Di, 24. Oktober 2017

Bursch im Rollstuhl

29.02.2016 06:56

Familie kämpft nach Unfalldrama mit Versicherung

Sonderbarer Rechtsstreit im Mühlviertel: Nach einem Unglück, bei dem zwei Burschen vom Kofferraum eines wegfahrenden Autos gestürzt sind, muss ein schwerst verletzter 23-Jähriger, der nur knapp überlebte und seit dem Unfall im Rollstuhl sitzt, mit der Versicherung um Schmerzensgeld streiten.

Am 3. August 2013 setzten sich Simon und ein Freund auf den Kofferraumdeckel eines BMW und sagten dem Lenker, er soll wegfahren. Der tat dies und beide stürzten vom Kofferraum. Der 23-jährige Kellner schlug am Asphalt auf, erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, war dreieinhalb Wochen in künstlichem Tiefschlaf und zwei Monate auf der Intensivstation. Dass er überlebte, war sogar für die Ärzte ein Wunder. Jetzt ist er daheim und kämpft sich zurück ins Leben, muss einfachste Bewegungsabläufe neu lernen.

Doch der Rechtsstreit mit der Autoversicherung hängt über der Familie wie ein dunkler Schatten. "Im Fall des leichter Verletzten kamen Richter des Bezirksgerichts Freistadt zum Schluss, dass den Fahrer und den Burschen, der hinten saß, jeweils die Hälfte der Schuld trifft", erklärt Anwalt Manfred Luger aus Freistadt.

"Verhandlung wie am Viehmarkt"
Er dachte, dass dieses Urteil auch für Simon gelten müsse - da beide den gleichen Blödsinn gemacht haben. Doch die "Oberösterreichische" sieht das anders, sagt: "Das Urteil ist falsch" - und will bis zum OGH gehen. Nach dem Grund gefragt, erklärt der Anwalt: "Weil es um viel mehr Geld geht als im ersten Fall. Und man weiß, dass uns die Zeit davonläuft, weil nach drei Jahren die Klage eingebracht sein muss, sonst verjähren die Ansprüche. Wir lassen ein Gutachten erstellen, das für die Berechnung der Ansprüche entscheidend ist. Dann können wir klagen."

Ein Angebot hat die Versicherung allerdings gemacht: "Zuerst wollte man eine Drittelschuld übernehmen, inzwischen lautet das Angebot 40 Prozent. Es ist eine unwürdige Verhandlung wie am Viehmarkt. Es geht um die Zukunft eines jungen Menschen", so Anwalt Luger.

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