Sa, 16. Dezember 2017

Halter verarmen

03.07.2014 09:17

Tierheime wegen Delogierungen zunehmend überfüllt

Eine warme Mahlzeit am Tag oder die Miete pünktlich zahlen – vor dieser Entscheidung stehen derzeit nicht wenige Österreicher. Seit der Wirtschaftskrise steigt auch bei uns die Zahl der Arbeitslosen und der Delogierungen. Und mit den Mietern werden auch Hund und Katz' vor die Türe gesetzt. Die Tierheime sind überfüllt.

"Tiere weinen tränenlos, sonst hätte die Welt um einen Ozean mehr" – dieses weltberühmte berührende Sprichwort (Herkunft unbekannt) fällt einem zuerst ein, wenn man den Wiener Tierschutzverein in Vösendorf in Niederösterreich betritt. Nicht weil es den Hunden, Katzen, Vogelspinnen, Eidechsen, Kanarienvögeln oder Schildkröten bei Madeleine Petrovic und ihrem Team so schlecht ginge. Gemeint ist vielmehr der Leidensweg der einstigen Haustiere, bevor sie in Österreichs größtem Tierheim in Obhut kommen.

Immer mehr Tiere aus delogierten Haushalten
Und die Zahl obdachloser Samtpfoten, Vierbeiner, Echsen und Co. explodiert derzeit nicht nur in Vösendorf. Vergleichbare Institutionen in ganz Österreich berichten von einer ähnlichen Situation. Doch woher kommen plötzlich diese vielen verwahrlosten, abgemagerten und traumatisierten Lebewesen? Madeleine Petrovic: "Aus Haushalten, die delogiert wurden."

Haltern fehlt das Geld für das Allernötigste
So reicht bei immer mehr Österreichern das Geld nur noch für das Allernötigste. Was dazu nicht gehört: Futter oder Tierarztbesuche für ihre vierbeinigen Familienmitglieder. Ganz zu schweigen von Miete, Strom und andere Kosten. Ein (Spar-)Verhalten, das betroffene Vermieter nicht ewig mit ansehen. Also versuchen sie, einen Räumungsbefehl zu erwirken, um die Mieter samt Haustier auf die Straße zu setzen. Etwa 12.000 Österreicher verlieren so jährlich ihr Zuhause.

Mobiler Sozialmarkt versorgt bedürftige Tierhalter
In Wien hat sich der "Tierschutzverein Tierfreude" bedürftiger Haustierhalter angenommen: Ein mobiler Sozialmarkt liefert regelmäßig Hunde- und Katzenfutter an Klienten aus, die es sich nicht mehr leisten können. "Wir führen schon längst eine Warteliste", so Vereinsobmann Fabian Schmid. Einmal im Monat steht der Tierfreund mit seinem Team zudem am Wiener Praterstern, um obdachlosen Hundehaltern Futter, Zubehör und veterinärmedizinische Hilfe zukommen zu lassen. "Wir sind auf Spenden angewiesen", so Schmid.

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