Fr, 24. November 2017

Horst Wenzel

12.09.2016 14:01

Flirt-Coach schult Flüchtlinge unter Polizeischutz

Horst Wenzel ist Deutschlands bekanntester Flirt-Coach und behauptet, schon einige Ehen zustande gebracht zu haben. Wie er das schafft, erklärt der 27-Jährige auch jungen Flüchtlingen. In Essen lud er am Wochenende zum ersten Gratis-Flirtkurs für Flüchtlinge und vermittelte, wie man in Europa flirtet. Der Kurs sorgte für gewaltiges Medienecho und rief Kritiker auf den Plan. Wegen ihrer Drohungen stand die Veranstaltung unter Polizeischutz.

Seit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln sehen sich viele junge Flüchtlinge unter Generalverdacht, berichtet die deutsche Zeitung "Welt". Sie wüssten oftmals nicht, wie sie Frauen ansprechen sollen. Horst Wenzel von der "Flirt University" will ihnen helfen - und fand am Wochenende in Essen nach eigenen Angaben "charmante junge Herren" vor, die aus seiner Sicht "das Rüstzeug haben, um eine deutsche Frau von sich zu begeistern".

Iraker, Syrer und Libanesen im Flirtkurs
Allerdings: Wie sie das anstellen sollen, wissen junge Flüchtlinge oft nicht so genau, weshalb Wenzel Irakern, Syrern und Libanesen korrektes Flirten näherbrachte. Freilich: Dass Wenzels hochgestochenes Referat über Bedürfnispyramiden und Kommunikationsebenen den jungen Männern, die noch nicht perfekt Deutsch sprechen, geholfen hat, darf bezweifelt werden.

Das bemerkte aber auch der Flirt-Coach, der seine Kursteilnehmer letztlich mit praktischen Tipps versorgte, die man auch heimischen Jugendlichen geben würde. Dating-Apps seien ein gutes Mittel, um ersten Kontakt aufzubauen, es schade also nicht, Tinder, Lovoo oder andere Anwendungen am Handy zu installieren. Bei der Bildauswahl gelte: Klasse statt Masse. Hier könne sich sogar ein Profi-Shooting auszahlen, sagte Wenzel den Flüchtlingen.

Sprachliche Barrieren erschweren Partnersuche
Freilich: Die Partnersuche dürfte bei vielen jungen Flüchtlingen weniger an den Apps auf ihrem Handy scheitern als eher an den sprachlichen Barrieren. Spricht man die Sprache des Gegenübers nur rudimentär, flirtet es sich schlecht. Auch Vorurteile seien oft ein Hemmnis, wenn ein Flüchtling eine Beziehung anbahnen möchte, heißt es in dem Bericht.

Probleme, bei denen auch Flirt-Coach Wenzel nur bedingt helfen kann. Er macht seinen Schützlingen zwar Mut und erklärt: "Das Schöne ist ja, dass die meisten Beziehungen mit einem Kuss beginnen." Doch auch wenn er die Flüchtlinge noch über die Körpersprache der Frauen aufgeklärt hat, dürfte es ohne das eine oder andere Gespräch schwer werden.

Flirten stand für manche nicht im Vordergrund
Da dürften die weniger flirtspezifischen Ratschläge des Horst Wenzel den jungen Flüchtlingen in seinem Kurs schon eher geholfen haben. Mitglied in einem Sportklub zu werden, um Anschluss zu finden, klingt zum Beispiel nach einem plausiblen Tipp.

Und letztlich hatten es die Flüchtlinge wohl auch vor allem darauf abgesehen. Ismael, ein 17-jähriger Iraner, gibt gegenüber der Zeitung zu, er sei nicht wegen des Flirtkurses hier. "Ich wollte einfach wissen, wie die Menschen hier sind und wie sie sich kennenlernen."

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