Sa, 20. Jänner 2018

Wahl-Geschichte

13.10.2006 08:55

Nationalratswahl 2006 im Geschichts-Vergleich

Die SPÖ ist mit ihrem Wahlsieg vom 1. Oktober zum 13. Mal stimmenstärkste bei den bisher 19. Nationalratswahlen seit 1945. Die ÖVP, die auf den zweiten Platz zurückfiel, steht bei sechs ersten Plätzen. Den Grünen gelang es erstmals, die FPÖ zu überholen und Dritte zu werden. Und erstmals ins Parlament gewählt wurde das BZÖ. Damit gibt es erstmals seit 1999 wieder fünf Parteien im Nationalrat.

Die Mandats-Mehrheiten sehen etwas anders aus: 1953 und 1959 bekam die SPÖ zwar einige Stimmen mehr, die ÖVP aber dank des Wahlrechts ein Mandat mehr - und stellte damit auch den Bundeskanzler. Anders als die SPÖ musste sich die ÖVP einmal, 1999, auch mit dem dritten Rang knapp hinter der FPÖ zufrieden geben.

Das bedeutete auch den einzigen zweiten Platz, den die FPÖ seit ihrer Gründung schaffte. Bei den 18 anderen Wahlen, an denen sie oder ihre Vorläuferpartei teilnahm, wurde sie konstant drittstärkste Kraft - bis heuer. Eineinhalb Jahre nach der Abspaltung des BZÖ fiel die FPÖ erstmals hinter die Grünen auf den vierten Platz zurück. Gemeinsam hätten FPÖ und BZÖ den dritten Platz klar gehalten.

Die Grünen lagen sieben Wahlen lang - seit ihrem Einzug in den Nationalrat vor 20 Jahren - hinter der FPÖ; einmal 1995, sogar auf Platz fünf hinter dem LIF. Heuer machten sie die Wahlkarten-Stimmen dann doch noch knapp noch zur drittstärksten Kraft.

SPÖ schaffte bisher drei Mal die „Absolute“
Nur der SPÖ ist es bisher bei Nationalratswahlen gelungen, österreichweit mehr als 50 Prozent der Stimmen - also die Absolute auch im Stimmenanteil - zu erreichen: Unter Bruno Kreisky schaffte sie das 1971, 1975 und 1979. Das beste Ergebnis der Volkspartei war das der ersten Wahl im Jahr 1945, 49,8 Prozent. Annähernd gut schnitt sie nur mehr ein Mal, 1966 ab, mit 48,4 Prozent - was damals aber für die absolute Mehrheit in Mandaten und somit die Alleinregierung reichte. Danach folgte - ab 1971 - die Zeit der SPÖ-Absoluten. 1983 fand sie ein Ende. Die 80er- und 90er-Jahre waren dann vom Einbruch der Großparteien gekennzeichnet - weil die FPÖ unter ihrem Chef Jörg Haider von Wahl zu Wahl enorm zulegte, bis zum Spitzenwert von 26,9 Prozent bei der Wahl 1999.

Regierungsbeteiligung gab FPÖ einen Abschwung
Mit der nachfolgenden Regierungsbeteiligung der FPÖ in der Koalition mit der ÖVP wendete sich das Blatt: Die FPÖ erlebte einen massiven Einbruch. Bei der - wegen FPÖ-interner Streitereien vorgezogenen - Neuwahl 2002 kam sie nur mehr auf zehn Prozent, etwas mehr als in der ersten Wahl unter Haider. Mit der Wahl 2006 scheint der Absturz der FPÖ gebremst; sie konnte (bei geringerer Wahlbeteiligung) im Stimmanteil sogar wieder etwas zulegen. Außerdem bestätigten sich die Blauen als die wesentlich größere freiheitliche Partei: Sie bekamen mehr als zweieinhalb Mal so viel Stimmen wie die Orangen.

Kleinparteien und Bürgerlisten schaffen es traditionell nie

Mit dem BZÖ gibt es nunmehr sieben Parlamentsparteien in der Zweiten Republik: SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ, BZÖ - und früher LIF und KPÖ. Das Liberale Forum Heide Schmidts - ebenfalls ein FPÖ-Abspalter - gab nur ein Zwischenspiel im Nationalrat: 1994 schafften die Liberalen den Einzug, 1995 konnten sie die Grünen überholen - und 1999 flogen sie wieder raus. Ebenfalls Nationalratspartei war die KPÖ - allerdings nur in den ersten 14 Jahren der Zweiten Republik, bis zur Wahl 1959. Andere Kleinparteien oder Bürgerlisten haben es nie ins Hohe Haus geschafft.

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