Mi, 23. Mai 2018

Innsbruck "sicher"

05.06.2015 14:45

Mehr Klinikkeime durch medizinischen Fortschritt

Wegen so genannter Krankenhauskeime sterben nach Schätzungen von Ärzten in Österreich jährlich rund 2.500 Patienten. Tendenz steigend. Kurioserweise ist der medizinische Fortschritt Ursache, erklärt Prof. Cornelia Lass-Flörl von der Med-Uni Innsbruck. Die Fallzahlen an der Klinik seien im Vergleich sehr niedrig.

Wer ins Krankenhaus muss, hofft auf Heilung und Genesung. Doch laut Europäischem Zentrum für Krankheitskontrolle in Stockholm fangen sich in der EU jährlich rund 4,1 Millionen Menschen einen so genannten multiresistenten Klinikkeim ein, 37.000 Menschen sterben daran. In Österreich ist man auf Schätzungen angewiesen, weil es keine einheitliche Erfassung der Fälle in den heimischen Krankenhäusern gibt. Immer wieder wird deshalb Kritik laut.

20 Prozent der Keime kommen von außen

Die Ängste von Patienten, im Spital tödliche Keime aufzuschnappen, kann Prof. Cornelia Lass-Flörl, Direktorin der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Medizin-Uni Innsbruck, verstehen. Doch sie warnt vor Hysterie: "20 Prozent der gefährlichen Keime kommen von außen und sind durch Hygienemaßnahmen zu verhindern. 80 Prozent der Ursachen finden sich aber im Körper. Durch Therapien oder Operationen können dann Bakterien außer Kontrolle geraten und zur Gefahr für den Patienten werden." Dass Klinikkeime tendenziell immer häufiger auftreten, sei dem medizinischen Fortschritt geschuldet. Lass-Flörl: "Heute wird mehr operiert. Außerdem wird viel mit Antibiotika therapiert. Das alles ist eine Belastung für den Körper und erhöht das Risiko, gefährliche Keime ausbilden."

Klinik Innsbruck vergleicht mit deutschen Spitälern

Seit zehn Jahren nimmt die Klinik Innsbruck an einer deutschen Vergleichsstudie zu Klinikkeimen teil. "So erkennen wir rasch, wenn an einer Abteilung die Vorfälle zunehmen – und wir können reagieren", führt die Hygiene-Expertin aus. Alle drei Monate werden die Fallzahlen verglichen. Lass-Flörl: "Wir liegen deutlich unter dem Mittelwert." Dass Österreich keine einheitliche Datenbank für Klinikkeime hat, findet auch die Innsbruckerin bedauerlich. Bisher sei es immer an der Finanzierung gescheitert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden