bin neben meiner Frau Leanne aufgewacht, ich habe gefrühstückt. Der Kleine ist aufgewacht, nachdem er uns die ganze Nacht durchschlafen hat lassen. Dann war ich mit ihm in unserem kleinen Pool schwimmen. Danach war ich im Yoga und anschließend im Büro und hatte wirklich, wirklich spannende Patienten. Und heute Abend sehe ich Kyde noch bevor er schlafen geht.

Und abschließend: Wie stehst du heute dazu, dass du in Österreich nicht nur durch deine Erfolge, sondern auch durch deine Aussagen in der Öffentlichkeit, mit denen du nicht gerade Sympathiepunkte bei den Österreichern gesammelt hast, aufgefallen bist?
Ich wünschte mir, dass ich mich früher getraut hätte, selbst zur Therapie zu gehen. Denn wenn dir viele sagen, dass du ein bisschen deppert bist, können nicht alle unrecht haben ...

Charlotte Sequard-Base
Redakteurin
Charlotte Sequard-Base
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