Mi, 18. Oktober 2017

Tierschützer empört

07.10.2016 10:07

Hochbahn über Giraffen und Löwen in Kenia geplant

Die Giraffen fressen Blätter von den Bäumen, im Hintergrund ragen Wolkenkratzer in den Himmel. Dieses Bild bietet sich den Besuchern des Nationalparks von Nairobi, der nur sieben Kilometer vom Zentrum der kenianischen Hauptstadt entfernt liegt. Nairobi wächst, die Wirtschaft boomt. Das Wachstum bedroht nun das Reservat. Eine von China finanzierte Bahnstrecke soll mitten durch den Park verlaufen.

Löwen, Hyänen, Nashörner und hunderte Vogelarten leben hier in unmittelbarer Nachbarschaft der Millionenstadt. An den Rändern wurde das 120 Quadratkilometer große Schutzgebiet bereits mehrmals beschnitten - durch Straßen, Stromleitungen und eine Pipeline, die am südöstlichen Ende des Geländes gebaut wurden. Von den nahe gelegenen Zementfabriken wehen den Wildtieren außerdem immer wieder Staubwolken entgegen. Der stärkste Einschnitt bisher waren Wohnbauten am Südende, die eine wichtige Verbindungsroute zu anderen Reservaten abriegelten.

"Katastrophale Folgen" befürchtet
"In den 70er und 80er-Jahren kamen jedes Jahr etwa 30.000 Gnus in den Park. Heute sind es nur noch 300", sagt Sidney Kamanzi vom Verein Freunde des Nairobi Nationalparks. Die nun geplante Bahnlinie werde "katastrophale Folgen" für den Park haben, sagt er.

Die Gleise sollen auf einer Strecke von sechs Kilometern durch das Naturschutzgebiet führen. Geplant ist eine Hochbahn, die durchschnittlich in 18 Metern Höhe verläuft, so dass auch Giraffen mühelos darunter durchlaufen können. 2013 hat Kenia den Ausbau seines Schienennetzes beschlossen, um den Hafen in Mombasa mit der Hauptstadt und dann weiter mit den Nachbarländern Uganda und Südsudan zu verbinden.

Billigere Streckenführung durch Park
Um nicht teures Land in der Nähe des Nationalparks kaufen zu müssen, entschieden sich die Behörden trotz des lauten Protestes von Naturschützern für den Streckenverlauf durch den Park. Auch der Kenya Wildlife Service (KWS), die staatliche Organisation zum Schutz der Nationalparks, war anfangs gegen diese Planung, stimmte ihr am Ende aber doch zu. "Ich bin eigentlich dafür, Park und Bahnstrecke zu trennen", sagt der KWS-Vorsitzende Richard Leakey. "Die Kosten einer Umgehung und die damit verbundenen Auswirkungen für unsere Wirtschaft und die Steuerzahler wären jedoch unsinnig."

Pläne beschäftigen jetzt das Umweltgericht
Die kenianische Bahngesellschaft will mit der Hochbahn im Jänner beginnen. Der Bau soll 18 Monate dauern und in drei Etappen vonstattengehen, sodass der Park nie ganz abgeriegelt werden müsste. Doch Naturschützer haben das Projekt vor das kenianische Umweltgericht gebracht, das nun den zweiten Bauabschnitt ausgesetzt hat, bis ein endgültiges Urteil gefällt ist. Die Tierschützer fordern eine Studie, wie die Bahnstrecke den Lebensraum der Tiere beeinflussen würde.

"Wenn die Bahn genehmigt wird, könnte das ein Präzedenzfall sein, der das Ende des Parks bedeutet", sagt Naturschützerin Sidney Quntai. "Heute ist es eine Hochbahn, und was wird morgen gebaut?"

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