Do, 19. Oktober 2017

Biathlon

22.02.2017 14:02

Der Dauer-Schleifer

Im Fokus stehen andere. Ohne Benjamin Eder hätten Eder, Landertinger, Eberhard und Co. aber kaum eine Medaillenchance.

Im Fußball ist die Ära der Schleifer vorbei. Trainer wie Felix Magath oder Werner Lorant gelten als Auslaufmodelle. Im Wintersport haben sie hingegen Hochkonjunktur.

Zwar standen zuletzt Simon Eder, Julian Eberhard und Co. bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Hochfilzen im Fokus der Medien, doch ohne die überragende Arbeit der Serviceleute wären ihre Erfolge kaum möglich gewesen. Kein Wunder, dass der Spruch "Wir hatten Raketen unter den Füßen" beinahe in Dauerschleife zum Besten gegeben wurde.

Eder ist Chef der Servicetechniker

Verantwortlich für die Techniker zeichnet im ÖSV-Team Benjamin Eder. Der 36-Jährige ist seit 2010 als Chef dabei und freute sich über das Lob der Athleten. "Das ist natürlich sehr schön. Es freut jeden, wenn die Ski gut gehen." Der seit acht Jahren in Thalgau lebende Eder und sein Team arbeiten das ganze Jahr über hart, um der Konkurrenz Paroli bieten zu können. "Da freut es einen natürlich, wenn die Ski manchmal die schnellsten sind." Schwer genug, denn auch die anderen Nationen schlafen nicht, arbeiten auf höchstem Niveau.

Als besonders wertvoll erwies sich der neue Wachs-Truck, der dem heimischen Team seit Saisonbeginn zur Verfügung steht. Einerseits, weil die Arbeitsbedingungen sich deutlich verbesserten, andererseits, weil mittlerweile sechs (vorher vier) Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. "Der Hauptvorteil an der Geschichte ist aber die Schleifmaschine", verrät Eder. In den letzten Jahren musste der gebürtige Oberösterreicher die Ski bereits am Montag vor einem Weltcupwochenende daheim präparieren, mittlerweile kann er täglich reagieren.

Extraschichten bei der WM

Um den größtmöglichen Erfolg zu gewährleisten, sind Extraschichten unumgänglich. Bestes Beispiel hierfür war die Herren-Staffel in Hochfilzen. Eders Arbeitstag begann bereits um sechs Uhr morgens, da sich die Bedingungen gegenüber den Vortagen deutlich änderten. "Da wird man nervös", berichtet er, "man fängt dann wieder bei null an." Acht Paar Ski wurden kurzerhand umgeschliffen. Es sollte sich auszahlen: Daniel Mesotitsch, Julian Eberhard, Simon Eder und Dominik Landertinger leisteten sich zwar zehn Nachlader - und damit die meisten unter den Top-7 -, hatten aber super Material unter den Füßen und liefen so zur Bronzemedaille. "Da war auch ein bissl Glück dabei", übt sich Eder in Bescheidenheit, stellt aber klar: "Der Druck ist auch bei uns sehr hoch!"

Zeit zum Erholen blieb dem 36-Jährigen nach Ende der Biathlon-Titelkämpfe indes keine. Schon seit Wochenbeginn befindet er sich in Lahti, um bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft mitzuhelfen, den Österreichern möglicherweise auch dort zu Medaillen zu verhelfen. "Eine Woche bin ich dabei", verrät er. Dann geht es direkt weiter nach Südkorea. In Pyeongchang steht kommende Woche die Olympia-Generalprobe der Biathleten an. Auch dort ist der Dauer-Schleifer unverzichtbar.

Christoph Nister, Kronen Zeitung

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