Mi, 13. Dezember 2017

Ende ohne Schrecken

19.08.2015 08:06

"Everybody's Gone To The Rapture": Leiser Abschied

Apokalypse - das verlangt nach Explosionen, Chaos, Panik, Plünderungen und üblicherweise Horden untoter Zombies. Dass der Weltuntergang aber auch ganz anders verlaufen kann, beweist der PS4-Exklusivtitel "Everybody's Gone To The Rapture". Ein stilles Ende ohne Schrecken.

Yaughton, Shropshire. In dem beschaulichen britischen Städtchen nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Viel zeugt allerdings nicht davon, mit Ausnahme einiger weniger, offenbar fluchtartig verlassener Autos, leerstehender Häuser, blutgetränkter Taschentücher und einem auf Aushängen immer wiederkehrenden Wort: Quarantäne.

Doch wie konnte es dazu kommen? Das herauszufinden, ist die Aufgabe in "Everybody's Gone To The Rapture", dem wohl ungewöhnlichsten "Endzeit-Game" der letzten Jahre. Denn Schießprügel, Untote und dergleichen mehr sucht man in dem Open-World-Game von The Chinese Room ("Dear Esther") vergeblich.

Interaktives Hörbuch
Vielmehr gleicht der PS4-Exklusivtitel einem interaktiven Hörbuch, dessen einzelne Kapitel allerdings erst gefunden werden wollen, indem man die Erinnerungen/Dialoge einstiger Bewohner der Stadt aufspürt. Die menschenleere Stadt lässt sich zu diesem Zweck frei erkunden, wobei sich die Interaktionsmöglichkeiten in der Regel auf das Öffnen und Schließen von Türen beschränken.

Das mag zunächst nicht aufregend klingen, ist es aber - sofern man sich für eine spannend erzählte Geschichte begeistern kann. Aus den gefundenen Erinnerungsfetzen der verschiedenen Protagonisten fügt sich schließlich ein detailliertes Gesamtbild zusammen, das Aufschluss über die Vorkommnisse der Stadt und die letzten Stunden bzw. Tage ihrer Bewohner gibt.

Schaurig-schön auch ohne Schocker
Unterlegt wird das Ganze von einer Sound- und Musikkulisse, der es auch ganz ohne die typischen Schockeffekte gelingt, eine schaurig-schöne Atmosphäre zu erzeugen. Dass diese im starken Kontrast zur ländlichen Idylle steht, lässt sie nur umso unheilvoller wirken.

Am Ende - auch das muss man mögen - lässt "Everybody's Gone To The Rapture" Spielraum für Interpretationen und regt somit zum Nachdenken an. Davon zeugen seitenlange Diskussionen unter Gamern in Online-Foren. Wer also eine lineare Geschichte mit eindeutigem Ende sucht, ist hier vermutlich fehl am Platz.

Fazit: Alte Genre-Pfade zu verlassen und neue einzuschlagen - dieses Ziel haben sich die Entwickler von The Chinese Room mit "Everybody's Gone To The Rapture" gesetzt. Herausgekommen ist ein Spiel, das, bisherigen Konventionen nach, eigentlich gar keines ist. Packend ist der virtuelle Spaziergang mit Hörbuch-Charakter durch die menschenleere Stadt trotzdem. Eine gute Geschichte ist eben wichtiger als Explosionen, Zombies und Co. Daran könnte sich so mancher Entwickler ein Beispiel nehmen.

Plattform: PS4
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 8/10

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