Do, 14. Dezember 2017

Dreh im Nazikeller

22.09.2014 23:06

Ex-ÖVP-Politiker: "Waren bezahlte Statisten"

Für Empörung haben Mitwirkende in einer Szene aus Ulrich Seidls neuem Film "Im Keller" gesorgt. Die Männer, darunter zwei inzwischen zurückgetretene ÖVP-Gemeinderäte, waren singend in einem mit Nazi-Devotionalien gespickten Keller im Burgenland zu sehen. Die Darsteller erklären nun, sie seien "vom Filmemacher bezahlte Statisten" gewesen - was Seidl am Abend auch bestätigte.

"Nach einem 'Hochzeitsspielen' sollten einige Musikanten als Statisten mitwirken. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht, was auf uns zukommt", zitiert die Wochenzeitung "BVZ" einen der Männer, der erklärte: "Vier Komparsen wurden an diesem Tag ausgewählt, unterzeichneten einen Werkvertrag (hier zu sehen, Anm.), wofür sie auch bezahlt wurden. Auch alle anderen Szenen wurden von Herrn Seidl arrangiert und inszeniert, auch die Requisiten und die Einrichtungsgegenstände wurden von ihm ausgewählt."

"Hatten mit solchen Gräueltaten nie etwas am Hut"
Sie hätten das Schriftstück, mit dem sie belegen könnten, dass sie "als Statisten" mitgewirkt hätten, erst am Montag auftreiben können, hieß es von den Beteiligten. "Wir grenzen uns entschieden von jeglichem NS-Gedankengut ab, wir haben oder hatten mit solchen Gräueltaten nie etwas am Hut", erklärten sie gegenüber der "BVZ".

Seidl hatte am Freitag den Vorwurf, die Szene im Keller sei "verzerrt" dargestellt worden, zurückgewiesen. "Da muss ich gleich widersprechen: Das kann nicht verzerrt dargestellt werden. Es wird das gezeigt, was man sieht. Es ist ja auch nicht versteckt gefilmt worden und auch nicht in einer Überrumpelung", so Seidl. Die Szene mit den früheren Gemeinderäten sei "eins zu eins und nichts erfunden".

Seidl: "Verstehe, dass sie versuchen, ihre Haut zu retten"
Am Montagabend legte der Filmemacher nach: "Ich verstehe menschlich, dass sie versuchen, ihre Haut zu retten", sagte Seidl. Die beiden Männer hätten aber, "genauso wie der Großteil der darüber schreibenden Journalisten, den Film noch gar nicht gesehen". Seidl bestätigte, dass die Mitwirkenden eine Aufwandsentschädigung bekamen, "wie das bei Dreharbeiten allerorts normal und üblich ist, auch bei Dokumentarfilmen".

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