Di, 21. November 2017

Gasexplosion in Wien

08.02.2017 12:36

Verdächtiger (55): „Hab von allem nichts gewusst“

Er will von allem nichts gewusst und schon gar nicht die verheerende Detonation bewusst verursacht haben. Das ist die Grundaussage jenes Mieters, der im Verdacht steht, Ende Jänner im Wiener Bezirk Hernals eine tödliche Gasexplosion vorsätzlich herbeigeführt zu haben. Der 64 Jahre alte Hausverwalter kam dabei ums Leben, ein Gerichtsvollzieher und ein Schlosser wurden schwerst verletzt, ebenso ein Baby aus einer Nachbarwohnung.

Wie der 55-Jährige in der polizeilichen Einvernahme angab, habe er bereits seit geraumer Zeit wegen des Gasgeruchs in seiner Wohnung an Übelkeit gelitten, die Räumlichkeiten daher schon längere Zeit nicht mehr verlassen. Daher sei er auch nicht mehr zum Briefkasten gegangen und habe diesen geleert - und so auch nicht von seiner bevorstehenden Delogierung erfahren. "Ich habe nichts erwartet", so der Mann. "Was hätte ich tun sollen, wenn mir dauernd schlecht ist", sagte er in der Einvernahme.

Gasanschluss vor über einem halben Jahr abgedreht
Ebenso will der dringend Tatverdächtige nichts von finanziellen Problemen gewusst haben. Der 55-Jährige war nach eigenen Angaben im Glauben, dass seine Miete mittels Einziehungsauftrag regelmäßig abgebucht werde. Das Problem mit dem Gasgeruch würde überdies bereits sei "zwei oder drei" Jahren bestehen, erklärte er weiter. Zwar habe er das Gaswerk diesbezüglich kontaktiert, gekommen sei aber niemand.

Dass dies der Wahrheit entspricht, darf bezweifelt werden, denn erst vor etwas mehr als einem halben Jahr war der Gasanschluss des Mieters wegen ausbleibender Zahlungen abgedreht worden, berichtete Wien Energie. Seitdem wurde der Anschluss vonseiten der Wien Energie auch nicht wieder aufgedreht.

"Glocke funktionierte nicht"
Dennoch ist der 55-Jährige überzeugt, dass der Gaszähler undicht gewesen sei. Ein befreundeter Installateur habe ihm geraten, eine neue Dichtung zu kaufen. Er habe deshalb am Tag der Explosion den Gaszähler abmontiert und dazu den Haupthahn abgedreht, um zu sehen, welche Dichtung er dafür brauchen würde. Später habe er den Haupthahn aber wieder aufgedreht. Er habe eigentlich gerade zum Baumarkt wollen, als es zur Explosion kam. Das Klopfen des Gerichtsvollziehers bzw. des Hausverwalters am Tag der tödlichen Detonation will er nicht gehört haben. "Die Türe zwischen Zimmer und Küche ist sehr dicht und die Glocke funktioniert nicht", meinte er.

Mutter des Verdächtigen wusste von Delogierung
Die Ehefrau des Hausverwalters berichtete gegenüber der Polizei allerdings andere Eindrücke. Sie habe kurz vor der Detonation aus der Wohnung ein zischendes Geräusch gehört. Deshalb gehen die Ermittler davon aus, dass es sich um einen größeren Gasaustritt gehandelt haben muss, als es ein kleines Leck bei einem undichten Gaszähler verursachen kann.

Dass der 55-Jährige zudem nichts von seiner bevorstehenden Delogierung gewusst haben will, wird durch die Aussage seiner Mutter ebenfalls in Zweifel gezogen. Der Mann habe ihr gegenüber sehr wohl davon erzählt, jedoch gemeint, dass ihm alles "wurscht" sei, sagte sie. Anwalt Martin Mahrer, der die Verteidigung des Mannes übernommen hat, meinte, es habe "keinen bedingten Vorsatz gegeben, dass andere zu Schaden kommen".

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