Mi, 22. November 2017

19 Tiere obduziert

16.05.2014 10:38

Plötzliches Gämsensterben in Österreich geklärt

Im Frühjahr 2010 starb im Norden von Österreich fast ein Drittel der dort beheimateten Gämsen. Weil die Todesursache unklar war, schickten beunruhigte Jäger und Forstwirte gefundene Tierkadaver zur Obduktion an die Wildtierpathologie der Vetmeduni Wien. Dort fand man nun heraus, dass die Tiere an einer bakteriellen Lungenentzündung verendet waren.

Am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie wurden 19 der verstorbenen Tiere aus der Region Amstetten, Lilienfeld und Salzburg obduziert. Die Forschenden analysierten verschiedene Gewebe und suchten nach Bakterien, Viren oder Parasiten in den Kadavern. Die umfangreichen Analysen ergaben nun, dass die Tiere an einer massiven Lungenentzündung verstorben waren.

Zwei Bakterienstämme als Verursacher
Die Ursache der schwerwiegenden Entzündung waren Bakterien mit den Namen Mannheimia glucosida und Bibersteinia trehalosi, die bislang nur in Rindern und Schafen nachgewiesen wurden. Dass diese Keime bei Gämsen tödliche Lungenentzündungen mit Seuchencharakter auslösen können, war den Experten bisher nicht bekannt. "Wildtiere dürfen nicht medizinisch behandelt werden. Deshalb gibt es nur wenige Möglichkeiten, den seuchenartigen Verlauf einzubremsen", erklärt Annika Posautz vom Pathologie-Team des Forschungsinstitutes. "Man kann beispielsweise die Verwendung von Salzlecksteinen vermeiden."

Seit dem Jahr 2010 ist kein akutes Gämsenmassensterben mehr aufgetreten. Warum die Bakterienstämme gerade damals so viel anrichten konnten, erklärt Posautz so: "Es war wahrscheinlich ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Der Winter war sehr hart und die Tiere litten unter Parasitenbefall. Beides schwächt das Immunsystem der Tiere und führte wahrscheinlich zu den fatalen Sterbefällen."

Auch Haustierbestände sind bedroht
Gämsen kommen in den Alpen auch mit Haustierarten wie Rindern und Schafen, die auf den Almen weiden, in Kontakt. Weil Krankheitserreger zwischen Haus- und Wildtieren übertragen werden können, sind auch Haustierbestände von solchen Ausbrüchen bedroht. Die Wildtierforscherin Posautz setzt daher auf eine enge Zusammenarbeit mit Jägern und Forstwirten. Ein verstärktes Monitoring, also genaues und flächendeckendes Beobachten der Tiere, und rasches Handeln sei im Ernstfall entscheidend.

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