So, 17. Dezember 2017

Hausverbot erteilt

22.06.2017 06:48

Nach Kohl-Tod: Sohn darf nicht in sein Elternhaus

Mitten in den Vorbereitungen zu den Trauerfeierlichkeiten für Helmut Kohl ist der Streit innerhalb der Familie des verstorbenen deutschen Altkanzlers eskaliert. Begleitet von seinen zwei Kindern versuchte Kohls Sohn Walter am Mittwoch vergeblich, in das Haus seines Vaters in Ludwigshafen-Oggersheim zu gelangen. Er suchte die Aussprache mit dessen Witwe Maike Kohl-Richter. Er klingelte an der Tür, doch niemand öffnete. Ein Polizist verwies schließlich auf ein Hausverbot.

Die Szenen wurden von Journalisten, die seit Tagen vor dem Haus ausharren,
gefilmt und fotografiert. Der Anwalt der Witwe Maike Kohl-Richter, Stephan Holthoff-Pförtner, warf Walter Kohl vor, vorherige Kontaktversuche ignoriert zu haben und nun bewusst einen Eklat zu inszenieren.

Anwalt der Witwe: "Kohl-Sohn hat sich Gespräch entzogen"
Der langjährige Rechtsbeistand und Vertraute Helmut Kohls sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe am Dienstag das Gespräch mit dem Kohl-Sohn gesucht, um die Abläufe der Trauerfeierlichkeiten zu bereden und zu klären, wie sich die Söhne und Enkel Kohls verabschieden könnten. Walter Kohl habe eingewilligt ein Telefonat zu führen, sei zum verabredeten Zeitpunkt aber nicht erreichbar gewesen. "Er hat sich diesem Gespräch entzogen." Dass Walter Kohl am Mittwoch unangemeldet vor dem Haus in Oggersheim um Einlass gebeten habe, sei "die gewollte und bewusste Inszenierung eines Eklats".

Walter Kohl: "Das ist eine Lüge"
Walter Kohl wiederum warf Holthoff-Pförtner "Falschaussagen" vor. In einer der Deutschen Presse-Agentur zugeleiteten Stellungnahme erklärte der Kohl-Sohn, es sei eine "Lüge", dass er nicht erreichbar gewesen sei. Er habe zum vereinbarten Zeitpunkt vergeblich am Handy auf den Anruf gewartet. "Diese Handynummer ist seit 20 Jahren unverändert und allseits bekannt." Er habe sich zu keinem Zeitpunkt Kontaktaufnahmen entzogen. "Der ganze Vorgang in Oggersheim spiegelt die Erfahrungen gerade der Enkel im Umgang mit ihrem Großvater in den letzten Jahren wider", beklagte er. "Mich empört das pietätlose Verhalten von Maike Kohl-Richter."

Merkel-Rede bei europäischem Trauerakt
Derweil nehmen die Abläufe der Trauerzeremonien konkrete Formen an. Bei einem europäischen Trauerakt am 1. Juli in Straßburg wollen Kanzlerin Angela Merkel und führende Vertreter Europas die Verdienste Kohls würdigen. Holthoff-Pförtner dementierte einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach Merkel nach Kohl-Richters Willen ursprünglich auf dem Trauerakt nicht habe sprechen sollen. "Es gab zu keinem Zeitpunkt in der Familie Helmut Kohls Bedenken gegen eine Rede der Bundeskanzlerin beim Trauerakt in Straßburg", sagte Holthoff-Pförtner. Der "Spiegel" hatte gemeldet, Kohl-Richter habe die Idee präsentiert, nur ausländische Gäste sollten sprechen, darunter Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban, erbitterter Gegner von Merkels Flüchtlingspolitik. Erst als Vertraute vor einem Eklat warnten, sei sie von den Überlegungen abgerückt.

Der frühere Kanzler war am vergangenen Freitag nach langer Krankheit mit 87 Jahren in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben. Sein Sohn Walter hatte nach eigenen Angaben erst aus dem Autoradio davon erfahren und war am Freitag an das Totenbett des Vaters gekommen - nach Jahren der Funkstille zwischen den beiden. Auch das Verhältnis zwischen Kohls Söhnen und dessen zweiter Ehefrau Maike gilt seit Langem als angespannt.

Franz Hollauf
Redakteur
Franz Hollauf
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