Di, 12. Dezember 2017

Russen-Eklat

25.06.2017 12:45

Politiker will Rot-Sünder "auf die Schnauze geben"

Die Reaktionen bei WM-Gastgeber Russland nach dem frühen Aus beim Confederations Cup am Samstag sind gemischt ausgefallen. "Wir machen Schritte in die richtige Richtung", analysierte Teamchef Stanislaw Tschertschessow. Auch Verbandschef Witali Mutko war mit der Leistung zufrieden, Parlamentsvizepräsident Igor Lebedew sorgte dagegen mit einer harten Kritik an Juri Schirkow für Irritationen.

Das Team von Ex-Tirol-Tormann Tschertschessow landete mit nur einem Sieg aus drei Partien auf Platz drei der Gruppe B. Seit Südkorea 2001 ist kein Confed-Cup-Ausrichter mehr so früh gescheitert als die Russen. Die Frage, ob Tschertschessow wegen des frühen Aus zum Rücktritt bereit sei, amüsierte den Teamchef eher, als dass sie ihn verärgerte. Er werde "mit Freude" weiterarbeiten, sagte der 53-Jährige. Ein einheimischer Journalist hatte sich in seiner Frage auf Quellen bezogen, die ihm gesagt hätten, dass Tschertschessow gehen müsse, sollte der WM-Gastgeber beim Generalprobenturnier schon in der Vorrunde scheitern. "Bitte richten sie ihrem Informanten viele Grüße aus", spottete der ehemalige Tormann.

Fast reaktionslos nahmen die russischen Fans das jähe Ende der Confed-Cup-Party zur Kenntnis. Erst nach zweiminütiger Schockstarre verabschiedeten die Zuschauer ihre schwer enttäuschende "Sbornaja" mit zaghaftem Applaus und leisen "Rossija"-Rufen. Tschertschessow rechnet aber nicht damit, dass die Vorfreude der russischen Fans nun dauerhaft Schaden nimmt. Von der Aufbruchstimmung von 2008 ist längst nichts mehr übrig. Seit der EM-Halbfinal-Qualifikation, als man Spanien in Wien 0:3 unterlag, dümpelt die stolze Sport-Nation im Fußball im Niemandsland.

Trotz des Ausscheidens in der Vorrunde war Moskaus wichtigster Sportfunktionär Witali Mutko zufrieden mit der Leistung beim Confederations Cup. "Mir gefällt die Mannschaft, die Tschertschessow aufbaut. Mir gefällt ihre Einstellung", sagte Mutko. Fragen nach einer Beurlaubung Tschertschessows wischte der Vizeregierungschef beiseite. "Tschertschessow arbeitet mit denen, die er hat", betonte Mutko, der zugleich Chef des Fußballverbandes ist. "Es gibt genug zu überdenken. Wir müssen unsere Geschicklichkeit erhöhen, insbesondere im Torabschluss", fügte er hinzu.

Parlamentsvizepräsident Igor Lebedew übte hingegen scharfe Kritik an Juri Schirkow nach dessen Platzverweis. Der frühere Chelsea-Profi habe "nicht das Recht, in so einem Spiel zwei Gelbe Karten zu bekommen", sagte Lebedew der Agentur R-Sport. "In der Kabine sollte man ihm auf die Schnauze geben, von Mann zu Mann! Er hat die Mannschaft im Stich gelassen, das macht man nicht", fügte der Politiker hinzu. Lebedew hatte zuletzt bereits mit dem Vorschlag, aus Kämpfen zwischen Hooligans eine neue Sportart zu machen, irritiert.

Die Mexikaner vermieden nach dem 2:1-Sieg über Russland jegliches Triumphgehabe in Richtung des ausgeschiedenen Gastgebers. Vor allem seine Comeback-Fähigkeiten machen den Gold-Cup-Sieger für das Halbfinale am Donnerstag (20.00 Uhr) in Sotschi aber äußerst zuversichtlich. Zum dritten Mal war "El Tri" bei diesem Turnier in Rückstand geraten, verhinderte aber wie schon gegen Portugal (2:2) und Neuseeland (2:1) mit großem Einsatz noch die Niederlage. "Dass wir hier bisher nicht verloren haben, gibt uns viel Ruhe und Zuversicht", freute sich Rekord-Torschütze Javier Hernandez.

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