Fr, 24. November 2017

Meine Geschichte

24.05.2017 12:32

60 Jahre Ehe: „Hab‘ mich so an dich gewöhnt“

60 Jahre verheiratet! Helga und Otto haben geschafft, wovon viele Paare träumen: die Diamantene Hochzeit. Das Protokoll einer unzerstörbaren Ehe.

67 Millionen Euro soll ein Juwelier für den teuersten Diamanten aller Zeiten bezahlt haben. "Pink Star" heißt dieser rosafarbene Edelstein. Er kommt extrem selten vor und ist für unsereins unbezahlbar.

Mit Diamanten hatten wir beide bis vor Kurzem nicht viel am Hut. Die hätten wir uns gar nicht leisten können. Doch nun feiern wir Diamantene Hochzeit. Also haben wir nachgeforscht, warum dieses Jubiläum so heißt wie es heißt. Wir haben erfahren: Eine 60-jährige Ehe ist genauso selten und kostbar wie der Luxus-Stein.

Verlobung auf Parkbank im Schönbrunner Schlosspark
Wien-Meidling. 1955. Es war kurz, nachdem die Allierten wegwaren. Es hat Aufbruchstimmung geherrscht und es wurde wieder gefeiert. Beim "Tanz in den Mai" haben wir uns kennengelernt. Von dort an trafen wir uns jeden Tag. Zum Spazierengehen. Im Schönbrunner Schlosspark. Die erste Zeit haben wir Händchen gehalten, dann folgte der erste Kuss. Auf einer Parkbank. Genau an dieser Stelle haben wir uns ein Jahr später verlobt.

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Am 25.Mai 1957 haben wir dann in der Meidlinger Kirche geheiratet. 20 Freunde und Verwandte waren geladen. Wir haben uns versprochen uns zu lieben, zu achten und zu ehren - bis dass der Tod uns scheidet. Bis heute haben wir Respekt vor diesem Versprechen. Es ist eine Zusage füreinander Verantwortung zu tragen, sich abzustimmen bei Entscheidungen und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Solange man lebt. Das versuchen wir umzusetzen.

"Hochzeitsnacht haben wir getrennt verbracht"
Wir vermeiden es, den anderen zu provozieren, zu kränken und zu verletzen. Passiert es uns trotzdem, entschuldigen wir uns. Themen, die für Konflikte sorgen können, meiden wir. Zum Beispiel Politik. Wir sind darin nicht einer Meinung. Das wissen wir. Doch auch in der Ehe gilt das Wahlgeheimnis.

Erst eineinhalb Jahre nach unserer Hochzeit haben wir eine bezahlbare Wohnung, genauer gesagt ein Zimmer, gefunden. Bis dahin hat jeder von uns weiter bei seinen Eltern gelebt. Sogar die Hochzeitsnacht haben wir getrennt verbracht.

Jeden Sessel, jedes Kaffeehäferl, jedes Pfund Mehl haben wir uns damals vom Mund abgespart. Otto hat als Eisenbahner das Geld heimgebracht und Helga hat sich um den Haushalt und später um die Kinder gekümmert. Christl und Kurt. Sie sind heute 55 und 51 Jahre alt.

"Einen Chef gab es in unserer Beziehung nicht"
Die klassische Rollenverteilung steht ja heutzutage in der Kritik. Für uns war sie stimmig. Jeder von uns hat seinen Teil innerhalb der Familie beigetragen und wurde vom anderen dafür wertgeschätzt. Eine gleichberechtigte Partnerschaft würde man wohl dazu sagen. Fakt ist: Einen Chef gibt es in unserer Beziehung nicht. Hat es nie gegeben.

"Ich hab mich so an dich gewöhnt. Was auch immer kommt, für mich gibt es keinen Scheidungsgrund. Denn für mich bleibst du immer jung und schön" - das ist ein Schlagertext aus der Nachkriegszeit. Das summen wir uns regelmäßig vor. Nicht jeden Tag. Aber oft. Dann halten wir Händchen und geben uns einen Kuss. Wie damals auf der Parkbank.

"Keiner von uns hat je das Versprechen gebrochen"
Ein Diamant steht für Unzerstörbarkeit und Standhaftigkeit. Symbolisch gesehen. Auf unsere Ehe trifft das tatsächlich zu. Auf den Tag genau vor 60 Jahren haben wir uns ein Versprechen gegeben. Keiner von uns hat es jemals gebrochen. Das ist das kostbarste Geschenk, das man einem Menschen machen kann.

RUND UM DIE EHE:

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Ehe über 60 Jahre hält, wird immer geringer. Grund: Die Paare heiraten später als früher und lassen sich öfter scheiden.
  • Silberhochzeit (25 Jahre), Goldene Hochzeit (50 Jahre) und Diamantene Hochzeit (60 Jahre) wurden schon vor 200 Jahren zelebriert.
  • Einmal wurde in Österreich ein Paar nach seiner Diamantenen Hochzeit geschieden. Es war bereits 64 Jahre verheiratet gewesen.
  • 4700 Euro zahlen Österreicher im Schnitt für ihre Hochzeit. Zwölf Prozent nehmen einen Kredit auf. Jedes vierte Paar wird von der Familie finanziert.

Brigitte Quint, Kronen Zeitung

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