Di, 17. Oktober 2017

"Größte Batterie"

20.05.2016 07:46

Koralm-Kraftwerk bleibt UVP-Prüfung erspart

Baukosten von einer Milliarde Euro, 960 Megawatt Leistung, zwei große Speicherseen, eine Höhle für die Turbine, hoch wie der Stephansdom: Die Dimension des geplanten Pumpspeicherkraftwerks auf der Koralm in der Steiermark ist riesig. Dennoch ist keine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig!

Eines Tages könnte es soweit sein: ein großflächiger Stromausfall, nichts geht mehr. "Ein Pumpspeicherkraftwerk kann das System wieder hochfahren. Unser Kraftwerk könnte für acht bis neun Stunden fast das ganze Bundesland versorgen, es wäre also die größte Batterie der Steiermark", sagt Projektsprecher Thomas Stelzl zur "Krone".

Zeitfenster ohne Schutzstatus
Noch besteht das Kraftwerk aber nur auf dem Papier. Die Planungen laufen seit einigen Jahren. Mit einem am Mittwoch ausgestellten Bescheid ist man der Realisierung aber ein großes Stück näher gerückt: Laut Landes-Fachabteilung ist, im Gegensatz zu einem Bescheid vor drei Jahren, doch keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig!

Wie ist das möglich? Seit kurzem ist die Gegend kein Landschaftsschutzgebiet mehr - wegen der hier verlaufenden 380-kV-Stromleitung. Eine geplante Ausweisung als Natura-2000-Gebiet ist noch nicht durchgeführt. Es gibt also gerade ein Zeitfenster ohne Schutzstatus. Davon profitiert die Kraftwerksgesellschaft.

"Containerstadt für etwa 1000 Arbeiter"
Einzelne Genehmigungen (Natur, Wasser, Forst, Energie) sind natürlich dennoch einzuholen. Sie wurden teils bereits beantragt. "Das sind ebenso hochkomplexe Verfahren", sieht Umweltanwältin Ute Pöllinger noch keinen Grund für Euphorie bei den Projektwerbern.

Bis die Bagger auffahren, wird es also noch einige Zeit dauern - und auch dann ist Geduld gefragt. Die Bauzeit beträgt mehr als fünf Jahre! "Wir müssen eine Containerstadt für etwa 1000 Arbeiter errichten", sagt Stelzl. Bei diesem Projekt scheint alles gigantisch zu sein…

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