So, 17. Dezember 2017

Kulturförderung

07.07.2015 10:23

Empfindliche Kürzungen

Ein Mehr an Sicherheit für so viele Kulturinitiativen wie nie zuvor – das bieten die neuen dreijährigen Förderverträge des Landes. Für viele der 162 Kulturinitiativen ist dieses Extra an Sicherheit indes mit Kürzungen verbunden. Und einige hat es dabei empfindlich erwischt: Wir haben uns bei den am stärksten Betroffenen umgehört.

Die Akademie Graz wurde etwa um ein Drittel beschnitten. Astrid Kury: "Diese Kürzung ist nicht nur tödlich für uns, sie ist auch demütigend. Wir liefern einen Hypermaximaleinsatz an Arbeit und hören dann, 'zu viel Wissenschaft und Bildung'. Wir hoffen nun in diesen Ressorts Gelder zu lukrieren. Gelingt das nicht, müssen wir zusperren."

Einen massiven Einschnitt muss auch Ernst M. Binders "dramagraz" hinnehmen. Das Land kürzt seine Förderung ebenfalls um ein Drittel. "Dieses Drittel haben wir uns in zehn Jahren harter Arbeit verdienen müssen", reagiert der Theatermacher in einem offenen Brief an seine Unterstützer. Und weiter: "So erlebe ich diese Kürzung als Demontage meiner 40-jährigen künstlerischen Arbeit und sie macht mich tief betroffen; auch weil ich 'dramagraz' als so etwas wie mein Lebenswerk betrachte."

Erhebliche Auswirkungen wird die Kürzung von 25 Prozent auch auf die Camera Austria haben. Reinhard Braun: "Ich kann der Vorstandssitzung nicht vorgreifen, aber das wird natürlich unseren Output und unsere Strukturen belasten. Wir sind ja bisher nicht fahrlässig mit dem Budget umgegangen, da spürt man logischerweise jede Kürzung." Die Einschränkung der Ausstellungstätigkeit steht jedenfalls im Raum.

Die Entlassung einer Mitarbeiterin kündigt das Mezzanintheater an – um 20 Prozent wurde die Förderung des Kinder- und Jugendtheaters gekürzt: "Dabei erfüllen wir alle vorgegebenen Qualitätskriterien, sind vor allem in den Regionen aktiv", ist Hanni Westphal ratlos.

Das Theater im Keller wiederum wird um knapp 17 Prozent gekürzt. Alfred Haidacher: "Wir haben 27.000 Euro weniger in den nächsten drei Jahren. Wenn ich das auf die Kosten umrechne, können wir in dieser Periode 18 Stückaufträge weniger vergeben. Oder 18 Schauspieler bekommen ein Engagement weniger."

Sehr weit verbreitet ist übrigens weiterhin die Kritik am Kulturkuratorium, in dem "Leute sitzen, die auch Geld aus jenem Topf beziehen, über den sie entscheiden".

Kommentar: Der Kuchen wird kleiner
Die Zahl der Kulturinitiativen, die (auf Empfehlung des Kulturkuratoriums) vom Land Steiermark mit mehrjährigen Förderbeiträgen bedacht werden, ist abermals gestiegen. So weit, so gut. Von 2016 bis 2018 werden in diesem Segment insgesamt 19,8 Millionen Euro vergeben. Der Kuchen wird aber definitiv nicht größer! Die Zahlen sind zwar nicht zu 100 Prozent miteinander vergleichbar, aber: Jene 162 Kulturinitiativen, die nun 6,6 Millionen jährlich aus dem Topf für mittelfristige Förderungen erhalten, haben 2013 noch weit mehr als 7 Millionen Euro an Fördergeldern lukriert. Das heißt, die Planungssicherheit ist gestiegen, die Fördersumme im Gegenzug generell gesunken. Die davon am stärksten Betroffenen reagieren mit einer Mischung aus Entsetzen, Ratlosigkeit und Resignation. Resignation weniger über die eigene Situation, sondern über allgemeine, gravierende Fehlentwicklungen. Die, dass der kulturelle Diskurs in der Steiermark immer flacher wird, immer weniger Menschen an Kultur jenseits des Konsums Interesse finden, und dass neoliberale Überlegungen wie jene einer "Marktregulierung" herrschen.

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