Mo, 23. Oktober 2017

Neun Knochenbrüche

20.02.2014 15:31

23-Jähriger misshandelte Kleinkind: Haftstrafe

Wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung an seinem Stiefsohn ist ein 23-jähriger Wiener am Donnerstag zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Der kleine Bub - damals erst knapp 13 Monate alt - war im Oktober mit zahlreichen Knochenbrüchen ins SMZ Ost eingeliefert worden. Bis zuletzt bekannte sich der Angeklagte vor Gericht nicht schuldig: "Ich schlage keine Frauen, genauso wenig wie Kinder." Das Gericht glaubte dem 23-Jährigen allerdings nicht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Anfang Oktober 2013 hatte sich nach Angaben der 21 Jahre alten Mutter der kleine Bub kaum mehr bewegt und begonnen, sich vor dem 23-jährigen Freund zu fürchten. "Er ist sonst ein sehr aktives Kind", berichtete die junge Frau. Obwohl der Kleine schon erste Gehversuche gestartet hatte, blieb er plötzlich vermehrt liegen, auch krabbeln wollte der Bub nicht mehr. Als die 21-Jährige mit ihm zum Hausarzt ging, wurde sie zunächst noch vertröstet, dass das Kind gerade Zähne bekommt. "Ich soll mir keine Sorgen machen", habe man ihr gesagt.

Am nächsten Tag waren plötzlich der linke Fuß und die linke Hand des Kindes angeschwollen. Der Kinderarzt überwies den Buben sofort ins Spital zum Röntgen. Dabei wurden insgesamt neun Frakturen - an beiden Armen, an einem Fuß, an den Rippen und dem Schlüsselbein - festgestellt. Einige Verletzungen waren mehrere Wochen alt, sodass aus Sicht der Staatsanwaltschaft davon auszugehen ist, dass das Baby über einen längeren Zeitraum misshandelt wurde.

Bub 13 Tage in stationärer Behandlung
Nach 13 Tagen in stationären Behandlung, beide Beine und beide Hände in Gips, durfte das Kind das SMZ Ost verlassen. "Danach waren wir eine Zeit lang im Mutter-Kind-Heim untergebracht", sagte die 21-Jährige.

Körperlich dürfte der Bub die Misshandlungen gut überstanden haben: Ab November 2013 begann das Kind zu laufen. "Doch wenn sich seine Cousins laut streiten, dann schreckt er zusammen, und in der Nacht schreit er manchmal laut auf", berichtete die Kindsmutter. "Ich habe gleich ihn (den Angeklagten, Anm.) beschuldigt", sagte die 21-Jährige. "Weil bei mir ist nichts passiert, bei meiner Mama ist nichts passiert, da bleibt er als einziger übrig."

"Mir ist nichts aufgefallen", erklärte hingegen der Angeklagte vor Gericht. Er habe das Baby gefüttert, gewickelt und gebadet. Und er habe von Anfang an eine gute Beziehung zu dem Buben aufbauen können, wie der 23-Jährige sagte.

5.500 Euro Schmerzensgeld für misshandeltes Kind
Das Gericht schenkte dem Beschuldigten jedoch keinen Glauben und verurteilte ihn zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Dem Kind wurden 5.500 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

Erschwerend wurden vom Gericht das Zusammentreffen mehrerer Verbrechen sowie die Vorstrafe des 23-Jährigen gewertet. Mildernd war der bisher ordentliche Lebenswandel des jungen Mannes. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung gingen in Berufung, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

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