Di, 17. Oktober 2017

"Krone" bei der KFOR

22.12.2016 16:50

Unser Heer am Balkan als Waffe gegen Islamisten

Das Blutbad von Berlin hat Europa nun endgültig wachgerüttelt. Deshalb ist unser Engagement bei Auslandseinsätzen eine Prävention vor dem Islamismus. Die "Krone" besuchte unsere Soldaten der KFOR.

Dröhnend und ächzend setzt die "Hercules"-Militärmaschine auf dem nebelverhangenen Flugfeld in Pristina auf. Doch heuer liegt nicht nur kalter Nebel über der Weihnachtsfeier für Österreichs KFOR-Soldaten im Kosovo: Der dunkelblutige Schatten des Berliner Terrors ist auch hier am Balkan zu spüren. Die Eiseskälte des Weihnachtsmarkt-Killers ist tief ins Unterbewusstsein der hier stationierten 500 Österreicher eingedrungen. Denn eines wissen hier alle: Der Balkan ist geheimes Rückzugsgebiet der Islamisten.

So spricht Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) auch Klartext beim Festakt: "Die letzten Tage in Berlin haben Europa wachgerüttelt. Nach Paris, Brüssel und Nizza ist der Terror nun mit aller Härte endgültig in Europa angekommen." Die Lage im Kosovo und in Bosnien sei mit einem unterirdischen Vulkan vergleichbar - man wisse nie, wo er wieder auftaucht.

Die Balkanroute ist DER Dschihadistenschleichweg
Auch Peter Pilz, grüner Sicherheitssprecher, der den SPÖ-Minister beim vorweihnachtlichen Besuch begleitet, unterstreicht dessen Warnung: "Wir müssen die Balkanroute des Dschihadismus genau im Auge behalten!"

Denn von hier aus sind nicht nur 390 Extremisten als mordende IS-Kämpfer nach Syrien oder in den Irak gezogen: In versteckten Ausbildungslagern der Salafisten trainieren sie und rüsten sich Selbstmordattentäter für den Dschihad gegen die ungläubigen Europäer. Pilz geht davon aus, dass dem Problem vorwiegend polizeilich und nachrichtendienstlich begegnet werden könne.

"Wir müssen diese Radikalisierungstendenzen gesamtheitlich sehen und nicht isoliert jedes Land für sich", fasst Doskozil seine strategische Unterredung mit den KFOR-Kommandanten vor Ort zusammen. Wenn Europa hier nicht mit vereinten militärischen Kräften eine Hürde errichte, werde dem Terror Tür und Tor geöffnet. Deshalb geht Doskozil davon aus, dass vor allem die militärische Aufklärung die beste Terror-Prävention am Balkan sei.

Ohne Aufklärung droht EU ein böses Erwachen
"Erst vergangene Woche konnten wir eine Gruppe junger Afghanen stoppen und der kosovarischen Polizei übergeben. Dank unserer Observationsgeräte haben wir die Illegalen auf einem 1000 Meter entfernten Schleichweg entdeckt", so ein Oberstleutnant (47) aus dem niederösterreischischen Mistelbach.

Ebenso wie in Bosnien sind die KFOR-Soldaten hier zwar nicht als "Geheimdienstler" unterwegs, doch als "Augen und Ohren" der Polizeikräfte im Land sind sie Beobachter der fragilen Strukturen sowie wechselnder Kräfteverhältnisse. Und so registrieren sie auch die verstärkten unverblümten Rekrutierungsversuche extremer Hassprediger.

Der steigende Radikalisierungstrend ist aber nicht nur im Kosovo zu verzeichnen, sondern nimmt auch in anderen Staaten des Balkans dramatisch zu. "Deshalb ist es wichtig, dass diese internationalen Missionen wie KFOR und EUFOR (Bosnien) aufrecht bleiben. Ansonsten wird Europa bald ein böses Erwachen erleben", nimmt sich der bullige Minister kein Blatt vor den Mund. Dass Österreichs NATO-Unterstützung hier im Kosovo noch weitere zehn Jahre nötig ist, zweifelt mittlerweile ohnehin kein sicherheitspolitischer Realist mehr an.

"Wir müssen den Anti-Terror-Kampf ebenso wie die Migrationsthematik europäisch gesamtheitlich sehen. Deshalb gilt es sich zu vernetzen, um gemeinsam gegen Bedrohungen vorzugehen", so Doskozil.

Waffen für Islamisten aus einstigem Ostblock
Gleichzeitig heißt es dagegen vorgehen, dass Saudi-Arabien und Katar am Balkan Millionenbeträge für islamistische Terrorcamps und Dschihad-Propaganda ausgeben. Und wie Pilz weiters warnt: "Wir haben hier eine massive Versorgung paramilitärischer Einheiten mit Waffen aus dem ehemaligen Ostblock zu verzeichnen. Insbesondere durch Nordbosnien führt dieser Kalaschnikow-Korridor bis hinunter nach Syrien."

Auch wenn es dann Schweinsbraten und Knödeln, Gulasch und Bier, untermalt von rührigen heimatlichen Weihnachtsliedern des Garde-Quintetts, gibt, eine wirkliche Friedensstimmung kommt bei der Weihnachtsfeier anno 2016 im Kosovo nicht auf.

Christoph Matzl, Chefreporter Kronen Zeitung

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