Di, 21. November 2017

Kritik an Agentur

05.04.2015 09:41

Wiener Fußwegekarte kostet 580.000 Euro

Was man heutzutage für 580.000 Euro alles bekommt? Ein Luxus-Penthouse in Schönbrunn, zwei Ferraris oder, viel wichtiger, 11.600 Caritas-Pakete für Arme. Die Mobilitätsagentur hatte eine andere Verwendung für das Geld - ausgegeben wurde diese Summe für die erste Wiener Fußwegekarte.

Unter einer schweren Orientierungsbeeinträchtigung leidend, irren Hunderttausende Wiener seit Jahren verzweifelt durch die Großstadt - anders ist es nicht zu erklären, weshalb die Mobilitätsagentur 580.000 Euro in eine Karte steckt, die bloß aufzeigt, was mit offenen Augen sowieso zu erkennen ist. "Erstmals gibt es einen Stadtplan mit Fußwegen durch Wien. Flaniermeilen, FußgängerInnenzonen und Durchgänge sind darin genauso eingezeichnet wie Märkte und WC-Anlagen", wird die Karte als revolutionäre Idee beworben.

Fußgängerbeauftragte Petra Jens ist ebenfalls begeistert: "Entdecken Sie die Stadt mit neuen Augen, als wären Sie als Tourist unterwegs." Sparen ist bei der Mobilitätsagentur bekanntlich nicht notwendig. Wie berichtet, ist das Konto mit 13 Millionen Euro bis 2020 prall gefüllt (und das, obwohl die Zahl der Fußgeher nicht zu-, sondern abnimmt). Aber was kann an einer Karte 580.000 Euro kosten? Die Antwort der Mobilitätsagentur: "Die meisten Positionen zum Jahr des Zu-Fuß-Gehens sind noch nicht abgerechnet. Eine seriöse Auflistung der Detailkosten ist deshalb derzeit nicht möglich."

Kommentar von Richard Schmitt: Finale furioso
Noch sechs Monate für Rot-Grün in Wien - etwas mehr als 180 Tage bleiben noch für gewaltige Arbeitsmarktoffensiven, für Ideen zur Sanierung des Stadtbudgets, für Gebührenerleichterungen für Mindestpensionsbezieher und Familien sowie für die Umsetzung neuer Strategien gegen die importierte Kriminalität. Das wäre zwar für uns Bürger gut und schön, aber für die Damen und Herren Politiker doch alles ein bisserl kompliziert. Und auch mühsam. Im Finale furioso wird simpler gehandelt:

  1. Die Autofahrer-Sekkiererei wird perfektioniert. Wunderbares Beispiel dazu: Die dreispurige (!) Hörlgasse im 9. Bezirk wurde zur Tempo-30-Zone. Fehlt nur noch der Radarkasten.
  2. Der Radfahrbeauftragte wird bejubelt. Die mit zweistelligen Millionenbeträgen geförderte Mobilitätsagentur blamiert sich mit ihrem "Riesenerfolg" - ein Plus an Radfahrern von nur 1,6 Prozent seit 2010.
  3. 2,5 Millionen Euro Steuergeld fließen für das Jahr des Zu-Fuß-Gehens. Dazu liefert die Mobilitätsagentur eine neue Fußwegekarte. Endlich - wir haben uns bisher alle ständig in den Burggarten verirrt.
  4. Und die Frau Fußgängerbeauftragte wünscht sich heuer sicher noch mehr Geld: Ihr bisheriges Millionenbudget brachte ja peinlicherweise ein Minus im Fußgängerverkehr (Quelle: Modal Split 2014).

Wien hätte sich wesentlich bedeutendere Highlights im rot-grünen Finale verdient. Was bleibt jetzt von diesen Koalitionsjahren in Erinnerung? Bloß eine Fußgängerzone und eine Streiterei am Schluss?

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