Di, 12. Dezember 2017

30 Knochen gebrochen

05.02.2014 14:44

W: Gewaltsamer Tod des kleinen Mirel bleibt Rätsel

Als ungelöstes Kriminalrätsel wird der gewaltsame Tod des kleinen Mirel in Wien in die Geschichte eingehen. Der Bub war im April 1999 im Alter von 13 Monaten zu Tode gequält worden. Nach dem Freispruch eines heute 46-jährigen Kosovo-Albaners im März des Vorjahres - als das Kleinkind starb, war er der Freund der Mutter - kündigte die Staatsanwaltschaft zwar eine Nichtigkeitsbeschwerde an, führte diese jedoch nicht aus. Der Freispruch ist damit rechtskräftig, die unmittelbare Täterschaft bleibt ungeklärt.

Dabei hatte die Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch unmittelbar nach der Verhandlung Rechtsmittel angemeldet. Als das Urteil in schriftlicher Form vorlag, dürfte bei der Anklagebehörde jedoch ein Sinneswandel eingetreten sein: So wurde bereits Anfang Mai 2013 im Gerichtsakt vermerkt, die Staatsanwaltschaft habe ihre Nichtigkeitsbeschwerde "nicht ausgeführt".

30 Knochenbrüche und Gehirnödem
Der kleine Mirel war nach einem wochenlangen Martyrium an den Folgen von 30 Knochenbrüchen und eines Gehirnödems im Preyer'schen Kinderspital gestorben. Das schwer misshandelte Kleinkind war von der Mutter in bereits bewusstlosem Zustand ins Krankenhaus gebracht worden. Jede ärztliche Hilfe kam zu spät.

Die Mutter behauptete, ihr Kurzzeit-Freund, der sich nach dem Ableben des Babys ins ehemalige Jugoslawien absetzte, müsse ihr Kind geschlagen und gequält haben, während sie arbeiten ging. Die Justiz glaubte ihr, stellte sie wegen "Wegschauens" als Beitragstäterin zur Kindesmisshandlung vor Gericht und verhängte über die Frau fünf Jahre Haft.

Verdächtiger erst 14 Jahre später festgenommen
Ihrem Ex-Freund kam man erst knapp 14 Jahre später auf die Spur. Erst da fiel nämlich auf, dass man nach dem mutmaßlichen Täter bis dahin nur mit einem nationalen Haftbefehl gesucht hatte, obwohl die Vermutung nahe lag, dass der 1998 im Zuge der Kriegswirren im ehemaligen Jugoslawien nach Österreich geflüchtete Kosovo-Albaner in seine Heimat zurückgekehrt war.

Kurz nach Erlass eines internationalen Haftbefehls wurde der Mann in seinem Heimatdorf aufgespürt. Er wurde festgenommen, an Österreich ausgeliefert und im März 2013 freigesprochen, weil es für das Wiener Gericht keinen eindeutigen Beweis für seine Schuld gab.

Zahlreiche Pannen bei Ermittlungen
Das lag nicht zuletzt daran, dass in der Verhandlung einige "Pannen" ans Licht kamen, die man sich bei den Ermittlungen geleistet hatte. So wies der Gerichtsmediziner nach, dass rund die Hälfte der Verletzungen, die bei der Obduktion des Leichnams gezählt wurden, zu einem Zeitpunkt zugefügt worden waren, als der verdächtige Kosovo-Albaner noch gar nicht mit der Mutter zusammenlebte.

Überdies waren gegen die Frau, die aus einer vorangegangenen Ehe vier Kinder hat, bereits ab 1995 Vorwürfe in Richtung Vernachlässigung der Obsorge und Körperverletzung zulasten ihrer Kinder aufgetaucht. Zudem wurden ein blutiger Männer-Slip sowie ein Strampelanzug und ein Babypyjama mit Blutflecken, die bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung der Mutter gefunden wurden, nicht auf DNA-Spuren untersucht oder zumindest aufbewahrt, um sie zu einem späteren Zeitpunkt einer Analyse unterziehen zu können.

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