Mo, 20. November 2017

Erfolgreiche OP

17.06.2015 07:27

Ärzten nähten Finger von Vierjährigem wieder an

Spektakuläre Acht-Stunden-Operation im Salzburger Unfallkrankenhaus: Die Ärzte nähten den Finger eines Vierjährigen wieder an und fügten dabei Zehntelmillimeter große Gefäße zusammen. Der kleine Anton aus dem oberösterreichischen Schörfling hat sich erstaunlich gut erholt: Er kann auch schon wieder greifen und sogar malen.

Anfang Mai überschlugen sich die Ereignisse: "Wir haben eine andere Familie besucht", erzählt Mama Margit Leberbauer. Nur für einen kurzen Moment gerieten die Spielkameraden aus dem Blickfeld: Sie erkundeten die Werkzeughütte, spielten - und plötzlich passierte es. Ein Schlag mit einer Hacke trennte dem Vierjährigen seinen rechten Zeigefinger ab.

Mutter: "Habe gedacht, ich kippe um"
"Ich habe zuerst geglaubt, ich kippe um", erzählt die Mutter über den Schock. Doch es lief sofort die vorbildliche Rettungskette an: Notarzt, Hubschrauber - alle waren rasch zur Stelle. Das Unfallopfer verlor keine wertvolle Zeit auf der Straße und kam schnell in die hochprofessionelle Obhut von Primar Josef Obrist und seinem Replantationsteam im Unfallspital.

Ein so kleiner Patient ist selbst für die Spezialisten eine enorme Herausforderung. Die Gefäße sind noch nicht fertig ausgebildet: "Sie liegen bei Erwachsenen im Millimeter-Bereich, bei Kindern sind es Zehntelmillimeter", informiert Primar Obrist und betont, wie wichtig es in so einem schlimmen Moment ist, den abgetrennten Finger richtig zu transportieren: "Am besten in einem Plastiksack, gekühlt bei rund 4 Grad. Eis aber nicht direkt dazu geben", rät er.

Ärzte: "Die Chance lag bei 50 Prozent"
Egbert Ritter und Florian Müller leiteten die achtstündige Operation. "Die Chance lag bei 50 Prozent, dass wir es schaffen." Müller über die hauchdünnen Bruchstellen: "Zuerst muss man einmal die Enden der Gefäße und Nerven finden." Erst nach vier Stunden schöpften die Mediziner schließlich konkrete Hoffnung. Und mit der zweiten angenähten Arterie floss dann endlich Blut und damit Leben zurück in den Finger. "Derartige Verletzungen sind bei so kleinen Kindern selten", berichtet Primar Obrist. Die Gefäße sind zwar winzig, dafür "geht die Regeneration rasend schnell voran". Entscheidend waren die ersten Tage nach der OP, bis die Ärzte dann Entwarnung geben konnten.

Zehn Tage musste der Vierjährige im Bett bleiben. "Er hat gar nicht viel gejammert", ist die Mama stolz. Zwei Bohrdrähte fixierten seinen Finger bis vor Kurzem, jetzt erinnern nur noch ein lockerer Verband daran, was der tapfere Bub durchgemacht hat. Und jetzt klingt die von Zittern geprägte Zeit mit wertvoller Ergotherapie aus. Mittlerweile kann Anton schon wieder greifen und einen Stift halten.

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