Do, 23. November 2017

Schluss mit 31

01.06.2015 10:54

Hosp hört auf! Ski-Ass gab Karriereende bekannt

Die österreichische Skirennläuferin Nicole Hosp hat ihre Zukunftspläne bekannt gegeben. Die 31-Jährige hat am Montag auf der Zugspitze in Ehrwald ihr Karriereende verkündet. Hosp hatte nach Saisonende Mitte März offengelassen, ob sie ihre erfolgreiche Karriere fortsetzt oder beendet. Nun zog sie aber endgültig einen Schlussstrich. "Ich bin froh, dass es endlich öffentlich ausgesprochen ist", erklärte Hosp. Im Video oben sehen Sie ein Porträt der Ex-Skirennläuferin.

Hosp musste im fast fünfzigminütigen offiziellem Teil der Pressekonferenz im Bergpanorama-Restaurant auf der österreichischen Seite des Berges wiederholt mit den Tränen kämpfen, so wie nach dem Slalom des diesjährigen Weltcupfinales in Meribel, das ihr letztes Rennen gewesen war. "Ich bin halt doch etwas nahe am Wasser gebaut", entschuldigte sich die 31-jährige Bichlbacherin. Hosp bedankte sich bei ihren Eltern Hans und Rosi, die ihr schon im frühen Alter die Rennkarriere ermöglicht hatten, bei ihrer Schwester Sonja und bei den Trainern im österreichischen Skiverband.

Hosp zählt zu den erfolgreichsten Sportlerinnen des österreichischen Ski-Verbandes. Die Bichlbacherin war Gesamt-Weltcupsiegerin 2007, zweifache Weltmeisterin (RTL 2007 und Teambewerb 2013), hat bei Olympia drei Medaillen gewonnen (Silber Slalom 2006 und Super-Kombination 2014 sowie Bronze Super-G 2014) und wurde 2007 zu Österreichs Sportlerin des Jahres gewählt.

Kinderwunsch
Mit ihr ist eine weitere Läuferin der goldenen Zeiten des ÖSV-Teams in "Ruhestand" gegangen. Hosp hatte schon vergangene Saison mehrmals angedeutet, dass sie nicht mehr "ewig" fahren wolle. "Die Zeit für ein anderes Leben wird kommen, es geht ja auch ums Kinderkriegen", hatte sie schon im Februar 2015 einen konkreten Blick in die Zukunft gewagt. "Letztes Jahr war ich mir sicher, da hatte ich so ein Bauchgefühl. Aber heuer lodert das Feuer nicht mehr so, der Stress fordert seine Opfer." Sie beendet ihre Karriere so, wie sie sich immer gewünscht hatte: Gesund und erfolgreich.

Über ihre Zukunft nach der Rennkarriere hat sich Hosp auch schon Gedanken gemacht, und will den Skisport in irgendeiner Form erhalten bleiben. An Konzepten wird gerade gearbeitet. "Nur Trainerin werde ich nicht, ich will nicht mehr so viel reisen", sagte Hosp und freut sich nun auf ihr Privatleben in Bichlbach. "Zusammen mit Roland (Lebensgefährte, Anm.) möchte ich für viel österreichischen Skinachwuchs sorgen", kündigte Hosp an. Fragen nach einer aktuellen Schwangerschaft verneinte sie.

Auch ÖSV-Sportdirektor Hans Pum würdigte auf der Zugspitze vor rund 50-Journalisten, Freunden und Fanclub-Mitgliedern die Karriere einer seiner Paraderennfahrerinnen. Nachdem Hosp erläuterte, sie habe von den "Golden Girls" (Alexander Meissnitzer, Renate Götschl, Michaela Dorfmeister) viel gelernt, streute Pum Rosen: "Auch du bist ein Golden Girl."

Nicole Hosp war so etwas wie ein "Stehaufweibchen" in der österreichischen Ski-Nationalmannschaft. Mehrmals haben schwere Verletzungen die Karriere der Tirolerin unterbrochen, trotzdem hat es Hosp in fast 14 Weltcup-Jahren auf zwölf Medaillen und ebenso viele Weltcupsiege sowie den Gewinn der großen Kristallkugel (2007) gebracht. Das einzige, das Hosp (31) entgangen ist, war ein Abfahrts-Sieg.

Diesem letzten großen Ziel, der sie in den erlauchten Kreis der Fahrerinnen mit Siegen in allen Disziplinen gebracht hätte, kam Hosp kurz vor dem Ende ihrer Karriere am nächsten. Mit Platz drei beim Finale in Meribel holte sie im drittletzten ihrer 287 Weltcup-Rennen zwar erstmals einen Podestplatz in der schnellsten Alpin-Disziplin, auf Siegerin Lindsey Vonn fehlten ihr aber drei Zehntel Sekunden.

Debüt mit 17
Ein verschmerzbares "Manko", denn die am 6. November 1983 in Ehenbichl geborene Hosp blickt auf eine mehr als erfolgreiche Karriere zurück. Fulminant war vor allem der Start. Im Jänner 2001 gab sie mit 17 Jahren im Garmisch-Slalom ihr Weltcup-Debüt, als 18-Jährige war sie im Oktober 2002 als "Nobody" sensationell Teil des historischen, weil ersten "Triplesieges" im Riesentorlauf in Sölden, wo sie sich mit Startnummer 36 nach Laufbestzeit im Finale den Sieg mit Tina Maze (SLO) und der Norwegerin Andrine Flemmen teilte.

Fast 14 Jahre später blickt Hosp auf gleich sieben WM- aber mit Turin 2006 und Sotschi 2014 lediglich zwei Olympia-Teilnahmen zurück, weil sie 2010 in Vancouver verletzt war. Zwölf Medaillen (3 Olympia, 9 bei WM, davon drei in Teambewerben) und zwölf Weltcupsiege in RTL (5), Slalom (5), Super-G (1) und Super-Kombi (1) lautet trotz einiger längerer Verletzungspausen die beeindruckende Gesamtbilanz.

Schon früh war das einen riskanten Fahrstil pflegende Supertalent aus Bichlbach allerdings auch von Verletzungen begleitet. Die Saison 2003/2004 etwa musste Hosp vorzeitig beenden, weil sie sich beim Joggen eine Knöchelverletzung zugezogen hatte. Das erste Comeback verlief zäh. Hosp nahm zudem Abfahrt und Super-G mit ins Programm und avancierte zur Allrounderin. Erst 2006 stellten sich aber die nächsten Siege ein.

Dann kam allerdings die Saison bzw. das insgesamt beste Jahr in der Karriere der Nicole Hosp. Gleich fünf Siege gelangen der meist von Vater Hans Hosp sowie dem Fanclub begleiteten Tirolerin 2007 saisonübergreifend und zwei ihrer vier Triumphe im Winter 2006/07 fuhr sie beim Finale in Meribel ein, womit sie ihrer Teamkollegin Marlies Schild in einem mitreißenden Kampf noch die große Kristallkugel entriss. Zusätzliche Brisanz ergab sich daraus, dass Hosp mit Schilds Servicemann Roland Schönegger liiert war.

Sportlerin des Jahres 2007
Weil sie in diesem Winter auch Riesentorlauf-Weltmeisterin in Aare geworden war und zudem die kleine Kristallkugel für den Riesentorlauf-Weltcup gewonnen hatte, war ihr der Titel "Sportlerin des Jahres" nicht zu nehmen. Es sollte sieben Jahre dauern, bis mit Anna Fenninger wieder eine Österreicherin den Gesamtsieg schaffte.

Denn dann begann nicht nur der Aufstieg von Lindsey Vonn. Hosp gelangen zwar 2007/2008 noch weitere Slalom-Siege in in Aspen und Maribor und Platz zwei in der Gesamtwertung. Die Österreicherin konnte aber keinen ihrer Titel erfolgreich verteidigen und der Erfolg in Slowenien sollte der letzte für fast sieben Jahre gewesen sein.

Verletzungsserie
Stürze in Aspen und Zagreb stand Hosp in der Saison 2008/09 mit Zerrungen, Bändereinrissen und einem Schienbeinkopf-Bruch zunächst noch weg, ganz dick kam es dann aber beim Saisonstart am 24. Oktober 2009 in Sölden. Hosp stürzte an dem Ort, an dem sie ihren ersten Sieg gefeiert hatte schwer und fiel mit einem Kreuzbandriss im rechten Knie für die ganze Saison und damit auch Olympia in Vancouver aus.

Doch das "Stehaufweibchen" kehrte erneut zurück. Es folgten zwar zunächst wieder magere Jahre und als sie 2011/12 in ihrer Paradedisziplin Riesentorlauf überhaupt erstmals ohne Punkte geblieben war, reagierte sie drastisch und strich die Disziplin, in der sie ihr einziges Einzel-WM-Gold geholt hatte, aus ihrem Repertoire. Es war eine gute Entscheidung, auch wenn die Folgen auf sich warten ließen. Vielmehr wurde Hosp schon der Rücktritt nahegelegt, sogar mangelnder Trainingseifer wurde ihr unterstellt.

Aber wer Hosp abschrieb, hatte sich erneut getäuscht. Mit Superkombi-Bronze bei der Heim-WM 2013 in Schladming tauchte die Tirolerin wieder auf dem Podium von Titelkämpfen auf, danach wurde sie mit dem Team sogar Weltmeisterin.

Das Finale ihrer Karriere verlief wieder höchst erfolgreich. Nach Super-G Bronze bei Olympia 2014 in Sotschi hatte sie in allen Disziplinen Medaillen gewonnen, in Aspen holte sie nach fast siebenjähriger Erfolgspause ihren zwölften Weltcupsieg. Und bei der WM 2015 in Vail/Beaver Creek stellten sich die Medaillen elf und zwölf ein, womit sie sogar mit Annemarie Moser-Pröll gleichzog.

Das große Finale kam zweieinhalb Monate nach dem Ende der Saison 2014/15, obwohl sich der so ersehnte Abfahrtssieg nicht mehr ausgegangen war. Mit Rang drei beim Saisonfinale in Meribel fuhr Hosp in der schnellsten Disziplin aber wenigstens ein Mal auf ein Weltcup-Podest. Zweieinhalb Monate später gab sie am 1. Juni 2015 auf dem höchsten Berg Deutschlands das Ende ihrer Laufbahn bekannt. Die Zugspitze liegt nur eine halbe Autostunde von Hosps Heimatort Bichlbach entfernt.

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