Fr, 24. November 2017

Westenthaler-Prozess

18.11.2014 11:36

Stronach als Zeuge: „Ich mach‘ 50.000 Euro am Tag“

Mit der Zeugenaussage von Frank Stronach ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen Peter Westenthaler fortgesetzt worden. Auf die Belehrung von Richter Wolfgang Etl, dass er als Zeuge die Wahrheit sagen müsse, entgegnete Stronach: "Ich sag' immer die Wahrheit." Nach einer Stunde war die Befragung beendet. Als sich der Richter erkundigte, ob er eine Zeitbestätigung brauche, meinte der prominente Zeuge: "Geben Sie das wem anderen. Es gibt sicher genug arme Leute. Ich mach' 50.000 Euro am Tag."

Stronach war von 1999 bis 2005 Aufsichtsratsvorsitzender der österreichischen Bundesliga. Unter ihm wurde Peter Westenthaler als Bundesliga-Vorstand installiert. Auf die Frage, was Westenthaler dazu qualifiziert habe, erwiderte Stronach: "Er war ein sehr starker Anhänger der Austria. Wir haben viel über Fußball gesprochen. Er hat sich gut ausgekannt. Ich hab' ihm gesagt, du musst dich zivilisierter ausdrücken, dann sind Stellen für dich offen."

Stronach sollte Auskunft über die Drittschuldnerklage geben, welche die Finanzprokuratur gegen die Bundesliga eingebracht hatte, weil TV-Gelder widerrechtlich an den zu diesem Zeitpunkt bereits insolventen FC Tirol ausbezahlt worden waren.

Förder-Million soll zweckwidrig verwendet worden sein
Laut Anklage sollen Westenthaler und sein Co-Vorstand Thomas Kornhoff eine zur Förderung des Fußball-Nachwuchses genehmigte Subvention in Höhe von einer Million Euro zweckwidrig verwendet haben, um mit einem Vergleich die anhängige Klage aus der Welt zu schaffen. Die Anklage sieht dadurch den Tatbestand der Untreue erfüllt, Westenthaler und Kornhoff bekennen sich "nicht schuldig".

Auch Stronach machte deutlich, dass er die beiden für "nicht schuldig" halte. Dass Westenthaler den Aufsichtsrat falsch informiert habe, erscheine ihm "von meiner Seite unmöglich". Seiner Ansicht nach habe die Rechtsabteilung der Bundesliga "das nicht richtig geführt. Jetzt sucht man ein Opfer. Aber wie kann es ein Opfer geben? Es gibt ja keinen Schaden."

Fußball für Stronach "an und für sich kein Geschäft"
Auf die Frage, ob er sich an die Drittschuldnerklage erinnern könne, meinte Stronach: "Ein bisschen. Wenn Sie mir ein Dokument zeigen können, dass ich mich weiter erinnern kann." Sodann geriet der ehemalige Bundesliga-Präsident ins Philosophieren: "Wir haben immer versucht, die Politik rauszuhalten aus dem Fußball." Fußball sei "an und für sich kein Geschäft. Die gesamten Präsidenten verlieren viel Geld." Auch er habe "nur gegeben, Millionen reingegeben".

Über die Nachwuchsförderung sei "sehr viel gesprochen worden", so Stronach. Fußball sei "vielleicht doch der wichtigste Sport". Der heimische Nachwuchs sei ihm ein großes Anliegen gewesen. Um Fußball zu spielen, brauche man "Turnschuhe, eine Turnhose und ein Ruderleiberl". Ob die Million zur Erledigung der Drittschuldnerklage verwendet wurde, konnte Stronach nicht eindeutig beantworten.

"Wir haben das Beste gemacht für den Fußball"
"Was sagt Ihnen Komplementärförderung?", wollte der Richter wissen. "Komplementärförderung ist ein weitläufiger Begriff. Da kann alles Mögliche drunter fallen", sagte Stronach. Er könne sich "nicht genau erinnern". Ob das Geld für die Tilgung der Schuld verwendet wurde, "kann ich nicht genau sagen. Da müsste ich alle Akten durchlesen." Er wisse eines, betonte Stronach: "Wir haben das Beste gemacht für den Fußball."

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