Fr, 15. Dezember 2017

Gründer in Missgunst

20.08.2015 20:19

Front National schließt Jean-Marie Le Pen aus

Der französische Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen ist am Donnerstag von seiner Partei, dem Front National, ausgeschlossen worden. Die Parteispitze hatte im Frühjahr mit ihm gebrochen, nachdem er die Gaskammern der Nazis erneut als "Detail der Geschichte" verharmlost hatte. Seine Tochter Marine Le Pen hatte schon 2011 die Parteiführung übernommen.

Le Pen hatte noch am Donnerstag auf einen versöhnlichen Ausgang im Führungsstreit mit seiner Tochter Marine und der Parteispitze gehofft. "Ich habe den Wunsch ausgedrückt, dass diese etwas polemische Episode eine Etappe auf dem Weg zur Wiedervereinigung des Front National ist", sagte er nach einer Anhörung vor dem Exekutivbüro der Partei. Seine Tochter hatte ihre Teilnahme an der Sitzung abgesagt, um eine Entscheidung nicht juristisch angreifbar zu machen.

Das Exekutivbüro als höchstes Organ beschloss am Donnerstagabend "mit der erforderlichen Mehrheit" den Ausschluss des 87-Jährigen, wie die rechtsextreme Partei mitteilte. "Die vollständige und begründete Entscheidung wird Herrn Le Pen in Kürze übermittelt", erklärte der Front National in der nur zwei Sätze langen Mitteilung. Zuvor hatte sich der FN-Ehrenvorsitzende drei Stunden lang vor der Parteiführung wegen seiner antisemitischen Äußerungen verantworten müssen.

"Er hat einen Prozess losgetreten"
Marine Le Pen machte ihren Vater selbst für dessen Rauswurf aus der Partei verantwortlich. "Jean-Marie Le Pen hat einen Prozess losgetreten, dessen Ausgang er kannte", sagte die Parteivorsitzende am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur AFP. Der Parteigründer habe "seit Wochen Fehler aneinandergereiht, die nur eine solche Entscheidung nach sich ziehen konnten".

Le Pen selbst äußerte sich empört über seinen Rauswurf aus der Partei und kündigte juristische Schritte an. Er werde "selbstverständlich" gegen seinen Parteiausschluss vor Gericht ziehen, sagte der 87-jährige FN-Ehrenvorsitzende am Abend im Sender i-Tele. Er sei "Opfer eines Hinterhalts" und "in die Falle gelockt" worden.

Marine Le Pen will besseres Image
Nachdem Le Pen im Frühjahr die Existenz von Gaskammern während der NS-Zeit verharmlost hatte, hatte die Partei seine Mitgliedschaft ausgesetzt und wollte seine Ehrenpräsidentschaft aus ihren Statuten streichen. Le Pen verhinderte dies aber vor Gericht. Zudem hatte er seine Tochter und die FN-Spitze mehrfach scharf angegriffen. Marine Le Pen will der Rechtsaußenpartei seit Jahren ein bürgerliches Image verpassen.

Sie hatte Anfang 2011 die Führung des Front National von ihrem Vater übernommen. Mit einer Abkehr von den offen antisemitischen und rassistischen Parolen des Parteigründers will sie mit der rechtsextremen Partei im bürgerlichen Lager Boden gewinnen. Die Strategie scheint sich bisher auszuzahlen: Bei den Europawahlen im Mai 2014 wurde der FN erstmals stärkste Kraft in Frankreich. Bei der Präsidentschaftswahl 2017 könnte Marine Le Pen Umfragen zufolge zumindest in die Stichwahl einziehen.

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