Do, 14. Dezember 2017

Während Ticketkaufs

25.08.2015 19:23

Thalys-Angreifer schaute sich vor Tat IS-Video an

Der schwer bewaffnete Angreifer aus dem Thalys-Hochgeschwindigkeitszug hat nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft vor der Tat Propagandavideos der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat angesehen. Dieser Umstand und das "entschlossene" Vorgehen des 25-jährigen Marokkaners Ayoub El Khazzani untermauern aus Sicht der französischen Ermittler den Verdacht, dass es sich um einen vereitelten islamistischen Anschlag gehandelt hat.

Laut Staatsanwalt Francois Molins sind die Angaben des 25-Jährigen, er habe lediglich die Thalys-Passagiere ausrauben wollen, nicht glaubwürdig. Mit seiner schweren Bewaffnung - einem Schnellfeuergewehr aus ostdeutscher Produktion mit insgesamt 270 Schuss Munition, einer Pistole der Marke Luger und einem Teppichmesser - hätte El Khazzani eine "große Zahl Menschen töten oder schwer verletzen können", sagte Molins.

El Khazzani hatte auch halben Liter Benzin bei sich
Der Marokkaner sei in der Vergangenheit als radikaler Islamist aufgefallen und habe noch im Zug auf seinem Handy ein YouTube-Video angeschaut, in dem zu "gewaltsamen Aktionen im Namen des Islam" aufgerufen wird. Das Handy sei erst am Tag der Tat aktiviert worden. Laut einem Bericht des Senders France Info begann der 25-Jährige bereits während des Ticketkaufs mit dem Betrachten des Videos. Den Thalys betrat El Khazzani am Freitag mit einem Ticket für die erste Klasse, vor seinem Angriff sperrte er sich zunächst in der Toilette ein. Er hatte auch eine Flasche mit einem halben Liter Benzin bei sich.

"Entschlossenes Vorgehen": 25-Jähriger zog alle Waffen
Molins verwies auch auf das "entschlossene Vorgehen" des Mannes, der bei dem Angriff alle Waffen gezogen hatte. Neben Mordversuchen werden dem 25-Jährigen die Zugehörigkeit zu einer terroristischen Gruppe und unerlaubter Waffenbesitz zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft.

Die Ermittler waren sehr schnell von einem islamistischen Anschlagsversuch ausgegangen. Der Marokkaner war in Spanien, wo er zwischen 2007 und 2014 lebte, als radikaler Islamist eingestuft worden und deswegen auch auf einer französischen Geheimdienst-Liste potenzieller Gefährder gelandet.

Wohnungen der Schwester und von Freunden durchsucht
Im vergangenen Jahr lebte er nach eigenen Angaben mehrere Monate im Pariser Vorort Aubervilliers, dann in Köln, Wien, wieder Köln und schließlich Brüssel. Im Brüsseler Stadtteil Molenbeek-Saint-Jean durchsuchte die Polizei am Dienstag Wohnungen der Schwester des Verdächtigen und eines Freundes.

El Khazzani hatte zuvor in Verhören jedes terroristische Motiv abgestritten und von einem Überfall gesprochen. Das Schnellfeuergewehr vom Typ AKM - eine Weiterentwicklung der Kalaschnikow AK 47 - will er am Tag vor dem Angriff in einem Park in Brüssel gefunden haben. Molins sprach mit Blick auf die Angaben von "aus der Luft gegriffenen" Behauptungen.

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