Do, 23. November 2017

Morgenstern im Talk

26.09.2014 15:07

Karriere-Aus zum „richtigen Zeitpunkt“

Unter großem Medien-Interesse hat Thomas Morgenstern am Freitag im Hangar-7 seines Sponsors Red Bull auf dem Salzburger Flughafen sein Karriereende verlautbart. Der bald 28-jährige Kärntner zeigte sich dabei gefasst und nicht von großen Emotionen übermannt – wie so manch anderer Topstar vor ihm. Im Interview sprach Morgenstern über "den richtigen Zeitpunkt" und sentimentale Gefühle, seinen Standpunkt zu einer Trainer-Karriere und antwortete auch darauf, ob er denn als Sportler finanziell ausgesorgt hat.

Gratulation zu dieser Entscheidung, die sicher nicht so einfach war. Trotzdem wirken Sie erleichtert. Haben Sie genau den richtigen Zeitpunkt erwischt?
Thomas Morgenstern: Das war mit Sicherheit zum richtigen Zeitpunkt. Ich muss sagen, es ist sicher nicht so locker, wie es heute vielleicht rübergekommen ist. Aber ich habe mir geschworen, dass ich nicht sentimental werde. Das bin ich beim Herfahren geworden. Da bist du allein im Auto und denkst über Sachen nach und du weißt genau, die Dinge, die so schön waren, werden nie mehr kommen. Ich werde zum Beispiel nie mehr wieder in Bischofshofen oben stehen und unten ist der Rauch von den bengalischen Feuern, die Fahnen, der Lärm und du kommst jetzt und führst nach dem ersten Durchgang. Diese Momente werde ich nie wieder erleben und das tut eigentlich weh. Ich trauere aber nicht nach, weil ich habe es erlebt – und irgendwann kommt der Zeitpunkt.

Sie haben sicher sehr lange über Ihre Karriere nachgedacht. Gibt es etwas, was Ihnen fehlt im Rückblick?
Morgenstern: Nein. Sicher, wenn ich es mir wünschen könnte, dann würde ich die Bronzemedaille vom Kulm in eine Goldmedaille eintauschen. Aber ich kann damit leben, dass ich halt nicht Skiflug-Weltmeister geworden bin. Ich war aber über meine ganze Karriere nicht der beste Skiflieger und von dem her habe ich einen Weltcup-Sieg im Skifliegen und Bronze am Kulm. Wenn ich suchen würde, ist es klar.

Sie brauchen jetzt sicher noch viel Zeit, vom Sport Abstand zu gewinnen. Aber ist es für Sie vorstellbar, wie Heinz Kuttin einmal als Trainer zurückzukehren?
Morgenstern: Nein, als Trainer - das ist im Moment, ehrlich gesagt, unvorstellbar. Wenn dann mit 'Kids' irgendwo. Skispringen ist die Frage, aber Kinder generell: Mit ihnen arbeiten, trainieren, gewisse Erfahrungen weitergeben, das würde mir taugen. Ich kann mir nicht vorstellen, in naher Zukunft Trainer von einer Nationalmannschaft zu werden.

Martin Schmitt wird Co-Kommentator bei Eurosport. Ist das ein Job, der Sie interessiert?
Morgenstern: Ist sicher eine Option, die sich irgendwann einmal auftun wird. Das wird sich herauskristallisieren. Ich möchte schon irgendwas vielleicht in diese Richtung machen. Vielleicht gehe ich studieren (lacht).

Haben Sie nach einer so erfolgreichen Karriere eigentlich finanziell ausgesorgt?
Morgenstern: Ich glaube, dass ich schon gut leben könnte davon. Sicher habe ich was verdient, ausgesorgt ist immer relativ. Wenn ich jetzt jeden Tag Hubschrauber fliegen gehen würde, wäre es bald mal weg. Wenn ich wie ein normaler Mensch lebe, werde ich sicher nicht unbedingt morgen einen Job brauchen. Aber gar nichts tun, kann ich nicht. Ich kriege schon die Krise, wenn ich einen Vormittag zu Hause sitze und nicht weiß, was zu tun ist. Aber jetzt kann ich einmal das tun, wofür ich früher keine Zeit hatte.

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