Mo, 23. April 2018

Ein Toter

23.10.2006 16:15

Blindgänger bei Bauarbeiten explodiert

Ein tiefer Krater im Asphalt, daneben die Leiche eines 46 Jahre alten Bauarbeiters aus Dresden, sein Ohrenschutz liegt drei Meter entfernt: Die Fräsmaschine, mit der der Mann am Montagvormittag auf der Autobahn 3 bei Aschaffenburg Trockenbeton zur Fahrbahnerweiterung einfräsen wollte, wurde von der Explosion eines Blindgängers in der Mitte auseinander gerissen. Den hunderten Schaulustigen bietet sich ein Bild der Verwüstung.

"Die Teile wurden durch die Explosion 500 Meter weit in alle Richtungen geschleudert, der Mann war sofort tot", sagt der unterfränkische Polizeisprecher Uwe Hückmann. Noch sei unklar, was genau die Explosion am Montag um 10.50 Uhr ausgelöst hat. "Aber wir gehen auf jeden Fall von einem Unfall aus, und wir gehen auch davon aus, dass es ein Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg war", sagt Hückmann.

Die Gegend um Aschaffenburg sei im Krieg besonders stark umkämpft gewesen und stark bombardiert worden. "Vermutlich handelt es sich um einen Rest dieser Angriffe", mutmaßt Hückmann, während Sachverständige vom Landeskriminalamt und vom Sprengkommando den Blindgänger analysieren. Auf ein Attentat deute derzeit nichts hin.

"Wie durch ein Wunder wurde niemand schwer verletzt"
Nur wenige Meter von dem 2,50 Meter tiefen Krater mit einem Durchmesser von acht Metern sitzen seit Stunden ungeduldig Autofahrer fest. Das Unglück ereignete sich auf einem gesperrten Abschnitt direkt an der Fahrbahn. Mindestens vier Sattelzüge und zwei Autos wurden durch umherfliegende Teile beschädigt. Hückmann spricht von zerstörten Scheiben, Lack- und Blechschäden. "Wie durch ein Wunder wurde niemand schwer verletzt." Nur eine Autofahrerin und vier Kollegen des getöteten Arbeiters hätten einen Schock erlitten.

Jürgen Kilb aus Aschaffenburg war am Vormittag gerade mit Frau und Tochter auf der Autobahnbrücke spazieren, als er in 300 Metern Entfernung einen lauten Schlag hörte. "Wir sahen die Rauchwolke und wussten, es ist etwas Schlimmes passiert", schildert er seine Eindrücke. Überall seien Teile durch die Luft geflogen. "Wir hatten Glück, dass wir nichts abbekamen. Aber meine Tochter hatte Angst und lief schnell weg."

Kilometerlange Staus in beiden Richtungen
Von 20 Kilometer langen Staus in beiden Richtungen zwischen Würzburg und Frankfurt spricht die Polizei am Nachmittag - trotz weiträumiger Umleitungen. "Die Autobahn ist zweispurig, rechnen Sie selbst aus, wie viele Menschen betroffen sind", sagt Polizeisprecher Heinz Henneberger. Durch die Innenstadt von Aschaffenburg quält sich der Verkehr.

Entnervte Autofahrer
In der Autoschlange direkt am Unfallort werden die Menschen nach drei Stunden Warten am Nachmittag langsam ungeduldig. Kinder weinen, Eltern sind genervt. Fernfahrer schauen ungeduldig auf die Uhr. Werner Müller aus Neustadt im Westerwald ist sauer: "Ich habe kein Verständnis, dass man die Straße nicht wieder frei gibt, wir stehen hier seit Stunden."

Müller wollte um diese Uhrzeit eigentlich längst zusammen mit seiner Frau im Urlaubshotel in der Fränkischen Schweiz sein. Stattdessen stecken sie bei Aschaffenburg fest - und wissen nicht, wann das Warten endlich ein Ende hat. "Meine Frau dreht bald durch vor Hunger", schimpft Müller. Außer einem Notfallseelsorger habe noch niemand mit ihnen gesprochen. "Aber der hatte auch nichts zu essen."

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