So, 19. November 2017

Artensterben

22.05.2017 09:45

Ökologin: „Retten wir die Schmetterlinge!“

Was haben Bienen, Schmetterlinge und - abgesehen von lästigen Gelsen - fast alle Insekten in Österreich gemeinsam? Sie werden immer weniger und "kratzen" zum Teil am Aussterben. Jeder zweite Falter gilt als gefährdet, und sogar früher so häufige Arten wie Zitronenfalter, Kohlweißling oder Tagpfauenauge sind schon selten geworden. Dabei kann jeder Gartenbesitzer etwas beitragen, um die bunten Flatterer zu retten!

Selbst, wer kein Auge für die Natur hat und am liebsten im Auto über die Straßen braust, hat in den vergangenen Jahren den Rückgang der Insekten bemerkt - es kleben einfach viel weniger an der Windschutzscheibe! "Laut Erhebungen ist80 Prozent der Biomasse der Insekten verschwunden", sagt die Welser Ökologin Gudrun Fuß vom Naturschutzbund Oberösterreich - siehe dazu auch unser untenstehendes Interview.

"Rote Liste" der Schmetterling veraltet
Am Auffälligsten ist das Verschwinden der Schmetterlinge. Fünf heimische Arten - bundesweit sind 4071 Tag- und Nachtfalterarten bekannt - sind ausgerottet. Im "Schmetterlingsreport" wird kritisiert, dass es keine oder nur veraltete "Rote Listen" bei Schmetterlingen gibt und daher Vergleichsstudien schwierig sind. "Wo man heute einen Zitronenfalter sieht, gab es vor 100 Jahren noch hundert Tiere am selben Platz", erklärt Studienautor Peter Huemer.

Insekten-Killer und die "wilde Ecke"
Ein Mega-Schmetterlings-Killer ist die Intensivierung der Landwirtschaft. "Dazu der massive Einsatz an Insektenvernichtungsmitteln", sagt Gudrun Fuß und gibt ein Beispiel: "Der Kohlweißling könnte sich, da es große Felder mit Kohlgemüse gibt, nicht über wenig Nahrung für seine Raupen beschweren. Doch Insektizide bringen diese um." Wer selbst einen Garten hat, kann Schmetterlingen mit einer "wilden Ecke", die man nur einmal im Jahr radikal mäht, und mit einigen freien Sand- oder Kiesflächen eine Kinderstube zur Verfügung stellen!

Die Welser Ökologin Gudrun Fuß erklärt, warum bunt besser als einfärbig ist und auch die wildeste Wiese ein bisschen Pflege braucht.

"Krone": Die Schmetterlinge verschwinden - finden sie nichts zu fressen?
Gudrun Fuß: Hat es ein Schmetterling einmal bis ins "Erwachsenenstadium" geschafft, ist es nicht mehr schlimm. Nektar finden die Tiere schon, sie sind wichtige Bestäuber. Das Nahrungs-Problem haben die Raupen.

"Krone": Warum?
Fuß: Weil sie Nahrungsspezialisten sind. Wenn es gewisse Pflanzen nicht gibt, dann finden die Schmetterlinge keinen Platz zur Ei-Ablage. Deshalb ist es so wichtig, dass es bunte Schmetterlingswiesen gibt, in denen viele Pflanzenarten vorkommen. Blüht sie nur gelb oder weiß, dann ist das für ein oder zwei Arten gut, aber für die anderen fatal.

"Krone": Und die Wiesen am besten in Ruhe lassen.
Fuß: Wiesen brauchen Eingriffe, um Wiesen zu bleiben, sonst verwalden sie über kurz oder lang. Aber es dürfen maximal zwei Mahden sein, so wie früher. Heute ist das Heu nicht mehr so wichtig, es wird öfter gemäht und siliert. Das ist für die Insekten kontraproduktiv.

Markus Schütz, Kronen Zeitung

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